Gesundheit

552 nutzen Demenz-Test im Gesundheitsamt

Zum Demenz-Früherkennungstest beim Gesundheitsamt gehört der Uhrentest. Dabei sollen Stunden und Zeiger frei eingezeichnet werden.

Zum Demenz-Früherkennungstest beim Gesundheitsamt gehört der Uhrentest. Dabei sollen Stunden und Zeiger frei eingezeichnet werden.

Foto: Joachim Haenisch

Bottrop.   Auf Einladung der Krankenkassen kamen über 60-Jährige zur Früherkennung. Drei Prozent zeigten auffällige Ergebnisse. Thema ist nicht so ein Tabu.

Die Akzeptanz, sich mit dem Thema Demenz zu beschäftigen, ist in Bottrop dank zahlreicher Angebote und Bemühungen gewachsen; es wird nicht mehr so tabuisiert wie noch vor wenigen Jahren. Das unter anderem liest Dr. Astrid Danneberg, Leiterin des sozialpsychiatrischen Dienste im Gesundheitsamt, aus den Ergebnissen der Demenz-Screeningtage heraus. Nicht nur, dass sich mehr Menschen an den zentralen Test-Tagen rund um die Aktiv-Woche „Demenz, was nun?“ beteiligt hatten als erwartet. „Es sind auch viele noch Jüngere gekommen“, berichtet die Expertin nun zusammen mit Gesundheitsamtsleiter Dr. Christian Marga im Gespräch mit der WAZ.

Versicherte ab 60 Jahren angesprochen

Über die Krankenkassen IKK, Barmer, AOK und Knappschaft waren vor allem Versicherte ab 60 Jahren eingeladen worden, sich im Gesundheitsamt einem Früherkennungstest zu unterziehen. So eine Einladung hatte es fünf Jahre zuvor, zur ersten Demenz-Woche 2012, auch schon gegeben. Damals ließen rund 300 ältere Bottroper ihre kognitiven Fähigkeiten testen, sieben Prozent von ihnen zeigten auffällige Untersuchungsbefunde. „Das entspricht dem allgemeinen Trend“, so Dr. Danneberg.

Diesmal nun ließen sich 552 Bottroper freiwillig testen, darunter 224 Männer. Auffällige Ergebnisse – also kognitive Einschränkungen bei den Gedächtnisleistungen, die einen ersten Verdacht auf Demenz begründen – zeigten drei Prozent aller Teilnehmer. Das soll aber nicht bedeuten, dass die Menschen hier gesünder geworden sind.

Differenziert nach Altersgruppen

„Vom Anteil her sind sehr viel mehr Jüngere zum Screening gekommen. Daher habe ich die Ergebnisse der höheren Altersgruppen noch einmal herausgefiltert“, sagt die Fachfrau. Bei den 75- bis 79-Jährigen gab es sechs Prozent auffällige Ergebnisse, bei den 80- bis 84-Jährigen neun Prozent. Dr. Marga: „Je höher die Altersklasse, desto mehr Menschen leiden statistisch gesehen an kognitiven Einschränkungen.“ Allerdings geben die Bottroper Zahlen letztlich nur Anhaltspunkte, sind nicht repräsentativ. Oder, wie Dr. Marga klarstellt: „Hierbei handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Studie.“

Was den Mitarbeitern im Gesundheitsamt vor allem wichtig ist, ist diese Tests anzubieten – und den Betroffenen und Angehörigen bei auffälligen Ergebnissen weitere Wege aufzuzeigen. „Wichtig ist, dass die Betroffenen sofort das Gefühl haben: Das hier ist nicht das Ende“, so Dr. Danneberg. Eine genaue Diagnostik, die auf die Auffälligkeiten hin erfolgen muss, kann die Art der Erkrankung und die nötige (eventuell auch medikamentöse) Therapie abklären. Unterstützungsangebote in der Stadt helfen den Familien im Alltag. „Das ist ein schönes Ergebnis: Wenn die Bottroper heute mit 60 weniger Angst haben, früh zum Screening zu kommen und dann rechtzeitig wissen, worauf sie sich einstellen können.“ Diese Entabuisierung sei genau das, was sie in Zusammenarbeit mit den Diensten in der Stadt erreichen wollte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben