Wirtschaft

Zeitungsbote aus Bochum schätzt die Ruhe der Nacht

Er bringt in Langendreer und Werne die Zeitungen. Zusteller Harry Ebertkennt seine Strecke mittlerweile ohne Karte Foto:Nadja Juskowiak

Er bringt in Langendreer und Werne die Zeitungen. Zusteller Harry Ebertkennt seine Strecke mittlerweile ohne Karte Foto:Nadja Juskowiak

Harry Ebert trägt von Montag bis Samstag die WAZ in Langendreer und Werne aus. Die Arbeit als Zusteller hat für ihn einige Vorteile.

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Harry Ebert mag keinen Stress und macht ihn sich auch nicht. Der Zeitungszusteller trinkt seinen Kaffee gegen zwei Uhr morgens, wenn der Stadtverkehr noch lange nicht tobt. Die Schicht beginnt um halb drei an der Bushaltestelle Werne Amt. Zwei Kollegen starten hier mit dem Fahrrad. Ebert fährt Auto und geht zu Fuß. Bis sechs Uhr in der Früh muss jede abonnierte Zeitung im Briefkasten liegen.

„Viele machen den Fehler und halsen sich zuviel auf. Ich bin mit meinen zwei Bezirken Langendreer und Werne zufrieden“, sagt der 65-jährige Rentner. Etwa 120 Zeitungen täglich, meistens die WAZ, aber auch einzelne überregionale Blätter wie die Süddeutsche Zeitung und Fernsehzeitungen, landen jeden Montag bis Samstag durch Harry Ebert an Ort und Stelle.

Seine Strecke kennt der Zusteller mittlerweile ohne Karte, ohne Adressliste, ohne Navi. Er muss nicht einmal auf die Namensschilder schauen, sondern merkt sich einen Briefkasten mit zehn Schlitzen wie ein Raster – zweiter von unten, dritter von oben. „Ich habe ein gutes Gedächtnis “, so Ebert, der jahrzehntelang in einer Glasfabrik tätig war. Nachtschichten hat er in dieser Zeit oft gemacht.

Fahrt auf leeren Straßen

Manchmal muss er seine Tour kurzerhand umorganisieren, wenn neue Abonnenten dazu kommen. „Bei sechs oder acht Änderungen wird es dann schon komplizierter“, sagt der Zeitungsbote.

Als Zusteller genießt er die Fahrt auf leeren Straßen. Seinen Wagen hat er sich erst im vergangenen Jahr zugelegt, weil der alte zu sehr klapperte. „Ich höre gerne Musik“, sagt Ebert, während George Harrison was Flottes singt.

Um die 50 Minuten ist Ebert in Langendreer unterwegs, bevor er nach Werne wechselt. Am Ende dürfen zwei Zeitungen übrig sein. „Wenn ich eine Zeitung zuviel habe, gehe ich zurück in mein Gedächtnis und frage: Wo bist du heute nicht gewesen? Das kann ich nachvollziehen. Ich war schon immer ein Qualitätsfanatiker. Es geht nicht, dass ich einen Kunden vergesse“, so der Zeitungszusteller.

Womit das A und O seines Jobs beschrieben ist: Gewissenhaft muss er sein, zuverlässig und pünktlich. Warum sich diese Arbeit, abgesehen vom Gehalt, für den Zusteller lohne, beschreibt Ebert so: „Wenn man sich fit halten will – auch geistig – ist der Job ideal. Manche haben ja nachts Angst. Aber eigentlich ist auf den Straßen nichts los. Es ist eine ruhige Arbeit und so lange man nicht gerade Vertretung macht, ist es auch nicht anstrengend.“

Wenn Harry Ebert gegen fünf Uhr fertig ist, wird es langsam lebendig in der Stadt. „Dann gehe ich nach Hause und habe ein klasse Gefühl“, sagt er. Denn er weiß, dass seine Abonnenten am Morgen ihre Zeitung verlässlich im Briefkasten finden werden.

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