Bühne

Zeitmaul-Theater feiert den größten Erfolg seiner Geschichte

Theatermacher Witek Danielczok leitet das kleine Zeitmaul-Theater. Seit knapp vier Jahren ist die Bühne am Imbuschplatz heimisch.

Theatermacher Witek Danielczok leitet das kleine Zeitmaul-Theater. Seit knapp vier Jahren ist die Bühne am Imbuschplatz heimisch.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Komödie „Ein Abend im Sommer“ kommt beim Publikum glänzend an. Bochumer Bühne hat den Sommer genutzt: für Renovierung und Gastspiel in Polen.

Turbulente Wochen liegen hinter dem kleinen Zeitmaul-Theater am Imbuschplatz: Während der Sommerpause war die freie Bühne auf Gastspielreise in Polen. Und daneben wurde die theaterfreie Zeit genutzt, um den Saal zu renovieren und etwas neu zu gestalten. „Es ist eine Menge los“, freut sich Witek Danielczok, Gründer und Leiter des Off-Theaters.

Seit zehn Jahren ist das Zeitmaul-Theater fest in der Bochumer Kulturszene verankert, obwohl es leider längst nicht jeder kennt. Zunächst durch experimentelle, gern auch etwas gewagte Uraufführungen zeitgenössischer Texte an wechselnden Spielorten bekannt geworden, sind Danielczok und sein Team seit knapp vier Jahren in der früheren Andachtskapelle des St.-Vinzenz-Kinderheims am Westring heimisch. Der Theatersaal bietet Platz für 80 bis 100 Zuschauer: „Für uns ist das die ideale Größe“, sagt er.

In den letzten Wochen wurde der Saal nach Kräften generalüberholt und frisch gestrichen. Besonders stolz ist Danielczok darauf, dass die alten Mosaik-Fenster der Kapelle freigelegt wurden und jetzt wieder sichtbar sind. „Am Raum selber wollen wir gar nicht viel machen. Der hat seine eigene Ästhetik und spricht für sich“, meint der Theaterleiter. In naher Zukunft möchte er aber gern die Bestuhlung, die teils noch aus ausrangierten Kinosesseln besteht, gegen neue Stühle austauschen. „Immer vorausgesetzt, dafür reicht das Geld“, ergänzt Danielczok. Denn dass freie Theater chronisch klamm bei Kasse sind, ist auch am Imbuschplatz Last und Herausforderung gleichermaßen.

Interviews fürs polnische Fernsehen

Eine besondere Ehre wurde dem Theater im August zuteil: „Im Rahmen eines Festivals der Freien Europäischen Theater wurden wir in die polnische Hauptstadt Warschau eingeladen“, erzählt Danielczok. Dort zeigten sie das Stück „Provinzschauspielerin“, das Anfang des Jahres im Zeitmaul-Theater uraufgeführt wurde. Das Solo für die Schauspielerin Joanna Stanecka, die das Stück auch selber schrieb, brachte Danielczok als Regisseur auf die Bühne. „Dafür waren wir sogar bei einem Live-Interview im polnischen Fernsehen“, sagt er. „Alles sehr aufregend.“

Derweil erlebt das Zeitmaul-Theater den größten Erfolg seiner noch jungen Geschichte: „Ein Abend im Sommer“ wurde im Rahmen der zweiten BO-Biennale im Juni uraufgeführt und sorgt seither regelmäßig für ein volles Haus.

Leichtigkeit, Witz und ergreifende Momente

Rein äußerlich erinnert das Stück, das Witek Danielczok selber schrieb, an die gut gebauten Tragikomödien von Yasmina Reza und Lars Noren – und funktioniert doch völlig anders. Auch bei Danielczok sind es zwei Ehepaare, die sich an einem lauen Sommerabend zu einer ausgelassenen Feier treffen. Das Besondere daran: Man hört sie kaum. Sobald die Figuren am Wohnzimmertisch Platz nehmen, wirkt die Szenerie wie hinter Glas und bleibt stumm. Nur wenn sie raus auf die Terrasse gehen, hört man, was die Pärchen zu besprechen haben.

„Aber eigentlich kann man sich den Rest auch denken, denn jeder von uns hat solche Situationen schon erlebt“, sagt Danielczok. „Der Zuschauer wird zum Voyeur, der in seine eigenen Erfahrungen schaut. Das hat Leichtigkeit, Witz und herzergreifende Momente.“ Manche Zuschauer haben den Saal schon mit Tränen der Rührung verlassen.

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