Alzheimertag

Zehnter Alzheimertag bietet Infos zum Thema Technik

Die interaktive Kugel des Teams Icho erfasst Reaktionen und Bewegungen der Patienten. Sie soll die Motorik fördern, muss laut Jutta Meder für die Nutzung bei Demenzkranken aber noch weiterentwickelt werden.

Foto: Knut Vahlensieck

Die interaktive Kugel des Teams Icho erfasst Reaktionen und Bewegungen der Patienten. Sie soll die Motorik fördern, muss laut Jutta Meder für die Nutzung bei Demenzkranken aber noch weiterentwickelt werden. Foto: Knut Vahlensieck

Zum zehnten Mal findet der Alzheimertag in Bochum statt. Dort werden technische Errungenschaften vorgestellt und ethische Fragen diskutiert.

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Thema des Alzheimertages ist, was gerade bewegt. Auf dem Programm steht in diesem Jahr technische Hilfe im Alltag. Sprechende Pillendosen, GPS-Systeme zur Ortung einer Person oder interaktive Puppen – sie können sicherlich Hilfestellung leisten. Doch mit der voranschreitenden Technik ist auch ein ethischer Konflikt verbunden.

Hoffnung: Pflegelücken durch Technik schließen

Jutta Meder von der Alzheimergesellschaft gibt ein positives Beispiel: „Ein Patient von mir ist Marathonläufer. Für ihn ist ein GPS-Sensor genau das Richtige, weil er so seine Unabhängigkeit bewahren kann und gefunden wird, wenn er den Weg nicht mehr findet.“

Vieles sei jedoch noch in der Entwicklung: „Die Hoffnung ist, Pflegelücken durch die Technik schließen zu können“, sagt Wolfgang Wessels, Vorsitzender der Alzheimergesellschaft. Er gehört zur ehemaligen Bochumer Expertengruppe Demenz, die die Veranstaltung zum zehnten Mal auf die Beine gestellt hat. Die Bezeichnung halten die Mitglieder jedoch nicht mehr für zeitgenössisch: „Mittlerweile kann jeder ein Experte für die Krankheit sein. Deswegen haben wir heute unseren neuen Namen bekanntgegeben, Netzwerk Demenz Bochum“, sagt Jutta Meder.

Technik soll nicht ersetzen, sondern ergänzen

Pflegelücken schließen, das heißt nicht, Ersatz zu schaffen mithilfe von technischen Errungenschaften. Den Mittelweg möchte das Projekt „Our Puppet“ gehen. Eva-Maria Matip stellt es in einem Workshop vor: Acht Partner arbeiten an der Entwicklung einer Puppe, die mit moderner Technik ausgestattet eine Hilfe in der Pflege darstellen soll, zum Beispiel direkt in der Familie der erkrankten Person. Wichtig hierbei: „Die Puppe soll nicht ersetzen, sondern ergänzen.“ Zum Beispiel, um Zeit in Abwesenheit des Angehörigen mit kleinen, vorher programmierten, Dialogen zu überbrücken.

„Demenz betrifft die ganze Familie“

„Demenz ist eine Krankheit, die zwangsläufig die ganze Familie betrifft“, sagt Wolfgang Wessels. Einen Punkt, den Dr. Stefanie Oberfeld in ihrem Vortrag zu ethischen Fragen zum Technikeinsatz vorstellt, ist der der Sicherheit: „Welches Sicherheitsbedürfnis wird befriedigt? Das der erkrankten Person oder das der Angehörigen? Der Einsatz von Technik kann als eine Art Überwachung und als gezielte Verbesserung der Lebensqualität genutzt werden.“ Wichtig sei, dass Menschen mit Demenz noch selbstbestimmt handeln können – „und dabei sollen sie auch Verantwortung tragen.“

Da sich die Krankheit stetig entwickelt, kann zum Beispiel die sprechende Pillendose in einem frühen Stadium hilfreich sein, im späteren wiederum angsteinflößend: „Der Patient kann die fremde Stimme möglicherweise nicht mehr verorten“, sagt Jutta Meder.

>>> Info: Woche der Demenz

Im Seniorenzentrum Am Ostring fand bereits am Dienstag ein Angehörigenabend vom Stadtsportbund zum Thema Sport für Senioren und Menschen mit Demenz statt.

Am 19. Oktober finden kostenlose Workshops und Vorträge zum Thema Demenz im Alltag im Ratssaal in Schermbeck statt. Anmeldung ist möglich beim Demenz-Servicezentrum Ruhr.

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