Bochum historisch

Zeche Caroline wurde unter der Zentraldeponie begraben

So sahen die Tagesanlagen der Zeche Caroline aus. Links die Schachthalle mit dem Fördergerüst über Schacht 2, rechts der Malakowturm über Schacht 1. In der Mitte das Fördermaschinenhaus. Die Aufnahme entstand im Jahr 1965.

So sahen die Tagesanlagen der Zeche Caroline aus. Links die Schachthalle mit dem Fördergerüst über Schacht 2, rechts der Malakowturm über Schacht 1. In der Mitte das Fördermaschinenhaus. Die Aufnahme entstand im Jahr 1965.

Foto: Peter Rauwerda

Bochum-Kornharpen.  In den 1970er Jahren wurden die Fördergerüste der Zeche Caroline in Kornharpen abgerissen. An ihrer Stelle wuchs die Mülldeponie in die Höhe.

Die Deponie Kornharpen ist ein massiver Brocken im Stadtbild von Bochum. Sie wirkt so, als gäbe es sie „schon immer“, unverrückbar, riesig, fast wie eine natürlich Erhebung. Und doch existiert das Gebilde zwischen Sheffield-Ring und A 43 erst seit gerade mal 40 Jahren. 1978 war begonnen worden, die Mülldeponie aufzufahren. Sie begrub Straßen, Wohnhäuser und die Tagesanlagen der Zeche Caroline unter sich.

Von der Zeche Caroline haben die Wenigsten je gehört; ehemalige große Bochumer Bergwerke wie Dannenbaum, Hannibal oder Prinz-Regent sind noch im Gedächtnis, nicht so die zur Harpener AG gehörende Schachtanlage in Kornharpen, deren Abbau-Geschichte bis auf das Jahr 1870 zurückreicht. Eigenständig war das Bergwerk, das über ein eher kleines Grubenfeld verfügte, allerdings nur bis 1921. Nach diversen Fusionen ging „Caroline“ 1929 in der Großschachtanlage Robert Müser (Werne) auf.

Kohlegewinnung mit Wasser- statt Muskelkraft

Der Standort Kornharpen blieb bis in die 1970er Jahre hinein Betriebsgelände, das markante Fördergerüst über Schacht 2 mit den schräg zueinander angebrachten Förderrädern war in den 1950er und 1960er Jahren ein Blickfang. Im untertägigen Abbaufeld wurde ab 1966 in 781 Metern Teufe die Kohlegewinnung durch Hochdruck-Wasserwerfer ausprobiert; das Experiment war von kurzer Dauer, 1968 wurde das Feld „Caroline“ nach Schließung der Zeche Robert Müser abgeworfen.

Bis Mitte der 1970 waren einige „alte Kabachel“ auf dem Zechenplatz sowie das Fördergerüst erhalten. Auch die Häuser der Kolonie an der Kornharpener Straße standen noch. Die Gegend war damals nicht gerade eine Vorzeigeecke Bochums; an der benachbarten Brelohstraße waren Obdachlosenunterkünfte entstanden, das Viertel hatte einen schlechten Ruf. Der Schriftsteller Günter Wallraff schrieb darüber in seinem Buch „13 unerwünschte Reportagen“ (1969) und geißelte die Zustände vor Ort als abschreckendes Beispiel einer verfehlten Wohnungs- und Sozialpolitik in Bochum.

Großflächig abgeräumt

In den 1970er Jahren wurde das Areal zwischen Havkenscheid und Harpen/Kornharpen als Neuordnungsfläche ausgewiesen, da der Bau einer zentralen Mülldeponie angesichts immer größer werdender Müllmengen unabdingbar schien. Das Gelände der Zeche Caroline, zwischen zwei Bahnlinien gelegen, wurde abgeräumt, die alte Kolonie abgerissen, der „Schandfleck“ Brehlohstraße beseitigt.

Der Karolinenbach wurde verrohrt und als Abwasserkanal für die Deponie genutzt, die seit Ende der 70er Jahre höher und höher wuchs. Unglaubliche 12,6 Millionen Tonnen (!) Müll wurden hier abgeladen, bis die Kippe 2009 geschlossen wurde. Heute befindet sie sich in der „Nachsorgung“, und ist deshalb noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Kein Schild erinnert an die Geschichte des Pütts

Allerdings kann man drumherum laufen, es gibt einen gut ausgebauten Fuß- und Radweg, der vom Havkenscheid entlang der Deponie nach Werne bzw. Kornharpen führt. Wer hier entlang radelt und den Eindruck des gewaltigen, menschengemachten Landschaftsbauwerks auf sich wirken lässt, wird an manches denken. Sicher aber nicht an eine alte Zeche, die hier fast 100 Jahren ihren Platz behauptete, und auf der einst bis zu 1500 Kumpel angelegt waren.

Aber wie sollte es auch anders sein? Die Schließung ist lange her, alle Spuren sind verschwunden. Keine Infotafel, kein Hinweisschild hält die Erinnerung an das Bergwerk Caroline wach.

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