Wirtschaft

Zahl der Ausbildungsplätze in Bochum geht weiter zurück

Die Zahl der Ausbildungsplätze in Bochum (hier Robin Günther bei der Firma Gaedigk an der Lise-Meitner-Allee) nimmt in Bochum weiter ab.

Foto: Joachim Haenisch

Die Zahl der Ausbildungsplätze in Bochum (hier Robin Günther bei der Firma Gaedigk an der Lise-Meitner-Allee) nimmt in Bochum weiter ab. Foto: Joachim Haenisch

Bochum.   Die Zahl der Ausbildungsplätze in Bochum ist in diesem Jahr weiter zurückgegangen. Auf 100 Bewerber kommen jetzt nur noch 76 Lehrstellen.

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Die Zahl der Ausbildungsplätze in Bochum ist weiter zurückgegangen. 2008 Lehrstellen wurden der Arbeitsagentur im Ausbildungsjahr 2016/17 gemeldet – 90 weniger (4,3 Prozent) als im Vorjahr. In ähnlichem Umfang sank zugleich die Zahl der Bewerber: um 108 auf 2626 Jungen und Mädchen.

„Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage hat sich nicht verbessert“, konstatierte Agentur-Chefin Regine Schmalhorst am Donnerstag bei der Vorlage der Ausbildungsbilanz. „Ein Eldorado wie andere Regionen Deutschlands sind wir leider nicht.“ Auf 100 Bewerber kommen nun rein rechnerisch 76 Lehrstellen. Ein Jahr zuvor waren es 77, im Jahr 2014/15 sogar 83 Angebote.

Bochum liegt über dem Revier-Durchschnitt

Auch wenn Bochum damit noch immer über dem Revier-Durchschnitt (67 Lehrstellen auf 100 Bewerber) liegt, bekräftigt Schmalhorst ihren Appell an Industrie, Handel und Handwerk: „Bilden Sie aus!“ Denn das tun in unserer Stadt nur 21 Prozent aller Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Anlass auch für Bürgermeisterin Gabriele Schäfer, die Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen, die Lücke zu schließen – und dabei „auch jungen Menschen eine Chance zu geben, die nicht über die besten Schulnoten verfügen“.

Bei Kerstin Groß von der IHK Mittleres Ruhrgebiet stößt sie auf offene Ohren. Der Rückgang der Lehrstellen um vier Prozent „tut weh. Wir brauchen deutlich mehr Betriebe, die ausbilden“, so Groß. Allein der Blick auf Zeugnisnoten reiche bei der Azubi-Auswahl schon lange nicht mehr.

Der Arbeitgeberverband Ruhr/Westfalen werde nicht müde, in den Betrieben für Ausbildung zu werben, versichert Geschäftsführer Dirk W. Erlhöfer. Die aktuellen Zahlen seien auch dem Strukturwandel geschuldet. So lasse sich das Aus der Opel-Ausbildungswerkstatt mit einst 300 Lehrlingen „nicht einfach wegstecken“.

Handwerk hat nochmals zugelegt

Als Musterschüler darf sich das Handwerk wähnen. Die Betriebe konnten die Zahl der Ausbildungsplätze 2016/17 nochmals um sechs Prozent auf jetzt 439 erhöhen. Knapp jede vierte Lehrstelle in Bochum hält damit das Handwerk bereit. „Darauf wollen und werden wir uns aber keinesfalls ausruhen“, kündigt der neue Kreishandwerksmeister Michael Mauer an. Das Handwerk müsse weiterhin offensiv für sich werben und aufzeigen, dass eine Lehre keineswegs eine Sackgasse sei, sondern auch Startrampe Richtung Meisterbrief und Studium sein könne. Mauer: „Wir haben großes Potenzial.“

Das muss auch künftig voll ausgeschöpft werden, um dem vielerorts bereits massiven Facharbeitermangel zu begegnen. So beobachtet Arbeitsagentur-Leiterin Regine Schmalhorst mit Sorge, dass immer mehr Arbeitgeber ausschließlich fertige Fachkräfte für ihren Betrieb anfordern – „und dabei ihre eigene Ausbildung vernachlässigen“. Dabei gelte: Wer ausbildet, investiert in die eigene Zukunft.

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