Wohnen

Wohnen in Bochum: Gerüchte um Abriss beunruhigen Mieter

Grazyna Stargalla (8. v.li. mit dunkelblauer Mund-Nase-Maske) und ihre Nachbarn machen sich Sorgen, dass die VBW ihre Mietwohnung in Bochum-Grumme abreißen möchte.

Grazyna Stargalla (8. v.li. mit dunkelblauer Mund-Nase-Maske) und ihre Nachbarn machen sich Sorgen, dass die VBW ihre Mietwohnung in Bochum-Grumme abreißen möchte.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  In Bochum machen sich Mieter von Wohnungen der VBW Sorgen. Es gebe Gerüchte, dass die Häuser nicht saniert, sondern abgerissen werden sollen.

Nach Gerüchten um den Abriss mehrerer Wohnungen des Bochumer Wohnungsunternehmen VBW haben knapp 20 Mieter zum Protest aufgerufen. Grazyna Stargalla ist eine der Anwohner aus der Vogelsiedlung, wie sie die Gegend rund um Heckertstraße, Amsel- und Lerchenweg in Grumme liebevoll nennen. Seit 23 Jahren wohnt sie gemeinsam mit ihrem Mann in ihrer 70-Quadratmeter-Wohnung. Die Bochumerin sieht ihren Traum, dort alt zu werden, gefährdet.

Bereits 2013 habe die VBW eine Sanierung der Wohnungen angekündigt. Die Hochglanz-Fotos aus der Anwohner-Versammlung besitzt die 48-Jährige noch heute. Neue Fassade, Bäder, Balkone. Passiert sei seitdem wenig. Und nun auch noch diese Gerüchte. „Es heißt, dass die nicht wissen, ob sie wirklich sanieren oder lieber abreißen wollen“, sagt Grazyna Stargalla. „Viele Nachbarn machen sich Sorgen. Hier wohnen ja auch viele Menschen im Rentenalter, für die ist das noch schwieriger.“

Wohnen in Bochum: Mieter von Wohnungen der VBW zeigen sich besorgt

Grazyna Stargalla ist glücklich in ihren vier Wänden. „Gut, der Balkon ist schäbig. Aber die Wohnung ist sehr schön, der Keller toll und ohne Schimmel. Wir wollten hier alt werden! Es ist einfach eine schöne Ecke hier!“ In einem Schreiben vom Juli 2020 hatte die VBW ihre Mieter über den aktuellen „Prüfungsprozess“ informiert. „Der aktuelle Objektzustand spiegelt nicht die gewohnten Qualitäten der VBW Bauen und Wohnen GmbH wieder, so dass wir uns selbstverständlich mit einer passenden Maßnahmenplanung für diese Objekte beschäftigen“, heißt es dort. Beruhigt hat das die Nachbarn nicht.

Das Wohnungsunternehmen VBW dementiert auf Nachfrage der WAZ „präzise Abrisspläne“, räumt aber ein, dass es Überlegungen gebe, was mit dem Wohnungsbestand zu machen sei. Ähnliche Objekte in der Nachbarschaft seien vor fünf bis zehn Jahren saniert worden, mittlerweile führe die VBW aber keine Sanierungen mehr im bewohnten Zustand durch.

Wegen Ankündigungen von „Härtefällen“ sei eine Sanierung der Häuser um den Lerchenweg 2013 unmöglich gewesen. Insgesamt 48 Wohnungen in Grumme seien von den Plänen betroffen, heißt es von der VBW. Davon stünden fünf Wohnungen derzeit leer.

Wohnungsunternehmen VBW: „Wir sprechen über sämtliche Möglichkeiten“

„Wir sprechen über sämtliche Möglichkeiten“, sagt VBW-Sprecher Dominik Neugebauer. Bei den Überlegungen spiele die vorhandene Bausubstanz eine essentielle Rolle. Sie entscheide, welche Maßnahme an welcher Stelle Sinn ergeben. „Wir als Unternehmen legen großen Wert auf einen mangelfreien und nachhaltig geprägten Wohnungsbestand. Im jetzigen Zustand können wir die angesprochene Qualität nicht garantieren.“ So gebe es etwa undichte Dächer, Putzschäden an den Balkonen und defekte Balkonbrüstungen. Auch feuchte Keller spielen eine Rolle. Außerdem seien ältere Holztüren verbaut, die keinen energetischen Nutzen besitzen.

Die VBW will sich wegen der Größe der Anlage noch bis zum Herbst Zeit nehmen, um eine Entscheidung über die Zukunft der Häuser zu treffen. „Wir werden im Anschluss schnellstmöglich unsere Kunden informieren.“ Sollte es tatsächlich zu einem Abriss kommen, werde sich die VBW um individuelle Lösungen bei den Mieters bemühen. „Wir werden da selbstverständlich unserer sozialen Aufgabe gerecht. Wir nehmen die Sorgen und Bedenken unserer Kunden sehr ernst.“

Die Mieter geben sich damit nicht zufrieden. Sie haben bereits Unterschriften für den Erhalt ihrer Wohnungen gesammelt. „Es müsste doch nur ein bisschen etwas an der Fassade und den Balkonen gemacht werden“, sagt Grazyna Stargalla. „Wir hoffen so sehr, dass wir bleiben können!“

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