Serie: Unser Europa

Wie Bochumer Firmen Kraft aus Europa schöpfen

Was der europäische Binnenmarkt lokal für Vorteile bringt, erläutern ganz unterschiedliche Unternehmen.

Was der europäische Binnenmarkt lokal für Vorteile bringt, erläutern ganz unterschiedliche Unternehmen.

Foto: dpa

bochum.  In Bochum ansässige Unternehmen beschreiben die Vorteile des EU-Binnenmarktes. Manche Erleichterungen erschließen sich auf den zweiten Blick.

Dienstleistungs- und Kapitalfreiheit, freier Warenverkehr und freie Wahl des Arbeitsplatzes. Die vier Grundfreiheiten bieten die Grundlage des Binnenmarktes in der Europäischen Union. Davon profitieren die Menschen, vor allem aber die Unternehmen. Das bestätigen die großen Dienstleister in Bochum.

„Wir profitieren von verbindlichen Rahmenbedingungen, die für uns genauso gelten wie für unsere europäischen Partner“, sagt Jana Kaminski, Sprecherin des Wohnungsunternehmens Vonovia. Für das Geschäft sei das wichtig, weil Vonovia auch über Deutschland hinaus – in Österreich, Schweden oder Frankreich – arbeite. Kaminski: „Die Trends, die darüber entscheiden, wie wir künftig wohnen, machen nicht an Landesgrenzen halt. Einwanderung, demografischer Wandel oder auch der Klimaschutz sind Aufgaben, denen sich alle in Europa stellen müssen.“ Ohne den Binnenmarkt wäre die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen schwieriger. „Die EU bildet den größten zusammenhängenden Wirtschaftsraum der Welt. Das ist für unser Geschäft wesentlich“, so die Sprecherin weiter.

Die EU erleichtert Entscheidungswege

Der Mineralölkonzern BP Europa SE hat seine Hauptverwaltung in Bochum – beschäftigt aber neben Mitarbeitern in Deutschland auch über 10.000 Menschen in Belgien, den Niederlanden, Österreich, Polen, der Schweiz und in Ungarn. BP ist eine Aktiengesellschaft nach europäischer Gesetzgebung. „Die EU vereinfacht die Unternehmensführung, erleichtert Arbeitsabläufe, schafft schnelle Entscheidungswege und spart dadurch Kosten“, erklärt Unternehmenssprecher Marc Schulte. Ohne die EU gebe es Grenzkontrollen für Bürger und Waren, aber keine Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie offene Grenzen.

Generell sei „der Handel mit Strom und Gas sehr stark europäisch geprägt“, sagt Stadtwerke-Sprecher Kai Krischnak. Auf lokaler und nationaler Ebene leiste das Unternehmen seinen Beitrag, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Außerdem belebten europaweite Ausschreibungen nach Eindruck der Stadtwerke den Wettbewerb – auch wenn es bisher nur Einzelfälle gegeben habe, in denen ein ausländisches Unternehmen Aufträge bekommen hat.

Vorteile für Versicherte

Die Vorteile der EU schätzt auch die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See: „Viele Versicherte würden ohne EU schlechter gestellt“, erklärt Sprecher Wolfgang Buschfort bezogen auf das Thema Rente. Das liege daran, dass alle 28 Mitgliedsstaaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein das soziale Europarecht anwenden. Wäre das nicht so, müsste Deutschland mit allen anderen Staaten ein Sozialversicherungsabkommen abschließen. „Bis zum Abschluss solcher Abkommen würden viele Renten niedriger ausfallen oder gar nicht erst gezahlt werden“, erklärt Buschfort. Deutsche Renten für Bezieher im Ausland wären niedriger, wer im Ausland gearbeitet hat, müsste um seine Rente in Deutschland bangen.

Auch die Krankenversicherungen profitiere laut Buschfort von der EU – weil sie einheitliche Gesetze haben. Wer sich im europäischen Ausland aufhält und krank wird, könne versorgt werden, in dem er seine Europäische Krankenversichertenkarte vorzeigt, die auf die Rückseite der deutschen Chipkarte gedruckt ist.

Im Gegensatz zu den globalen Unternehmen, agiert die Bochumer Sparkasse in erster Linie lokal – trotzdem habe die EU Auswirkungen auf die Arbeit. Sprecherin Sabine Raupach-Strohmann erklärt: „Beispielsweise das Sepa-Lastschriftverfahren hat den Zahlungsverkehr innerhalb er EU erheblicht vereinfacht und für unsere Kunden auch vergünstigt.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben