Kommunalwahl

Wenige Parteien in Bochum setzen auf Haustürwahlkampf

Ratskandidat Christian Kalisch (SPD) stellt sich bei Simone Hoffmann aus Bochum-Werne an der Haustür vor.

Ratskandidat Christian Kalisch (SPD) stellt sich bei Simone Hoffmann aus Bochum-Werne an der Haustür vor.

Foto: Marie Illner

Bochum.  Wegen der Coronakrise setzen nur wenige Parteien auf Haustürwahlkampf. SPD und CDU klingeln aber weiter bei Wählern an.

Johannes Kuriewicz (CDU) streift sich Gummihandschuhe über die Hände und zieht seine Maske ins Gesicht. Er hat schon Dutzende Wahlkämpfe mitgemacht, aber in diesem Jahr ist alles anders. Planung und Durchführung – unter Corona-Bedingungen bekommt auch der Wahlkampf ein neues Gesicht.

„Wir setzen trotzdem auf Haustürwahlkampf“, sagt Kuriewicz und holt Flyer aus seiner Tasche. Darauf zu sehen: Ratskandidatin Dr. Katrin Augustinowski. Die klingelt nun an der ersten Haustür in Steinkuhl. „Man braucht immer ein paar Häuser, um reinzukommen“, sagt die 34-Jährige und fixiert die Haustür.

CDU-Kandidatin aus Bochum: „Zu mir als Kandidatin zählt auch meine Mimik“

Augustinowski, promovierte Physikerin, trägt ihre lockigen Haare offen, dazu ein blau-geblümtes Kleid. Eine Maske trägt sie nicht. „Zu mir als Kandidatin zählt auch meine Mimik“, erklärt sie. Deshalb überreiche ein Wahlkampfhelfer unter hygienischen Bedingungen Infomaterial, während sie sich für ein persönliches Gespräch auf Abstand anbiete.

Die Wahlkampfplanung sei deutlich aufwändiger gewesen, die Durchführbarkeit von Infoständen lange unklar, heißt es aus der CDU-Wahlkampfkommission. Alle Aktivitäten seien auf ihre Eignung untersucht worden. Ergebnis: „Gerade beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf können Hygieneregeln gut eingehalten werden“, so Geschäftsführer David Schary.

SPD: „Wir fokussieren uns auf Einfamilienhaussiedlungen“

Das sieht auch die SPD so: SPD-Ratskandidat Christian Kalisch (20) zieht gemeinsam mit Bezirkskandidatin Beate Scheffler (68) um die Häuser in Werne – ihre Masken passend im roten SPD-Look. „Wir fokussieren uns auf Einfamilienhaussiedlungen“, sagt Politikwissenschaftsstudent Kalisch. Generell wolle man nicht auf den Haustürwahlkampf verzichten, weil der persönliche Kontakt sehr wertvoll sei.

„In der Kommunalpolitik sind wir die Nachbarn der Bürger“, sagt Scheffler. Weil sie im Stadtteil gut vernetzt sei, würden viele Anwohner sie kennen und reagierten nicht überrascht. „Aber wir haben uns natürlich schon gefragt: Wie ist das in Corona-Zeiten, wenn Fremde vor der Tür stehen?“, so Scheffler.

An einer der ersten Haustüren öffnet Simone Hoffmann. Kalisch stellt sich vor, überreicht Flyer und Kugelschreiber. „Ich kenne Haustürwahlkampf gar nicht“, sagt Hoffmann. Vielleicht seien jetzt in Coronazeiten mehr Menschen zu Hause anzutreffen. Erfolg jedenfalls auch an weiteren Haustüren: Zusätzlich zu Gesprächen über Supermarkt- und Kita-Bau, Verschönerung der Straßen oder offene Ganztagsschulen gibt es aus der roten Filztasche Süßigkeiten, Kochbücher, Basilikum-Samen. „An den Ständen sind wir aber von Give-Aways zu Take-Aways übergegangen“, merkt Scheffle an. Die Bürger könnten selbst entscheiden, ob sie etwas mitnehmen.

Die Grünen in Bochum verzichten auf Haustürwahlkamp

Nicht alle Parteien haben sich für Haustürwahlkampf entschieden. „Haustürwahlkampf ist eine der effektivsten Formen des Wahlkampfes, aber in Coronazeiten auch eine der risikoreichsten“, sagt Sebastian Pewny, Spitzenkandidat der Grünen. Das Wahlkampfteam habe sich aufgrund der Pandemieentwicklung deshalb dagegen entschieden, großflächigen Haustürwahlkampf zu machen. Anfangs habe man vereinzelt bei Einfamilienhäusern geklingelt, verzichte aber nun angesichts steigender Fallzahlen komplett auf das Format. „Wir wollen niemanden in Gefahr bringen“, so Pewny.

Ebenso fiel die Entscheidung bei der FDP aus: „Der Haustürwahlkampf stellt üblicherweise eine besondere Gelegenheit dar, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und individuell auf Fragen und Anregungen eingehen zu können“, gibt Bezirkskandidat Steffen Walter zu. Sein Eindruck sei aber, dass viele Menschen aktuell nicht notwendige Kontakte in der Öffentlichkeit mit fremden Personen mieden. Nach langer Abwägung deshalb auch in der Bochumer FDP-Zentrale die Entscheidung: Von Tür zu Tür zieht in diesem Wahlkampf niemand. Straßenwahlkampf betreibe man dennoch, werfe außerdem Flyer in Briefkästen.

Die „UWG: Freie Wähler“ nutzen „sehr stark die sozialen Medien“

So halten es auch die „UWG: Freie Wähler“: „Am Straßenstand achten wir auf entsprechenden Abstand und tragen, wenn es die Situation erfordert, Masken“, sagt der Vorsitzende Tim Pohlmann. Die Bürger seien recht vorsichtig, kämen aber nicht seltener zum Stand als sonst. „Wir schalten in diesem Jahr mehr Anzeigenwerbung und nutzen sehr stark die sozialen Medien“, beschreibt Pohlmann eine Auswirkung der Coronakrise.

Für die FDP ist das nichts Neues: „Wir setzen auch schon vor der Pandemie vermehrt auf digitale Formate und Angebote. Dieser Trend wurde teilweise noch ein wenig beschleunigt“, heißt es.

Die Kleinpartei „Volt“, die für das Ruhrparlament kandidiert, verzichtet zwar in der Verbreitung ihrer politischen Inhalte auf Haustür-Wahlkampf, musste aber dennoch klingeln: „Wir brauchten die letzten Unterstützerunterschriften, die für die Zulassung zur Wahl nötig waren“, erklärt Luca Störkel, von Volt.

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