Hilfsaktion

Weihnachtsfreude für Kinder an der Frontlinie in der Ostukraine

Lilly Schunk, Jennifer Graf,  Anastasia Voltov und Vanessa Weilert (von links) und zwei weitere junge Frauen machen sich auf den Weg, um mit ukrainischen Kindern Weihnachten zu feiern.

Lilly Schunk, Jennifer Graf, Anastasia Voltov und Vanessa Weilert (von links) und zwei weitere junge Frauen machen sich auf den Weg, um mit ukrainischen Kindern Weihnachten zu feiern.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Junge Frauen reisen zu Weihnachten ins Donezbecken, um mit Kindern zu singen und zu tanzen. Projektleiterin nimmt bewegende Erlebnisse mit

Kaum jemand nehme das Wort „Krieg“ in den Mund und doch lebten die Menschen im Osten der Ukraine weiterhin in einer andauernden Bedrohungslage, schildert Anastasia Voltov. Bereits zum vierten Mal reist die 22-Jährige mit einer Gruppe der Bochumer freichristlichen Pfingstgemeinde Gottes Wort in die Dörfer und Städte nahe der Frontlinie im Donezbecken. Sie möchten den Kindern an Weihnachten ein Lachen entlocken.

„Ich habe auf diesen Reisen festgestellt, dass der Mensch sich an alles Mögliche gewöhnen kann. Ich glaube, die Leute dort haben schon vergessen, wie es ist, unter einem ruhigen Himmel zu schlafen.“ Am Abend zögen sich die Menschen in die schützenden Keller zurück und auch am Tag sei es meist leer auf den Straßen, schildert sie. Anfang Januar machen sich die sechs jungen Frauen der Bochumer Gemeinde auf den Weg. Die Christen in der Ukraine feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender am 7. Januar.

Familie ist ein schönes Geschenk

Anastasia Voltov, die Sozialarbeit studiert, nimmt jedes Jahr bewegende Eindrücke mit. Ihr Programm mit Liedern und Tanz kreist um die Frage: Was ist das schönste Geschenk an Weihnachten? Am Ende steht die Weihnachtsgeschichte, die Friedensbotschaft: Die Ankunft von Jesus Christus ist die mildeste Gabe in der heiligen Nacht. „Manchmal hauen die Kinder mich um. In einer Stadt schrien sie auf die Frage nach dem schönsten Geschenk: ,Familie’. Sie waren erst kurz vorher nach Hause gekommen, nachdem sie evakuiert waren“, so die 22-Jährige.

Partnerin der Aktion ist die Theatergruppe einer freichristlichen Gemeinde in Kiew. Die jungen Deutsch-Russinnen aus Bochum erheitern die Kinder vor dem Theaterstück. Sie schlüpfen dazu in unterschiedliche Rollen: Künstler, Schlafmütze, Koch und Streber.

In der Region machten sich mehrere solcher Gruppen auf den Weg. Insgesamt hätten im vergangenen Jahr 15 000 bis 17 000 Kinder erreicht, so Voltov.

Lilly Schunk reist in diesem Jahr das erste Mal mit an die Frontlinie. Furchtsam sei sie nicht: „Sorgen machen sich eher meine Angehörigen. Ich selbst bin in freudiger Erwartung und gespannt“, sagt die 24-Jährige, die ebenfalls Sozialarbeit studiert. Lehramtsstudentin Vanessa Weilert schildert ihre persönlichen Gründe für die Reise in die Ukraine: „Es ist etwas anderes, seine Komfortzone mal zu verlassen. Als Kind würde ich mir in dieser Situation auch wünschen, dass jemand kommt, um mir eine Freude zu bereiten. Es könnte doch auch hier sein. Die Ukraine ist nicht so weit entfernt“, sagt sie.

Es herrschte nur Stille

Die Reaktionen der Kinder seien nicht immer unbeschwert. „Es gab einen Ort, da wollten wir mit den Kindern singen und tanzen. Aber sie saßen einfach nur da, es herrschte Stille“, so Voltov. „Die Anspannung dort überträgt sich auf die Kinder“, sagt Lilly Schunk.

Weihnachtspakete, die noch im Vorjahr an Mädchen und Jungen überreicht wurden, würden am Zoll zu lange geprüft. Darum besorgen die Partner in Kiew kleine Geschenke für die Kinder. Jedes erhält eine Weihnachtstüte mit Süßem und eine Kinderbibel. Vielleicht kann dieses Buch dem einen oder anderen Kind helfen, sich auch an schwierigen Tagen an das schönste Weihnachtsgeschenk zu erinnern.

>>Projekt ist auch auf Spenden angewiesen

Die Aktion der sechs jungen Frauen aus Bochum wird mit einem Eigenanteil und mit Spenden finanziert. Die Gemeinde Gottes Wort ist für jede Unterstützung des sozialen Projekts dankbar.

Weitere Infos zum Projekt finden Interessierte bei Facebook unter: @weihnachtenfrontlinie. Ansprechpartner ist Anastasia Voltov, per E-Mail erreichbar unter: a.voltov@gmx.net.

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