Nahverkehr

WAZ-Leser gewinnen Einblick in zentrale Leitstelle der Bogestra

Die WAZ-Leser beobachten aus dem Hintergrund das Geschehen in der Leitstelle.

Die WAZ-Leser beobachten aus dem Hintergrund das Geschehen in der Leitstelle.

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Zehn Leser der WAZ konnten durch die Aktion „WAZ öffnet Pforten“ am Dienstag einen einmaligen Einblick in die Arbeitsweilt der Verkehrsmeister der Bogestra gewinnen. Sie steuern und kontrollieren aus der zentralen Leitstelle den kompletten Bus- und Straßenbahnverkehr in Bochum und Gelsenkirchen.

Die große Videowand zeigt leere Schienen, wartende Menschen und einrollende Straßenbahnen. Sechs Männer beobachten die Aufnahmen. Vor sich weitere Bildschirme mit Listen und Diagrammen, die wie Schnittmuster aussehen. Sie sind Verkehrsmeister und steuern und kontrollieren die insgesamt 74 verschiedenen Bus- und Straßenbahnlinien der Bogestra – per Funk und mit dem Computer. Zehn Leser hatten gestern mit der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ die Gelegenheit, die Leitzentrale der Bogestra zu besichtigen.

Treffpunkt Hauptbahnhof Ausgang Buddenbergplatz. Sie ist hier kaum zu vermuten, aber über den Köpfen der Besuchergruppe befindet sich das Herzstück des Bus- und Straßenbahnnetzes des Bochumer und Gelsenkirchener Raums: Die zentrale Leitstelle der Bogestra mit Technikleitstelle und Sicherheitszentrale. „Seit 1987 sind wir an diesem Platz, 2008 haben wir unser System auf modernste Technik umgestellt“, berichtet Leitstellenleiter Ralf Hessel.

Rund um die Uhr im Einsatz

Sechs seiner 32 Mitarbeiter sind stets vor Ort, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Hessel: „Weihnachten und Ostern gibt es hier nicht.“ Auch während der eineinhalbstündigen Nachtruhe, in der kein Verkehr rollt, kontrollieren sie Reparaturarbeiten und im Winter Enteisungsfahrten. Während des Fahrbetriebs steuert die Leitstelle die Weichen, kontrolliert, ob die Abfahrten pünktlich sind, leitet bei Sperrungen den Verkehr um und betreut alle Notrufe von Bahnsteigen und aus den Fahrzeugen. Von der Leitstelle aus können sie auch Durchsagen auf Bahnsteigen schalten, zum Beispiel, wenn sie über eine von etwa 500 Kameras gesehen haben, dass Kinder gefährlich nah an den Gleisen spielen.

Ralf Hessel und seine Mitarbeiter beantworten den WAZ-Lesern alle Fragen, etwa was die Ansage „Verzögerungen durch eine technische Störung“ in der U35 bedeutet (Baumaßnahmen auf der Strecke zur Uni), wie schnell eine Straßenbahn fahren darf (70 km/h, oberirdisch muss sie sich aber auch an die üblichen Geschwindigkeitsbegrenzungen für Autos halten), was passiert, wenn die Straßenbahn schneller fährt (sie wird automatisch gebremst) und ob der Busfahrer die Ansagen der Haltestellen per Knopfdruck auslöst (nein, auch das erfolgt automatisiert).

Wieder draußen am Bahnhofsausgang angekommen, wartet ein so genannter Motwagen (Motorisierte Verkehrslenkung) auf die Besuchergruppe. Im Gepäck hat er alles, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) am Laufen zu halten: Geräte zum Säubern der Weichen, etwas Streugut, Absperrmaterial und sogar einen Entwerter für Fahrkarten als Ersatz. Bei Bedarf macht die Bogestra so Haltestellen, Strecken und Fahrzeuge wieder fit – für 145 Millionen Fahrgäste im Jahr.

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