Behindertensport

WAZ-Bericht bringt Hilfe für behinderten Jungen ins Rollen

Überglücklich sind Marvin Reinke und Mutter Sabine über den neuen Rolli. Möglich machten die Spende (auf der Treppe von unten nach oben) Karsten Knüppel (Care-Center), Christa Riehl-Waschik, Michael Kohlmann (Solidarfonds), Karsten Klehn (Sunrise Medical), Rainer Fehmer sowieRalph Hebben und Axel Reitemeier (Taxi und Krankenfahrten)

Überglücklich sind Marvin Reinke und Mutter Sabine über den neuen Rolli. Möglich machten die Spende (auf der Treppe von unten nach oben) Karsten Knüppel (Care-Center), Christa Riehl-Waschik, Michael Kohlmann (Solidarfonds), Karsten Klehn (Sunrise Medical), Rainer Fehmer sowieRalph Hebben und Axel Reitemeier (Taxi und Krankenfahrten)

Foto: Ingo Otto

Bochum/Essen.   Riesenfreude bei Marvin Reinke: Nach einem WAZ-Bericht kann der 17-jährige Bochumer jetzt einen neuen, PS-starken Rollstuhl nutzen.

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„Der WAZ-Bericht über Marvin hat unsere Familie tief bewegt“, sagt Dr. Rainer Fehmer. „Ich dachte: Diesem sympathischen Jungen muss geholfen werden“, sagt Christa Riehl-Waschik. Der Arzt und die Rentnerin beließen es nicht bei Worten. Beide WAZ-Leser zählen zu den Unterstützern, die es mit Geld und Engagement möglich machen, dass Marvin Reinke in einem Rollstuhl der Extraklasse seinen geliebten Hockeysport auch in Zukunft betreiben kann.

Seit Geburt leidet der Weitmarer an einer spastischen Lähmung. Seit 2016 ist Marvin, der ein Berufsbildungswerk in Volmarstein besucht, auf den Elektrorollstuhl angewiesen. Der Sport gibt ihm Kraft und Lebensmut. „Hockey bedeutet mir alles“, sagt der 17-Jährige, der für die Ruhrrollers von Tusem Essen in der 3. Bundesliga spielt. Doch der Verband hat neue Regeln eingeführt. Im Liga-Betrieb sind nur noch leistungsstarke Rollis mit 13 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Marvins altersschwaches Modell bringt es nur auf sechs Stundenkilometer.

Keine Hilfe von der Krankenkasse

Hilfe von der Krankenkasse durfte Marvin nicht erwarten. Die Rolli-Ausstattung für Sportarten falle „leider nicht in die Leistungspflicht“, hieß es. Letzte Lösung für den tapferen Jungen und seine Familie: die WAZ. Tatsächlich löste der Bericht im Dezember eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Zahlreiche Leser spendeten Geld. So wie Familie Fehmer, die 1111,11 Euro bereitstellte. „Das ist unsere jährliche Familienspende. Wir sind sicher, dass sie bei Marvin gut aufgehoben ist“, so Rainer Fehmer.

Proberunden im Care-Center

Auch andernorts lief die Hilfe binnen Tagen an. Das Care-Center Rhein-Ruhr bemühte sich um einen Preisnachlass beim Hersteller. Das Taxi- und Krankenfahrten-Unternehmen Reitemeier Hebben leistete ebenso seinen Beitrag wie die Solidarfonds-Stiftung NRW, die mit einer 1000-Euro-Spende die letzte Finanzierungslücke füllte.

„Genial!“, strahlte Marvin, als er jetzt im Beisein einiger der Spender im Care-Center an der Sinterstraße seine ersten Proberunden mit dem neuen Rolli drehte. Haken links, Haken rechts, blitzschnell vor und zurück: „Großartig! Kein Vergleich zu meinem alten Rolli.“ Mit 13 Stundenkilometern genügt der Flitzer den Hockey-Vorschriften. Ein massiver Aufprallschutz bannt die Verletzungsgefahr. „Und das weiche Polster tut so gut“, schwärmt Marvin Reinke.

Derweil kann Mutter Sabine die Tränen nicht zurückhalten. „Wir sind überglücklich. Ohne die Hilfe der WAZ und der weiteren Unterstützer hätten wir das finanziell nie geschafft. Unser Sohn hätte seinen Sport aufgeben müssen.“ Bald geht Marvin beim Meisterschaftsspiel in Neuwied mit dem Top-Rolli auf Torejagd. Rainer Fehmer, Christa Riehl-Waschik und alle weiteren Helfer der WAZ-Aktion drücken ihm fest die Daumen.

>>> Spastische Lähmung

Bilaterale Cerebralparese: So heißt die Hirnfunktionsstörung, unter der Marvin von Geburt an leidet. Bis zur Pubertät konnte er trotz seiner spastischen Lähmung noch laufen. Doch eine von großen Erwartungen begleitete Hüft- und Fuß-OP vor zwei Jahren in Hamburg ging schief.

Eine umso größere Bedeutung gewinnt der Hockeysport. „Er hat mich aus den Depressionen geholt. Ich will ihn nicht verlieren“, sagt Marvin, als ihn die WAZ im Dezember besuchte und die Hilfsaktion startete. Damals hatte er bereits 800 Euro Taschengeld für einen neuen Rolli gespart.

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