Fußball

Wattenscheider Pfarrer eröffnet Saison in Schalke-Fan-Kluft

Pfarrer Frank Dressler predigte beim Saison-Eröffnungsgottesdienst in Gelsenkirchen mit Talar und Fanschal.

Pfarrer Frank Dressler predigte beim Saison-Eröffnungsgottesdienst in Gelsenkirchen mit Talar und Fanschal.

Foto: Foto: Joachim Kleine-Büning/FUNKE Foto Services GmbH

Wattenscheid.  Mit der E-Gitarre rocken, am Wochenende im Stadion grölen und sonntags in der Kirche predigen? Bei Pfarrer Dressler passt das bestens zusammen.

Es wird der Kirche häufig vorgeworfen: Sie sitze im Elfenbeinturm, fernab der gesellschaftlichen Realität und mache ihr eigenes Ding. Pfarrer Dressler aus Wattenscheid kann man diesen Vorwurf wahrlich nicht machen: Der 53-Jährige spielt nicht nur E-Gitarre in einer Rockband, sondern predigte am vergangenen Samstag zur Schalke-Saisoneröffnung in Gelsenkirchen - in Talar und Fanschal wohlgemerkt.

„Ich kann hoch sein, ich kann tief sein, mir ist alles und jedes vertraut. Alles vermag ich durch den, der mich mächtig macht“, zitierte Dressler den Ruf des „Chef-Strategen“ Paulus. Das sei ein passendes Bibelwort für Schalker, denn: „Letztes Jahr noch Vizemeister, überraschend und gefeiert. Dann der Absturz und Abstiegskampf“, so Dressler. Das Null zu Vier gegen Düsseldorf sei sein persönlicher Saison-Tiefpunkt gewesen und stecke ihm immer noch in den Knochen. Sein Patenkind habe mit feuchten Augen neben ihm in der Kurve gestanden und er wusste sich selbst nicht zu trösten.

Schön Scheitern mit Gott und Schalke

Dressler will den Fans deshalb mit auf den Weg geben: Es muss nicht immer darum gehen, sich hochzuarbeiten und „dieses zu tun, jenes zu lassen. Gebote erfüllen und Sünden büßen.“ Schließlich sei auch Gott in Form von Jesus zu den Menschen herabgestiegen und man könne auch „schön scheitern, mit Gott und Schalke.“

Wenn Dresslers Arbeit als Pfarrer ein Motto tragen würde, dann könnte es: „Gott ist mitten im Leben“ lauten. Um diese Botschaft zu vermitteln, bewegt er sich genau dort: Mitten im Leben. „Ich bin als Pfarrer nichts Besseres als andere Menschen“, betont er. „Ich möchte den Leuten auf Augenhöhe begegnen“, sagt der Sohn von Arbeitern und Vertriebenen.

Gemeinsamkeiten von Glaube und Fußball

Dabei scheut Dressler auch Humor nicht: „Manni Breuckmann soll einmal gesagt haben: In der Liga gibt es ein Gesetz: Der Schalker muss leiden“, scherzte der Pfarrer, der 1996 ordiniert wurde, in der St. Joseph Kirche an der Grillostraße in Gelsenkirchen.

Fußball und Glaube haben für Dressler viele Gemeinsamkeiten. Nicht nur, weil Fußballspiele und Messen die bestbesuchtesten Sonntagsveranstaltungen in Deutschland sind. „In beiden Bereichen gibt es klare Abläufe und Rituale“, so Dressler. Jesus sei für ihn der Prototyp eines Spielertrainers. „Einer, der selbst mit aufs Feld geht“, so Dressler.

Fußball ist für ihn keine Religion

Eins stellt der Pfarrer, der seit Jahren Dauerkartenbesitzer und seit Kindesbeinen Fußballfan ist, aber auch klar: „Schalke ist keine Religion für mich, aber die schönste Nebensache der Welt.“ Als Mitglied im christlichen Fanclub „Mit Gott auf Schalke“ sei es für ihn eine Ehre gewesen, zum zweiten Mal den ökumenischen Gottesdienst zu feiern.

Er findet stets zu Saisonbeginn und Ende statt. „Es war eine schöne Abwechslung“, sagt Dressler, der sonst ohne Fanschal in Wattenscheid Mitte unterwegs ist. Ins anschließende Auswärtsspiel startete sein Lieblingsverein mit einem soliden 0:0 gegen Mönchengladbach.

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