Arbeitswelt

Wattenscheider arbeitet im Ruhestand als Schulbuchautor

Bernd Janowski hat Schulbücher für die Fächer Elektrotechnik, Mechatronik und Mathematik geschrieben.

Bernd Janowski hat Schulbücher für die Fächer Elektrotechnik, Mechatronik und Mathematik geschrieben.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Wattenscheid.  Bernd Janowski aus Bochum schreibt im Ruhestand Schulbücher für Azubis. So arbeitete er sich mit Hauptschulabschluss zum Verlagsleiter hoch.

Vom Schriftsetzer zum Verlagsleiter: Bernd Janowski aus Wattenscheid hat eine spannende Karriere hinter sich gebracht. Nun schreibt er in seinem Ruhestand Schulbücher für Auszubildende. Gerade arbeitet er an einer neuen Reihe für den Elektronik-Unterricht in Berufsschulen. Der 72-Jährige machte damals mit 14 seinen Hauptschulabschluss und arbeitete sich immer weiter hoch.

„Damals haben noch die Eltern entschieden, was man später lernen soll“, sagt Janowski. Sein Vater war Bergmann. Mit Janowskis Idee, dem Berufsweg seines Vaters zu folgen, war seine Mutter nicht einverstanden. Sie hätte ihn damals zu einem Nachbarn geschickt, der als Schriftsetzer bei der WAZ-Druckerei in Essen gearbeitet hat. Janowski folgte der Idee seiner Mutter.

Lektoratsassistent beim Giradet Verlag in Essen

Nach seiner Ausbildung hatte der Wattenscheider die Chance, beim ehemaligen Verlag Giradet als Lektoratsassistent zu arbeiten. „In meiner Familie wurde damals wenig Wert auf das Lesen gelegt. Das habe ich dann erstmal nachgeholt. Damals habe ich angefangen, Klassiker wie Hermann Hesse und Peter Stamm zu lesen.“

Doch der Aufstieg auf der Karriereleiter ging für den Wattenscheider weiter. Nach 12 Jahren wechselte er als Schulbuchautor zum Christiani Verlag nach Konstanz. Dort war er noch bis Juni als Verlagsleitung tätig. An den Wochenenden fuhr er immer wieder zu seiner Frau nach Wattenscheid. „Ich hätte schon mit 62 Jahren aufhören können. Die angefangenen Werke mache ich aber noch zu Ende“, erzählt er. Seine moderne Hornbrille lässt ihn um einige Jahre jünger aussehen. Im vertäfelten Keller liegen auf seinem Schreibtisch einige Exemplare aus, bei denen er mitgewirkt hat. Von Mathematik bis zum Dachdeckerhandwerk.

Zu wenig Fachlehrer wollen Schulbücher schreiben

An seinem Job gefalle ihm besonders die Arbeit mit jungen Autoren. Dadurch seien über die Jahre viele Freundschaften entstanden. Die Infotexte und Übungen werden meist von Fachlehrern geschrieben und entwickelt. Diese seien aber immer schwerer für diese Nebentätigkeit zu begeistern. Damit keine inhaltlichen Fehler entstehen, überprüfen Experten nochmals die Fakten.

Zwar habe er durch seine Ausbildung keine Fachkenntnisse in diesen Bereichen, aber durch die Gespräche mit Fachleuten habe sich einiges angesammelt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich dadurch so spannende Leute kennenlerne“, sagt Janowski. Sein persönliches Highlight sei die Zusammenarbeit mit dem Mathematiker Lothar Kusch gewesen.

Schulbuchautor verbringt Ruhestand in Wattenscheid

Von der Idee bis bis zum ersten Manuskript dauert es ungefähr ein halbes Jahr. Fertig sei ein Schulbuch nach zwei bis drei Jahren. Die Gründe für die Erarbeitung einer neuen Auflagen seien entweder neue Technologien oder die Abänderung des Lehrplans, damit Auszubildende und Lehrer auf dem aktuellen Stand bleiben. Auch die Digitalisierung sei in der Branche ein großes Thema in der Branche. Mittlerweile gibt es die Schulbücher des Verlages auch digital. „Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Wissen dadurch besser verfestigt“, sagt er.

Seine persönliche Motivation, um auch noch im Ruhestand zu arbeiten: „Das Ziel meiner Arbeit ist, dass die Auszubildenden ihre Prüfungen gut bestehen.“ Der Beruf habe ihn so stark in Anspruch genommen, dass er kaum Zeit für seine Hobbys hatte. Nun freut er sich darauf neben seiner Arbeit als Freelancer, häufiger Kunstausstellungen zu besuchen und mit seiner Kamera loszuziehen.

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