Bochumer Geheimnisse

Was eine Bowlingbahn mit dem Reitsport zu tun hat

Der Tattersall an der Herner Straße.

Der Tattersall an der Herner Straße.

Foto: Bast Medien GmbH Überlingen

Bochum.   An der Herner Straße verbirgt sich ein Bochumer Geheimnis: der Tattersall. Was die Halle mit dem Reit- und dem Bowlingsport zu tun hat.

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Da steht es, in großen Lettern: Tattersall. Eine Antwort auf die Frage, was denn „Tattersall“ sei, was er mit Pferden zu tun hat und warum das Wort hier so groß geschrieben steht, weiß Stephan Haas. Er ist auch imstande, das Wort lokalspezifisch zu betonen: „Im Ruhrpott spricht man das nicht englisch aus, wie man es eigentlich müsste, sondern schön derb, wie es geschrieben steht.“

Ein Tattersall, erklärt er, sei im Grunde eine Reithalle, benannt nach einem Engländer, der eben so hieß: Tattersall – weswegen man das Wort eigentlich wie „Tättersäll“ aussprechen müsste. Richard Tattersall (1724-1794), Spitzname „Old Tatt“, war der Begründer der gleichnamigen Pferderennsportdynastie. Dabei arbeitete sich der Pferdenarr vom einfachen Stallburschen zum Stallmeister und Pferdetrainer von Evelyn Pierrepont, dem zweiten Duke of Kingston-upon-Hull, hoch.

Tattersall-Reitverein in Bochum gegründet

Zu der Zeit, als Tattersall in England eine Reithalle und ein Wettbüro betrieb, bestand das Ruhrgebiet noch aus vielen verschlafenen Orten. Doch als die Industrie und der Bergbau im 19. Jahrhundert einzogen, explodierte die Einwohnerzahl.

„In Bochum gründete sich der Tattersall-Reitverein“, schildert Haas die Entstehung der Einrichtung, die sich zunächst auf dem Hof der Familie Backwinkel im Ehrenfeld befand.

Als dieses Gebiet bebaut wurde, verlegten die Vereinsmitglieder ihre Reitbahn in den eigens dafür errichteten Tattersall an der heutigen Herner Straße/Nordring. Neben der Reithalle, von der eine Rampe in die unterirdischen Ställe mit Platz für bis zu 50 Pferden führte, gab es eine offene und eine geschlossene Tribüne und eine weitere für Musiker.

Räume für die Reitlehrer waren ebenfalls vorhanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tattersall als Kino und als Rock-’n’-Roll-Kneipe genutzt, der große Saal dann ab 1960 als Bowlingbahn – die erste in ganz Deutschland.

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