Betreuung

Warum Erzieherinnen keine Geschenke annehmen dürfen

Für die tägliche Arbeit mit den Kindern wollen viele Eltern ihre Wertschätzung gegenüber Erzieherinnen ausdrücken – auch mit Geschenken. Erlaubt ist das nicht.

Foto: dpa/Georg Wendt

Für die tägliche Arbeit mit den Kindern wollen viele Eltern ihre Wertschätzung gegenüber Erzieherinnen ausdrücken – auch mit Geschenken. Erlaubt ist das nicht. Foto: dpa/Georg Wendt

Bochum.   Auch in Bochumer Kitas dürfen Eltern keine personenbezogenen Einzelgeschenke machen. Die Träger halten sich an strenge Anti-Korruptionsregeln.

Einen Gutschein zum Geburtstag oder Abschied, Strampler für das Neugeborene – es gibt Gelegenheiten, zu denen Eltern, oft alle gemeinsam, gerne den Erzieherinnen in der Kita ein Geschenk machen. Erlaubt ist das nicht. Die Stadt Dortmund hat kürzlich aus aktuellem Anlass noch einmal auf eine entsprechende Dienstanweisung hingewiesen.

Zuwendungen bis 15 Euro

„Wir haben klare Korruptionsrichtlinien“, sagt Barbara Wagner vom Kita-Zweckverband des Bistums Essen, der in Bochum knapp 40 der insgesamt 180 Kindertageseinrichtungen betreibt. In diesen ist klar festgelegt: Eine Zuwendung mit einem Wert über 15 Euro muss mit dem Vorgesetzten abgesprochen werden – und darf in der Regel nicht angenommen werden.

Der gleiche Betrag gilt als Richtwert bei städtischen Mitarbeiten. „Alles, was darüber hinaus geht, muss freundlich, aber bestimmt, abgelehnt werden“, erklärt Stadtsprecher Thomas Sprenger und verweist auf den Leitfaden gegen Korruption, der für alle Mitarbeiter der Stadt gilt.

Träger müssen Gesetze beachten

In der evangelischen Kirche, die im Kirchenkreis Bochum Träger von 45 Einrichtungen ist, gibt es keinen Maximalwert für Geschenke, sondern die klare Regelung im Qualitätsmanagement: „Personenbezogene Einzelgeschenke sind gesetzlich nicht statthaft.“ „Als Träger muss ich darauf achten, dass das auch eingehalten wird“, sagt Michael Both, Geschäftsführer der Kindergartengemeinschaft.

Im Falle der Verabschiedung einer Erzieherin in den Ruhestand könne man natürlich die Frage aufwerfen: „Wen will man da noch korrumpieren?“ Trotzdem sei die Vereinbarung, keine Geschenke anzunehmen, unstrittig.

Nette Geste wichtiger als Geschenk

Besonders kritisch werde es, wenn es um Zuwendungen geht, die zu einem Betreuungsplatz verhelfen sollen. Michael Both betont: „Plätze werden neutral vergeben.“ Barbara Wagner weist außerdem darauf hin, dass es sich nicht alle Eltern leisten können, finanziell zu Geschenken beizutragen. „Wenn Eltern das Gefühl haben, sie müssen das tun, dann ist das falsch.“ Wertschätzung müsse nicht immer materiell passieren: „Eine nette Geste ist viel wichtiger als ein Geschenk.“

Beide raten dazu, sich gegebenenfalls mit allen Eltern zusammenzutun und der Einrichtung etwas zu schenken – zum Beispiel, wenn eine Gruppe von Kindern auf die Grundschule wechselt.

Auch da sind Geschenke Tabu, ebenso wie Belohnungen oder Vorteile. Zum Beispiel dürfe man Lehrern laut Schulministerium auch keine Gegenstände, wie etwa ein Auto oder eine Bohrmaschine, kostenlos ausleihen.

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