Kunst

Warnung: Malerei von Kuno Gonschior macht süchtig auf Farbe

Erinnerung an Kuno Gonschior (1935-2010). Das Foto zeigt den Bochumer Maler vor einem seiner großformatigen „Punkte“-Bilder.

Erinnerung an Kuno Gonschior (1935-2010). Das Foto zeigt den Bochumer Maler vor einem seiner großformatigen „Punkte“-Bilder.

Foto: Paul Schulte / NRZ

Bochum.  Die Kunsthalle Recklinghausen zeigt Malerei des Bochumer Künstlers Kuno Gonschior. Ohne Zutun aus Bochum würde der Ausstellung ‘was fehlen.

Ein Muss für Kunstfreunde ist die Ausstellung „Farben sehen“, die die Kunsthalle Recklinghausen präsentiert. Zu sehen sind Arbeiten von Kuno Gonschior, des 2010 verstorbenen Bochumer Künstlers uns Meisters der Konkreten Malerei.

Die Trauer war groß, als Kuno Gonschior im März 2010 überraschend starb. Damals hatte das Kunstmuseum schnell reagiert, und eine Übersichtsschau mit den so farbstarken wie sinnlichen Werken des gebürtigen Wanne-Eickelers zusammengestellt. Danach wurde Gonschior-Kunst lange nicht mehr öffentlich gezeigt; erst die Galerie m machte sich 2017 an eine Retrospektive und stellte Bezüge zu den Entwicklungen in der Farb(feld)malerei der jüngeren Kunstgeschichte her.

60 Gemälde aus allen Schaffensperioden

Auch das ist schon wieder eine Weile her, und es gilt, den Maler wieder einmal neu zu entdecken. In der Kunsthalle RE ist das möglich, mehr als 60 Gemälde aus allen Schaffensperioden sind zu sehen. Auf drei Geschossen kann man die Werke des „Farbforschers“ auf sich wirken lassen.

Gonschior (1935-2010), der nie figürlich oder gegenstandsbezogen gearbeitet hat, gehörte mit seinen leuchtenden Abstraktionen zu den wenigen Bochumer Künstlern von nationaler, ja internationaler Bedeutung: Einzelausstellungen führten ihn in den letzten Lebensjahren nach New York, Sydney und Toronto. „Das ist wie eine Explosion“, freute sich der Künstler seinerzeit. Die Früchte eines langen Künstlerlebens zu ernten, war ihm indes nicht vergönnt; Gonschior starb im Alter von nur 74 Jahren.

Immer wieder kam der Wunsch auf, den so bedeutenden wie in seinem künstlerischen Ausdruck einzigartigen Maler umfassend zu würdigen. Lange Zeit war das aus diversen Gründen – privaten, organisatorischen – nicht möglich. Nun füllt die Kunsthalle Recklinghausen diese Lücke. Unter freundlicher Mithilfe aus Bochum.

Unterschiedliche Werkepochen auf drei Etagen

Die meisten präsentierten Arbeiten sind Leihgaben, darunter solche aus der Galerie m, der Situation Kunst, dem Kunstmuseum Bochum. Die Stadt, in der der Künstler lange lebte, bleibt ein Bezugspunkt seines Schaffens. Die drei Etagen der Kunsthalle geben unterschiedlichen Werkepochen Raum. Am Anfang stehen Gonschiors Kompositionen der 1960er und 70er Jahren, ausgeführt in greller Manier. So setzte er vor den Hintergrund der Leuchtfarbe Grün sich nach der Bildmitte verdichtende und vergrößernde rote Punkte, und erzeugte damit flimmernde, kugelförmige Gebilde. Hier wird nicht das Auge getäuscht, wie in der Op-Art, sondern die Netzhaut selbst.

„Fleckenbilder“ als ästhetisches Experiment

Diese strengen, geometrischen Bilder sind gekennzeichnet von knalliger Farbigkeit und einer Verliebtheit in die exakte Pinselsetzung; fast pointillistisch sieht das aus.

Dann der Sprung in die 1980er. Damals entwickelte Kuno Gonschior jene Großformate, an die man heute als erstes denkt, wenn das Gespräch auf diesen Künstler kommt. In immer wieder anderen Variationen kombinierte er seine „Fleckenbilder“ zu immer neuen ästhetischen Experimenten. Ein satter, pastoser Farbauftrag, vor allem aber die unmittelbare Wirkung, die die Farbe selbst auf den Betrachter ausübt, zeichnen diese großen Tafeln aus. Stets ähnlich im Gestus, ist jede für sich eine eigenständige Bild-Persönlichkeit. Man kann süchtig werden nach diesen Gemälden, die einen packen und nicht mehr loslassen.

Starke Fotos von Hartmut Beifuß

Vervollkommnet wird die Schau von einem weiteren Bochumer Beitrag. Der frühere WAZ-Fotograf Hartmut Beifuß steuert ausdrucksstarke Schwarz/Weiß-Aufnahmen bei, die den Künstler bei der Arbeit im Atelier zeigen. Aber auch Porträts und Details des Arbeitsprozesses werden eingefangen.

So bietet diese sehenswerte Ausstellung einen kompakten Überblick über jene optischen Sensationen, die Kuno Gonschiors Kunst „made in Bochum“ so einzigartig machen.

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