Geschichte

Vor 70 Jahren: Bochumer Stahlglocken läuten in Hiroshima

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In einer großen Halle des Bochumer Vereins wurden am 27. Oktober 1952 die vier Glocken für Hiroshima übergeben. Der Bochumer Verein hatte sie für die Friedenskathedrale gegossen.

In einer großen Halle des Bochumer Vereins wurden am 27. Oktober 1952 die vier Glocken für Hiroshima übergeben. Der Bochumer Verein hatte sie für die Friedenskathedrale gegossen.

Foto: Fotografen der Stadt Bochum / Stadt Bochum, Presseamt

Bochum.  Vor 70 Jahren läuteten Bochumer Glocken erstmals in der Weltfriedenskirche von Hiroshima. Ein Geschenk des Friedens aber auch der Eigenwerbung.

Vor genau 70 Jahren, am 29. März 1953, läuteten in der zum Gedenken an den Atombombenabwurf gebauten Weltfriedenskirche von Hiroshima vier stählerne Glocken. Einem Bericht der japanischen Zeitung Chugaku Shinbum zufolge kamen an diesem historischen Tag rund 300 Menschen in die gerade fertiggestellte Kirche. Gestiftet und gegossen wurde das Geläut vom damaligen Bochumer Verein in der Glockengießerei des Stahlwerks. Am Tag nach der feierlichen Einweihung übertrug der japanische Rundfunk das Leuten der vier Glocken hoch oben im Turm der Friedenskirche.

Die vier Glocken sollten als reine Friedensbotschaft an das Land der aufgehenden Sohne gehen, als Mahnung und auch als Erinnerung an die wohl mehr als 250.000 Menschen, die den beiden Atombomben von Hiroshima und Nagasaki zum Opfer fielen. Auf einer der vier Glocken steht: „Deutschland, vom Kriege verwüstet, dem Volke Japans verbunden in den Werken des Friedens“.

Die Weltfriedenskirche wurde 2006 zu einem wichtigen Kulturgut Japans ernannt. Der offizielle Name lautet eigentlich: „Gedächtniskathedrale für den Weltfrieden“. Mit dem Bau war am 6. August 1950 genau neun Jahre nach dem Atombombenabwurf begonnen worden. Außer dem Bochumer Verein spendeten auch andere deutsche Regionen und Städte. So stiftetet die Stadt Köln eine große Klais-Orgel und die Stadt Aachen einen Taufbrunnen.

Prunkvolle Übergabe vor 15.000 Gästen

Fünf Monate vor der Einweihung in Japan drängten sich 15.000 Menschen in der größten Werkshalle des Bochumer Vereins (B.V.). Es gab eine prunkvolle Übergabe an den japanischen Gesandten Exzellenz Kohei Teraoka zu verfolgen. Dokumentiert ist dieser Festakt auch mit einer gut einminütigen Filmsequenz. Werks-Direktor Arthur Tix ist zu sehen und der Missionsprokurator der deutschen Jesuitenmission in Japan, Pater Lutterbeck, mit Auszügen aus seiner Ansprache.

Der Bochumer Verein ließ sich seine Spende 10.000 D-Mark kosten, wie alte Unterlagen, die heute im Historischen Archiv Krupp auf der Villa Hügel aufbewahrt werden, belegen. Belegt ist auch, dass es damals um mehr ging als eine selbstlose Spende. Es gibt ein Schreiben von eines B.V.-Direktor Heuvers an seinen Direktoriumskollegen Tix vom 5. Mai 1952. „Da wir gerade jetzt eine pflaumenweiche Stellungnahme des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen über unsere Gußstahlglocken erhalten haben, möchte ich aus propagandistischen Gründen für unsere Gußstahlglocken und auch für den Namen Bochumer Verein vorschlagen, dieses Geläute für die weltbekannte Kirche zu stiften.“ (Zit. nach T. Fehn, Der Glockenexperte Bd III, 1997).

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