Statistik

Viele Kinder in Bochum-Mitte sind von Armut bedroht

Eine alarmierende Zahl: Für 43,6 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren, die im Ortsteil Kruppwerke (also Griesenbruch, Stahlhausen und Goldhamme) leben, wird Sozialgeld bezahlt.

Eine alarmierende Zahl: Für 43,6 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren, die im Ortsteil Kruppwerke (also Griesenbruch, Stahlhausen und Goldhamme) leben, wird Sozialgeld bezahlt.

Foto: Peter Kneffel / picture alliance/dpa

Bochum-Nord/-Mitte.  Die Stadtverwaltung legt den neuen Sozialbericht „Bochumer Ortsteile kompakt“ vor. Die Bezirke Nord und Mitte schneiden darin oft nicht gut ab.

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Zum neunten Mal hat das Sozialdezernat der Stadtverwaltung die Broschüre „Bochumer Ortsteile kompakt“ veröffentlicht. Auf etwa 100 Seiten sind darin versammelt: haufenweise Zahlen und Tabellen mit aktuellen Sozialdaten. Wer sich die vielen Statistiken einmal aus der Nähe anschaut, erlebt weit mehr als dröge Erbsenzählerei, denn der Sozialbericht ist zwar trockener Stoff, aber durchaus interessant.

103.514 Menschen lebten zum Stichtag 31. Dezember 2018 im Stadtbezirk Mitte, 35.930 Personen sind es im Stadtbezirk Nord. Zur Alterspyramide zeigt sich: In Harpen / Rosenberg gibt es die meisten über 60-Jährigen (35,5 Prozent), gefolgt von Altenbochum (34,1 Prozent), Grumme (29,2 Prozent) und Hordel (28,7 Prozent). Die meisten jungen Menschen unter 18 Jahren leben im Ortsteil Kruppwerke (16,4 Prozent), gefolgt von Gerthe (16,2 Prozent), Hordel (15,8 Prozent) und Hiltrop / Bergen (14,7 Prozent).

Im Stadtbezirk Mitte haben 26,2 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund, im Bezirk Nord sind es 17,6 Prozent. Die meisten leben im Ortsteil Kruppwerke (41,9 Prozent), darauf folgt Gleisdreieck, also Innenstadt (37,0 Prozent), in Hamme sind es 33,7 Prozent. Die wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund finden sich in Gerthe (18,8 Prozent) und Hordel (14,3 Prozent).

Viele Menschen bekommen Arbeitslosengeld II

57,5 Prozent der Menschen im Bezirk Nord gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, 53,7 Prozent sind es in Mitte. Hingegen sind 5,4 Prozent der Menschen im Bezirk Nord bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos (ALG I) registriert, in Mitte sind es 7,0 Prozent. Damit liegt der Bezirk Mitte laut dem Sozialbericht über dem städtischen Durchschnitt (6,4 Prozent).

Weitaus mehr Menschen beziehen Arbeitslosengeld II und Sozialgeld: 27,7 Prozent sind im Ortsteil Kruppwerke (also Griesenbruch, Stahlhausen und Goldhamme) auf staatliche Unterstützung angewiesen, damit ist dieser Ortsteil Spitzenreiter in den Bezirken Nord und Mitte und wird im städtischen Vergleich nur von Wattenscheid-Mitte (28,8 Prozent) überholt. Doch auch in anderen Stadtteilen ist der Anteil der Menschen, die von Sozialleistungen abhängig sind, hoch: in Hamme sind es 22,1 Prozent, im Gleisdreieck 21,6 Prozent. Hofstede kommt auf 19,4 Prozent, Riemke auf 16,8 Prozent. In Hordel sind es 9,4 Prozent, Grumme bildet mit 7,4 Prozent in positiver Hinsicht das Schlusslicht.

Hoher Anteil von Kindern, für die Sozialgeld bezahlt wird

Beachtlich ist auch der Anteil von Kindern unter 15 Jahren, für die Sozialgeld bezahlt wird. Insgesamt sind es in Bochum 27,7 Prozent: Ein Anteil, den Sozialdezernentin Britta Anger als „deutlich zu hoch“ bezeichnet. „Da gibt es nichts schön zu reden“, sagt sie. „Es muss eine wichtige Aufgabe für uns sein, auch ihnen bessere Teilhabe-Chancen zu bieten.“ Bei genauerem Hinsehen sind es im Ortsteil Kruppwerke (43,6 Prozent), im Gleisdreieck (42,2 Prozent) und in Hamme (41,6 Prozent) sogar deutlich mehr. Auch in Stadtteilen wie Hofstede (34,3 Prozent), Riemke (30,6 Prozent) und Gerthe (27,4 Prozent) sind in vielen Familien Kinder unter 15 Jahren auf Sozialgeld angewiesen.

Entsprechend niedrig ist in diesen Stadtteilen die Zahl der Grundschüler, für die eine Schulformenempfehlung ausgesprochen wird. So bekommen in den Ortsteilen Kruppwerke und Hamme besonders viele Kinder eine Empfehlung für die Hauptschule und besonders wenige eine fürs Gymnasium. In Stadtteilen wie Harpen, Hofstede und Hiltrop / Bergen liegt der sogenannte Index der Schulformempfehlungen weitaus höher.

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