1000 Bänke für Bochum

Viele großzügige Bürger und Firmen spenden Bochum Sitzbänke

Besonders beliebt sind die neuen Sitzmöbel rund um den Dr.-Ruer-Platz in der Bochumer Innenstadt. Hier ruhen sich Martin Korn und Wolfgang Milatz auf den schicken roten Bänken vor der Sparkasse aus.

Besonders beliebt sind die neuen Sitzmöbel rund um den Dr.-Ruer-Platz in der Bochumer Innenstadt. Hier ruhen sich Martin Korn und Wolfgang Milatz auf den schicken roten Bänken vor der Sparkasse aus.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Ein Jahr nach dem Start der Aktion „1000 Bänke für Bochum“ stehen in der Stadt 246 neue Sitzmöbel. Weitere folgen. Es gibt aber auch Kritik.

1000 Bänke für Bochum. Die Aktion, die Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) und WAZ-Lokalredaktion Mitte Mai 2018 gemeinsam auf den Weg brachten, war längst überfällig.

Hinsetzen, ausruhen, das Wetter, das Leben und die Sonne genießen – auf dem Dr.-Ruer-Platz im Herzen der Innenstadt zeigte sich in den vergangenen Tagen, wie sehr Bochums Bürger Bänke im öffentlichen Raum vermisst haben. Rund ein Jahr nach dem Start zieht die Redaktion Bilanz.

Gewinner sind, das steht fest, Bochums Bürgerinnen und Bürger. Zum einen, da sie die bislang in der Innenstadt, den Stadtteilen sowie in Parks und an Spazierwegen aufgestellten 246 Bänke bereits nutzen können. Zum anderen, weil sich viele Bochumer äußerst spendabel zeigen und mit ihrem finanziellen Engagement die Aktion unterstützen. 88.440 Euro sind bis Anfang Juni von 88 Bürgern und Firmen der Stadt gespendet worden. Bis zu den Sommerferien sollen alle geschenkten Bänke und die von der Stadt als Draufgabe versprochenen Sitzmöbel in der Stadt stehen. 375 Stück werden es dann sein.

Kritik an der Aktion gibt es aber auch. In erster Linie beklagen Spender, dass es zu lange dauert, bis die gewünschten Bänke endlich an Ort und Stelle Freude bereiten. „Fast zwölf Monate nach unserer Spendenbereitschaftserklärung steht unsere Bank“, sagen beispielsweise Michael Krummacher und Norbert Wohlfahrt, die eine Bank an der evangelischen Hochschule spendeten. Noch im April gingen sie mit dem Gemeinschaftsprojekt von Stadt und WAZ scharf ins Gericht: „Die Aktion ist bislang weitgehend tote Hose!“

Viele Zeitfresser

Auch die Redaktion dieser Zeitung musste lernen, dass die Zusammenarbeit mit einer Behörde Geduld erfordert. Die Ausschreibungen für den Kauf der Bänke, die Prüfung der Standorte, die Produktion, Denkmalschutz und die Rücksichtnahme auf Einzelinteressen von bekannten Kaufleuten – Zeitfresser in diesem Projekt gab es viele. Und natürlich wieherte auch der Amtsschimmel. Während ein Amt einen Standort genehmigte, vergab ein anderes die Fläche zur Vergrößerung einer Außengastronomie.

„Viele Dinge haben mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir uns dies selbst vorgestellt haben“, sagt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. „Dies ist nicht immer gut und schnell genug kommuniziert worden.“ Zur Entschuldigung führt Eiskirch an, dass es auch für die Stadtverwaltung zum ersten Mal sei, „ein Spendenprojekt dieser Art und in diesem Umfang“ zu organisieren.

Auch Missverständnisse gab es. So interpretierten einige Leser unsere Formulierung „für jede gespendete Bank stellt die Stadt eine weitere Bank auf“ so, dass die städtischen Bänke direkt neben der gespendeten aufgestellt werden würden. Gemeint war aber lediglich, dass sich die Zahl der aufgestellten Bänke erhöht. Damit sollten auch Standortwünsche von WAZ-Leserinnen und -Lesern erfüllt werden, für die es keine direkten Spenden gibt.

„Wir müssen bei der Aufstellung außerdem auf ein Gleichgewicht im gesamten Stadtgebiet achten“, sagt Lina Rohe aus dem OB-Büro. Ein Beispiel: Für den Bezirk Wattenscheid gibt es 19 Spenden, für Nord nur elf. Aufgestellt werden in beiden Bezirken aber etwas mehr als 20 Bänke.

An manchen Stellen macht die Aufstellung von zwei Bänken nebeneinander zudem keinen Sinn oder es fehlt schlichtweg der Platz dafür.

Kleine Feier im Rathaus

Eine Extra-Vereinbarung gibt es mit den Bochumer Kleingartenvereinen, sie bekommen von der Stadt 1,5 Bänke für jede gespendete. 85 Stück sollen nach diesem Verteilerschlüssel, gewünscht sind mindestens fünf pro Verein, bis Ende Juli in den Grünanlagen stehen. Die Kleingärtner übernehmen die Aufstellung aber in Eigenregie.

Ärger und Arbeit mit den aufgestellten Bänken hat die Stadt obendrein. Zwei sind mittlerweile gestohlen worden, andere beschädigt und beschmiert. Die CDU hat dazu bereits eine Anfrage an den Rat gestellt.

In Kürze sollen auch die Spenderplaketten, die an den Bänken angebracht werden, fertig sein. Entsprechende Muster liegen im Rathaus.

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch hat nun alle Spenderinnen und Spender zu einer kleinen Feier eingeladen. Im Repräsentationstrakt des Rathauses will der Oberbürgermeister am Donnerstag, 27. Juni, „einfach nur danke sagen“ für das bürgerschaftliche Engagement, das „spürbar mehr Aufenthaltsqualität in Bochum“ ermöglicht hat.

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