Bochumer Geheimnisse

Viel zu hohe Laterne beleuchtet kunstvolle Weltkarten

Blick auf Norbert Radermachers künstlerische Weltkarte, die sich unterhalb der Eisenbahnbrücke an der Bergstraße befindet.

Blick auf Norbert Radermachers künstlerische Weltkarte, die sich unterhalb der Eisenbahnbrücke an der Bergstraße befindet.

Foto: Bast Medien GmbH

Bochum.   Unter einer Eisenbahnbrücke am Nordring verbirgt sich ein Bochumer Geheimnis: Warum eine viel zu lange Laterne dort Weltkarten erhellt.

Alex Schwegl bleibt unvermittelt stehen. „Wir sind da, hier ist es“, verkündet er. Das „Hier“ liegt unterhalb einer Eisenbahnbrücke an der Ecke Bergstraße/Nordring. Breit grinsend lehnt sich der Stadtführer gegen einen Laternenpfosten. Und in diesem Moment fängt man an zu stutzen. Der Laternenpfosten sieht komisch aus, anders als die anderen entlang der Straße.

Schwegl blickt nach oben, man folgt seinem Hinweis, und nun fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Der Laternenpfosten ist viel zu lang, er reicht bis zwischen die Stahlträger der alten Eisenbahnbrücke! Der Laternenkopf samt Schirm verschwindet zwischen den Trägern, den Spinnweben und den Weltkarten. Weltkarten? Was sollten die unter einer Brücke zu suchen haben?

Pazifik ist der Mittelpunkt einer Karte

Doch es gibt keinen Zweifel: Dort oben hängen, von der Laterne angeleuchtet, Weltkarten! Und zwar sowohl eine uns geläufige Version, in der Europa nördlich zentral verortet ist, als auch eine weitere, auf der der Pazifik den Mittelpunkt darstellt.

Welche Bewandtnis hat es aber damit? Schwegl weiß es. Und erzählt, dass es sich bei der Karte um eine Installation von 1991 des Künstlers Norbert Radermacher handle.

Das Kunstobjekt gehört zur vierteiligen Installation „Weltkarten“ in Budapest, Temse, Koster und eben in Bochum. Für Radermacher ist die Stadt seine Leinwand, daher gestaltet er keine Monumente, die das natürliche Gefüge stören, sondern er integriert sie in das Gesamtbild. Der Künstler erklärt, er wolle „etwas da lassen für alle, die dort ein- und ausgehen/oder für die, die ohne zu fragen finden können“.

Kontrast zwischen weißen Landmassen und schwarzen Ozeanen

Auf die Bochumer Weltkarte wird man erst aufmerksam, wenn man sich wundert, warum der Laternenpfosten so hoch in die Brückenstreben hineinragt. Wegen ihrer Position und ihrer Höhe fällt sie auf und lenkt den Blick auf das Kunstwerk.

„Gleichzeitig beleuchtet sie es nachts und verstärkt den Kontrast zwischen den weißen Landmassen und den schwarzen Ozeanen“, sagt der Stadtführer.

Das Buch „Bochumer Geheimnisse“ gibt es im WAZ-Leserladen, Huestraße 17, für 19,90 Euro.

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