Urteil

Pärchen raubt Vermieterin (69) aus: Bis zu zwölf Jahre Haft

Die Angeklagten (gepixelte Gesichter) mit ihren Verteidigern und Dolmetschern.

Die Angeklagten (gepixelte Gesichter) mit ihren Verteidigern und Dolmetschern.

Foto: Bernd Kiesewetter

Bochum.  Zu zwölf Jahren Haft wegen versuchten Mordes ist ein Räuber (27) verurteilt. Er hatte seine Vermieterin (69) äußerst brutal ausgeraubt.

Vor dem Mordversuch sei die 69-jährige Vermieterin aus Werne lebensfroh, rüstig und aktiv gewesen, sagte Richterin Isabelle Hoffmann. „Sie stand mitten im Leben.“ Nachher aber habe sie „wie eine gebrochene Frau“ gewirkt, „der Lebensfreude nicht richtig zuteil wird“. Der Mann, der das zu verantworten hat, wurde von der 5. Strafkammer zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Bestraft wurde auch seine Freundin (20), sie bekam fünf Jahre Jugendstrafe. Ebenfalls wegen versuchtes Mordes und besonders schweren Raubes.

Mit gewaltiger Kraft die Kehle zugedrückt

Die beiden hatten am frühen Abend des 17. Dezember 2018 die alleinstehende 69-Jährige in ihrer Wohnung am Rixenburgweg mit äußerster Brutalität überfallen. Der 27-Jährige wohnte seit wenigen Wochen in ihrem Haus. Im Sommer war er aus seiner Heimat Polen nach Deutschland gekommen, um hier als Bauhelfer zu arbeiten. Die Miete blieb er aber schuldig. Weil er wegen einer schweren Handverletzung mit seiner Freundin zurück nach Polen wollte, aber kein Geld hatte, raubte er die Vermieterin aus.

Gegen 18.30 Uhr klingelte er an der Tür der Seniorin und überfiel sie heimtückisch. Er würgte sie mit so gewaltiger Kraft, dass der Gerichtsmediziner die Verletzungen später mit solchen von schweren Verkehrsunfällen verglich, wenn die Fahrer mit voller Wucht mit dem Hals auf das Lenkrad aufschlagen.

Das Opfer hatte Todesangst

Die Frau hatte Todesangst. Sie wehrte sich mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, und flehte den Räuber an, sie leben zu lassen. Während sie in tiefe Bewusstlosigkeit abglitt, zog ihr die Mittäterin die goldenen Eheringe vom Finger. Zuvor hatte sie den Arm der Frau fixiert, um ihre Gegenwehr zu brechen. Ihre Freund plünderte noch die Spardose der Enkel und die Geldbörse.

Außerdem steckte er den Schlüssel des Mercedes der Frau ein. Damit flüchtete das Räuber-Duo nach Polen – und überließ die bäuchlings am Boden liegende Frau sich selbst. Vorher kauften die beiden noch in einem Kiosk in Tatortnähe ein. Die gesamte Beute war 14.400 Euro wert, inklusive Auto.

Nach 75 Minuten aus der Bewusstlosigkeit aufgewacht

Nach anderthalb Wochen wurden sie in Polen gefasst. Seitdem sitzen sie in U-Haft.

Die Vermieterin war nach rund 75 Minuten wieder aufgewacht. Erst dachte sie, sie hätte geträumt. Nur durch Zufall, hieß es im Urteil, hatte sie überlebt. Die Täter hätten gewusst, dass sie ohne Hilfe hätte sterben können, ihren Tod aber billigend in Kauf genommen.

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