Plädoyer

Vermieterin (68) überfallen: Über 13 Jahre Haft gefordert

Am kommenden Freitag verkündet das Gericht das Urteil.

Am kommenden Freitag verkündet das Gericht das Urteil.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Bochum.  13 Jahre und neun Monate Haft hat die Staatsanwaltschaft für einen 27-jährigen Mann gefordert. Er soll seine Vermieterin (68) überfallen haben.

„Eiskalt, empathiefrei, abgekühlt, verroht, skrupellos“: So beschrieb am Dienstag die Rechtsanwältin einer 69-jährigen Hausbesitzerin den Angeklagten. Der 27-Jährige soll die Frau am 17. Dezember 2018 in ihrem Haus, in dem er zur Miete wohnte, überfallen und mit großem Kraftaufwand bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben, um sie auszurauben. Staatsanwalt Dietrich Streßig fordert 13 Jahre und neun Monate Haft wegen versuchten Mordes.

Das Verbrechen ereignete sich im Rixenburgweg in Werne. Gegen 15 Uhr sollen der Angeklagte und seine jetzt ebenfalls angeklagte Partnerin (20) in der Wohnung der alleinstehenden Vermieterin in einem unbeobachteten Moment ihre Mercedes-Schlüssel vom Küchentisch gestohlen und dann mit dem Wagen durch Werne gefahren sein. Gegen 18.30 Uhr sollen sie in die Wohnung zurückgekehrt sein, um die Seniorin umzubringen.

„Sie dachte, sie werde sterben“

„Sie dachte, sie werde sterben“, sagte die Anwältin in ihrem Plädoyer vor der 5. Strafkammer über ihre Mandantin. Rund 75 Minuten soll sie bewusstlos am Boden gelegen haben, bevor sie dann aufwachte und den Notruf alarmierte. Als sie mit den Rettern telefonierte, musste sie kämpfen, um Luft zu holen. „Dass Menschen nach so einer Tortur am Leben bleiben, ist sehr selten“, sagte die Anwältin über die Würgeattacke. Sie habe „Todesangst“ erlitten. Diese tauche auch heute noch immer wieder auf.

Der Angeklagte und seine Partnerin sollen die bewusstlose Frau einfach am Boden liegen gelassen und ihrem Schicksal überlassen haben. Der wehrlosen, um ihr Leben ringenden Frau wurden zwei goldene Eheringe vom Finger gezogen, außerdem wurde ihre Geldbörse und eine Spardose geplündert, heißt es. Zusammen mit dem Mercedes (rund 12.000 Euro) hatte die Beute einen Wert von rund 14.400 Euro.

Tatverdächtige wurden in Polen gefasst

Der mittellose Angeklagte, der erst wenige Wochen zuvor in dem Haus eingezogen war, hatte Mietschulden bei der Seniorin. Nach dem Überfall floh er mit seiner Freundin (Mutter eines Kindes) in ihr beider Herkunftsland Polen. Mit dem Mercedes. Zuvor sollen sie von der Geldbeute in Werne noch eingekauft haben. Eine Mordkommission fahndete öffentlich mit Fotos nach den beiden. Nach zweieinhalb Wochen wurden sie in Polen gefasst und nach Bochum überstellt.

Für die 20-Jährige fordert der Staatsanwalt fünf Jahre Jugendstrafe wegen versuchten Mordes. Im Prozess sind die beiden nur teilweise geständig. Sie hätten die Frau nicht töten wollen.

Am Freitag (11.) ergeht das Urteil.

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