Szene

„Verjüngung“: Zeche Bochum streicht die beliebte Ü-40-Party

Die Ü-40-Party mit der Classic Night Band war an jedem zweiten Freitag im Monat ein fester Termin für Hunderte ältere Zechen-Gäste. Am Freitagabend standen die Musiker wohl zum letzten Mal auf der Club-Bühne.

Die Ü-40-Party mit der Classic Night Band war an jedem zweiten Freitag im Monat ein fester Termin für Hunderte ältere Zechen-Gäste. Am Freitagabend standen die Musiker wohl zum letzten Mal auf der Club-Bühne.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Aus für die Ü-40-Party in der Bochumer Zeche: Nach über zwölf Jahren soll die beliebte Reihe enden. Viele ältere Stammgäste sind enttäuscht.

Eines der beliebtesten Veranstaltungsformate Bochums ist nach über zwölf Jahren voraussichtlich Geschichte: In der Zeche wurde am Freitagabend die letzte Ü-40-Party gefeiert. Der Szene-Club nehme eine „Neuausrichtung“ vor, heißt es. Statt der Classic Night Band sollen ab Herbst Hardrock- und Heavy-Metal-Gruppen auftreten. Die Enttäuschung bei vielen Stammgästen an der Prinz-Regent-Straße ist groß.

Es begann mit „Hotel California“. Der Eagles-Klassiker markierte 2007 als erster Song den Auftakt der Ü-40-Reihe in der Zeche. „Die haben mich damals für verrückt erklärt“, erinnert sich Programmmacher Torsten Sickert (47) an die Anfänge, als es galt, Bochums ältestem Club ein neues Publikum zu erschließen: Menschen jenseits der 40. Dem Disco-Alter entwachsen. Aber sehr wohl gewillt, sich das Feiern mit Freunden und Familie nicht verbieten zu lassen. Noch besser: es in den seltener werdenden Ausgehnächten richtig krachen zu lassen.

Gewagt und gewonnen

Die Zeche ging das Wagnis ein – und gewann. Die Ü-40-Partys entwickelten sich schnell zu einer Erfolgsgeschichte. Stets war die Hütte voll. Bis zu 1000 Besucher freuten sich weit im Voraus auf den angestammten Party-Termin an jedem zweiten Freitag im Monat. Entscheidenden Anteil daran hatte die von Torsten Sickert gegründete und geführte Classic Night Band: eine Formation exzellenter Musiker und Sänger, die genau das spielte, was das ältere Publikum hören und zelebrieren wollte: das Beste aus der Sturm- und Drangzeit in den 60er bis 90er Jahren ebenso wie aktuelle Hits.

Am Freitagabend stand die Band vermutlich zum letzten Mal auf der Zechen-Bühne. War es bislang nur ein Gerücht, bestätigte Torsten Sickert das Aus für die Zeche 40. „Ich bin stolz auf das, was wir mit dem Format erreicht haben“, sagt Sickert, der mit der Classic-Band seit mehreren Jahren mit ebenso großem Erfolg mit den Bochumer Symphonikern zusammenspielt – in der Zeche ebenso wie zuletzt vor einer Woche bei der ausverkauften „BoSy-Lounge“ im Musikforum.

„Zeche 30 rockt“ füllt vorerst die Lücke

Die Führung des Hauses strebe für die Zukunft „eine andere, jüngere Gästestruktur an“, heißt es. In den nächsten drei Monaten werde am zweiten Freitag im Monat die Reihe „Zeche 30 rockt“ laufen. Ab Herbst sollen Tribute-Bands mit Heavy Metal und Hardrock folgen. Der Start ist bereits im Jahresprogramm (www.zeche.com) vermerkt: am 13. September mit „Metakilla“ und Songs von Metallica.

Sabine Weihrauch, die regelmäßig mit ihren Freunden die Ü-40-Party besucht hat, kann die Entscheidung „absolut nicht verstehen. Wie kann man ohne Not eine so tolle Reihe aufgeben?“, fragt sich die 48-Jährige. Für ihre Generation bleibe in Bochum kaum noch etwas übrig. „Das Tauffenbach gibt’s schon seit Jahren nicht mehr. Bleibt nur der ,Zombie-Keller’. Und der ist kein Vergleich zur Zeche.“

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