Weltmeisterschaft

Turn-WM für Downies: Freude am Sport kennt keine Behinderung

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Athleten mit Down-Syndrom begeistern bei der Gymnastik-Weltmeisterschaft im Turnzentrum Bochum. Im Vordergrund steht die Freude am Sport.

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Die Luft in der Turnhalle ist stickig, die Blicke der Kampfrichter konzentriert, es herrscht Stille. Noch einmal schaut Charles Philips zu den Zuschauerrängen, dann nimmt der Athlet Anlauf und turnt eine Figur nach der nächsten. Das Publikum applaudiert, Philips strahlt. Für diesen Moment hat sich die Anreise aus Südafrika gelohnt.

In strahlende Gesichter blickte man bei der Weltmeisterschaft im Gerätturnen und in der rhythmischen Sportgymnastik für „Downies“, die von Freitag bis Sonntag in Bochum stattfand, aber nicht nur nach den Auftritten: Während die russische Turnerin Varvara Smirnova noch einmal ihre Performance mit dem Flatterband durchgeht, wird die Griechin Alexandra Neochorli wenige Minuten vor Einlauf von ihrer Trainerin nachgeschminkt.

Stolz, dass die WM in Bochum stattfindet

„Du siehst toll aus“, ermutigt die Trainerin Neochorli und zupft deren glitzerndes Kleid zurecht. „Ich bin stolz, das die Gymnastik-Weltmeisterschaften für Menschen mit Down-Syndrom in Bochum stattfinden“, sagt Dietrich Spiegel, Stützpunktleiter des Turnzentrums. Es sei eine aufregende Erfahrung, Athleten aus fünf Kontinenten der Welt zu Gast zu haben.

Dass die WM in Bochum stattfindet, hat die Stadt der Freundschaft zwischen Spiegel und dem englischen Coach Trevor Low zu verdanken. „Deutschland ist ein toller Gastgeber“, so Low. Anders als bei der Fußballweltmeisterschaft stand diesmal jedoch schon vorher fest, dass Deutschland keinen Titel holen wird. Denn: Es trat überhaupt kein Athlet aus Deutschland an. „Aktuell ist leider kein deutscher Verband in der Sports Union Down Syndrom vertreten“, bedauert Low.

Kein biestiger Konkurrenzkampf zwischen den Athleten

„Als Trainer macht mir die Arbeit sehr viel Spaß. Man muss jeden noch so kleinen Erfolg als großen Fortschritt verstehen, aber bekommt auch sehr viel zurück“, sagt Low. Auch die Zuschauer sind positiv überrascht: „Ich hatte noch nie zuvor von einer solchen Weltmeisterschaft gehört, aber ich sehe weniger Verbissenheit und nicht so einen biestigen Konkurrenzkampf“, sagt Zuschauerin Maria Maschmeier und Nicole Kampheuer ergänzt: „Ich habe großen Respekt vor den Athleten.“

Athletin Alice Patterson hat den schönsten Moment wohl schon erlebt: „Ich habe gestern eine Silbermedaille gewonnen“, sagt die Engländerin begeistert, die seit ihrem siebten Lebensjahr wöchentlich trainiert. Mutter Patterson bestätigt: „Sie arbeitet wirklich hart, ich bin wahnsinnig stolz.“

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