Ernte

Trockenheit: Bochumer Landwirt muss Ernteeinbußen hinnehmen

Landwirt Achim Heinrichs zwischen seinen Maispflanzen auf einem Feld an der Bumenfeldstraße in Bochum-Weitmar.

Landwirt Achim Heinrichs zwischen seinen Maispflanzen auf einem Feld an der Bumenfeldstraße in Bochum-Weitmar.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Wegen der Trockenheit auf den Feldern konnte ein Landwirt aus Bochum weniger ernten als sonst. Schlecht war die Ernte insgesamt aber nicht.

Endlich! Der Regen am Samstag in Bochum war für die Pflanzen ein kräftiger Schluck aus der Pulle, stark bildlich gesprochen. Aber für viele Gewächse kam er zu spät. Im dritten Jahr in Folge mit viel zu wenig Niederschlag und intensiver Hitzeeinstrahlung konnten Landwirte teilweise nicht das Ernteergebnis frühere Jahre erzielen. Vor allem bei Sommerfrüchten lief es schlecht.

Landwirt Achim Heinrichs aus Hontröp spricht von „erheblichen Einbußen“ beim Hafer, bei Erbsen, bei der Sommergerste und bei Bohnen. „Diese Sommerfrüchte leiden extrem unter Trockenheit, weil sie ein weniger leistungsfähiges Wurzelsystem haben.“ Die Aussaat erfolgt erst im Frühjahr. Anders verhält es sich bei den Winterfrüchten, die bereits im Herbst in den Boden kommen. Folglich haben sie eine vier bis fünf Monate längere Wachstumsphase.

Hafer und Erbsen: „Mindestens ein Drittel weniger als man erwarten kann“

Heinrichs selbst hat im Frühjahr Hafer und Erbsen gepflanzt. Sein Erntefazit: „Mindestens ein Drittel weniger als man erwarten kann.“ Neben Hitze und Trockenheit mache auch der Wind zu schaffen. Es gebe heute mehr Wind als noch vor zehn oder 20 Jahren. Warmer Wind beschleunigt die Austrocknung des Bodens kolossal.

Die Ernte der Wintergeste hingegen sei „in Ordnung“ gewesen, weil sie als erste Frucht reif geworden sei und von der Feuchtigkeit der Wintermonate profitiert habe. Der Winterweizen sei drei bis vier Wochen später reif gewesen. „Da hat sich die Trockenheit schon sehr bemerkbar gemacht“, sagt Heinrichs. Er fügt allerdings hinzu: „Wir arbeiten nun einmal in einer Freiluftwerkstatt, da muss man Eintragsschwankungen einkalkulieren.“

Der Mais in Bochum kann die Trockenheit „am besten verpacken“

So zum Beispiel auch beim Raps, der bereits im Juli geerntet worden sei. Teilweise lägen die Erträge unter 50 Prozent des Erwarteten. Allerdings hätten wohl neben der Trockenheit auch der Rapsglanzkäfer und die Wildtauben ihren Beitrag dazu geleistet.

Als letzte Frucht dieses Jahres läuft noch die Ernte des Körnermais. „Im Moment sieht es so aus, als wenn der Mais die Trockenheit am besten verpacken kann, wenn noch einzelne Schauer zur rechten Zeit kommen.“ Dann werde man „eine durchschnittliche Ernte“ hinbekommen.

Von einem insgesamt negativen Erntejahr will Heinrichs sowieso nicht sprechen, wie jedes Jahr. „Wir haben hier in Bochum und Wattenscheid eine gute Bodengüte. Deshalb kann es eigentlich keine schlechte Ernte geben.“ Die Gegend hier gehöre zu den Ausläufern der besonders fruchtbaren Soester Börde. Der feuchte Lösslehm reiche acht bis zehn Meter tief und sei sehr speicherfähig. Außerdem könne aus dem Grundwasserspiegel viel Feuchtigkeit für die Pflanzen nachgeliefert werden. Das sei „ein gewisser Standortvorteil“.

Ruhrverband: Im August fiel nur die Hälfte der üblichen Regenmenge

Die Trockenheit äußert sich auch am Wasserstand der Ruhr. Vor dem Regen am Samstagabend lag der Pegel an der für Bochum maßgeblichen Messstelle in Hattingen lange Zeit bei rund einem Meter, mal etwas drüber, mal etwas drunter. Der Ruhrverband spricht dann von „mittlerem Niedrigwasser“. Zwar hat der Regen am Samstag den Pegel auf gut zwei Meter ansteigen lassen, aber die Kurve ging am Sonntag schon wieder steil bergab.

Wie Ruhrverband-Sprecherin Britta Balt sagt, sei 2020 wohl das zwölfte Jahr in Folge, in dem es weniger geregnet habe als im langjährigen Mittel. Das sei noch nie der Fall gewesen seit Beginn der Aufzeichnungen.

Talsperren sind nur noch zu fast 60 Prozent gefüllt

In allen drei Sommermonaten fiel weniger Niederschlag als normal – im August war es sogar nur die Hälfte der üblichen Regenmenge. Bezieht man die – ebenfalls schon zu trockenen – Frühlingsmonate April und Mai mit ein, so war dieser Zeitraum sogar der zweittrockenste seit Beginn der Niederschlagsaufzeichnungen 1927, so der Ruhrverband. Nur 1976 hatte es entlang der Ruhr von April bis August noch weniger geregnet.

Am Sonntagmorgen waren die Talsperren zu 59,6 Prozent gefüllt – „Tendenz fallend“, sagt der Ruhrverband: „Aufgrund der geringen vorhergesagten Regenmengen ist in den kommenden Tagen wieder mit zurückgehenden Abflüssen zu rechnen.“

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