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Transgender Giuliana (21): „Die Toleranz in Bochum fehlt“

Erst mit 18 hat sich Giuliana als Transgender geoutet. Heute ist die 21-Jährige glücklich – auch wenn noch viel passieren muss, sagt sie.

Erst mit 18 hat sich Giuliana als Transgender geoutet. Heute ist die 21-Jährige glücklich – auch wenn noch viel passieren muss, sagt sie.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Giuliana (21) wurde als Junge geboren. Dass sie eine Frau ist, weiß sie seit dem Kindergarten. Beleidigungen und Sprüche erhält sie fast täglich.

„Ich habe schon im Kindergarten gemerkt, dass ich eine Frau bin. Doch ich habe es bis zu meinem 18. Lebensjahr niemandem erzählt“, sagt Giuliana Ruthmann. Die Bochumerin ist als Junge zur Welt gekommen. Ihre Kindheit und Jugend waren hart, sagt die heute 21-Jährige. Mittlerweile ist sie an einem Punkt angekommen, an dem sagen kann: „Ich bin stolz auf mich.“ Das war nicht immer so.

Giuliana kommt in Iserlohn zur Welt und wächst dort zusammen mit sechs Geschwistern auf. Schon im Kindergarten, so erzählt sie, fühlt sie sich verkleidet, wenn sie Jungsklamotten trägt. Doch darüber zu sprechen, dass sie eigentlich ein Mädchen ist – dazu fehlt ihr lange der Mut. „Auch die Schulzeit war schwierig“, sagt Giuliana. Sie ist unglücklich, fängt an, sich selbst zu verletzen. „Heute bereue ich es, nicht früher drüber gesprochen zu haben.“ Irgendwann outet sie sich als schwul, steht dazu, dass sie Männer liebt. Bis sie offen dazu steht, dass sie eine Frau ist, vergehen aber viele weitere Jahre.

Giuliana aus Bochum ist Transgender: „Für meine Mutter war das ein Schlag ins Gesicht“

Mit 18 erzählt Giuliana, was sie selbst schon so lange weiß. Ihre Geschwister kommen gut damit klar, die Mutter nicht: „Es war ein Schlag ins Gesicht für sie“, erinnert sich Giuliana. Und auch wenn sie heute akzeptiert, dass sie eine weitere Tochter statt eines Sohnes hat, falle ihr das noch sehr schwer.

Wenige Monate später lässt die junge Frau ihr Leben in Iserlohn hinter sich und zieht nach Bochum. „Ich wollte in eine Großstadt“, sagt sie. Ihre Hoffnung: mehr Akzeptanz, weniger ablehnende Blicke. Giuliana hat mittlerweile eine Nasen-Operation hinter sich und hofft, dass sie Ende dieses Jahres mit einer Hormonbehandlung anfangen darf, die sie körperlich zur Frau macht. Auch die geschlechtsangleichende Operation soll folgen.

Giuliana ist in Bochum angekommen, doch sie vermisst immer wieder Akzeptanz

An der Volkshochschule macht sie derzeit ihren Schulabschluss nach. Ihren Mitschülern stellt sie sich als Frau vor. Sie akzeptieren sie so, wie sie ist. Das sie Transgender ist, ist kaum ein Thema. Giuliana hat Freunde gefunden und ist angekommen.

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Doch trotzdem läuft in Bochum nicht alles so, wie es sich die heute 21-Jährige wünscht. „Die Blicke und Sprüche sind hier genauso viel wie vorher“, erzählt sie. Unschöne Situationen erlebe sie ständig. Da sind die beiden Männer, die vorletzte Woche die Tür der Frauentoilette, auf die Giuliana gegangen ist, geöffnet und gelacht haben. Da ist die Bierflasche, die ihr von einer Gruppe junger Männer an den Kopf geworfen wurde. Da sind die harten Sprüche: „Guck mal, da ist ‘ne Transe.“ Fast täglich.

„Ich störe oder verletzte doch keinen, nur weil ich bin, wie ich bin“

Dass die Leute sie anschauen, findet Giuliana in Ordnung. „Ich kleide mich ja schließlich auch auffällig“, sagt sie. Sie würde sich aber wünschen, dass aus Interesse geguckt wird – und nicht, weil die Menschen sie ablehnen. „Es wäre schön, wenn die Leute Fragen stellen. Ich gehe da sehr offen mit um und beantworte die gerne.“ Sie hofft, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft wächst. Gleichzeitig fragt sie sich aber, warum das nicht schon längst geschehen ist: „Ich störe oder verletzte doch keinen, nur weil ich bin, wie ich bin“, sagt Giuliana.

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