Tierschutz

Tierschützer fordern vier bis sechs Taubenhäuser für Bochum

Das Rathaus gilt als „Hotspot“ für Tauben. Eva-Maria Servatius (re.) und Vereinsmitglied Sandra Beneke wünschen sich hier ein Taubenhaus.

Das Rathaus gilt als „Hotspot“ für Tauben. Eva-Maria Servatius (re.) und Vereinsmitglied Sandra Beneke wünschen sich hier ein Taubenhaus.

Foto: Sabine Hahnefeld

Bochum.  Bochum braucht vier bis sechs Taubenhäuser, meint der Verein „Stadttauben“. Dort seien die Tiere sicher vor Verletzungen bei der Futtersuche.

„Knuddel“ konnte kaum mehr laufen. Bei der Futtersuche hatten sich Fäden um einen Fuß der Taube geschlungen, die sich mit jedem Schritt enger zogen. Die Zehen drohten abzusterben. Wieder mal ein Fall für den Verein „Stadttauben Bochum“. Vorstandsmitglied Eva-Maria Servatius und ihren Helfern gelang es, das leidende Tier auf dem Boulevard einzufangen und die Fäden zu lösen. „Knuddel“ ist wieder frei. Die Tierfreunde arbeiten weiter – und sind mehr denn je davon überzeugt: „Bochum braucht endlich Taubenhäuser.“

Tauben sind wenig beliebt. Als „Ratten der Lüfte“ werden sie verscheucht und verabscheut, hinfort gejagt, ob ihrer Kotmengen auf Plätzen, Dächern und Autos mitunter gefürchtet. „Kaum jemand kümmert sich um die Tiere“, sagt Eva-Maria Servatius (41). „Wenn wir es nicht tun, tut’s niemand.“

Fäden verfangen sich in Füßen

Zunächst als Initiative engagierter Tierschützer im Einsatz, gründete sich im April 2017 der Verein „Stadttauben Bochum“. Die Mitglieder sind täglich mit der Not der Tauben konfrontiert. Jedes Tier, schildert Eva-Maria Servatius, benötigt 40 Gramm Futter am Tag. „Artgerecht wären Getreidekörner. Die finden die Tiere in der Stadt nicht und sind deshalb permanent auf der Suche nach Brot, Krümeln und Pommes, die ihr Überleben sichern.“ Durch die anatomische Form der Füße verfangen sich darin Fäden, Zahnseide, Haare und Fasern. „Die Tauben leiden unter den Verschnürungen, die ihnen so schwer zusetzen, dass eine Fortbewegung nicht mehr möglich ist und sie verhungern.“

Ein reines Fütterungsverbot, wie es die Stadt verhängt (Strafe: 45 Euro), reiche nicht aus, um das Elend zu beenden, warnen die Taubenfreunde. Dringend erforderlich seien vielmehr Taubenhäuser: Bretterverschläge, Container und andere Behausungen, möglichst auf Dächern, die den Tieren ein sicheres Zuhause bieten. „Sie könnten sich hier einnisten. Man würde die Eier kontrolliert gegen Gipsattrappen tauschen, sie hier füttern und den Kot beseitigen“, regt Servatius an. So könne nachhaltig Einfluss auf die Vermehrung genommen werden. „So wie es jetzt läuft, wird den vorhandenen Tieren nur das Leben schwer gemacht.“

Etwa 3000 Tauben in der Stadt

Auf 3000 Tauben wird die Population im Stadtgebiet geschätzt. Bedarf für vier bis sechs Taubenhäuser erkennt der Verein, der an Stadt, Kirchen, den Handel und die Wirtschaft appelliert, bei der Finanzierung der Behausungen (jeweils rund 500 bis 3000 Euro) mitzuwirken. Einen Anfang machen die Tierfreunde an der Ruhr-Universität. Ein Bauwagen soll hier als Taubenhaus dienen. Das Genehmigungsverfahren ist im Gange.

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