Wirtschaft

Thyssenkrupp bringt ein hochmodernes Rennrad auf den Markt

Rainer Mölter, Jia-Uei Chan und Patrick Degner (v.l.) von Steelworks zeigen das neue Hightech-Rennrad.

Rainer Mölter, Jia-Uei Chan und Patrick Degner (v.l.) von Steelworks zeigen das neue Hightech-Rennrad.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Bochum/Duisburg.  Thyssenkrupp hat ein Hightech-Bike entwickelt. Auch optisch macht es viel her: Das Lackdesign stammt aus Wattenscheid. Preis: ab 6000 Euro.

Made in Germany – oder noch genauer: Gefertigt vom Weltkonzern in Duisburg, verzinkt in Bochum, die Lackierung entwickelt in Wattenscheid. So präsentiert sich das neue Premium-Rennrad, das ab Dezember zu haben ist. Über Jahre hat das Entwicklungsteam von Thyssenkrupp Steel daran getüftelt, jetzt ist das Ergebnis des Hightech-Bikes mit dem Stahlrahmen aus Duisburg und dem Lackdesign aus Wattenscheid für den Endkunden zu bestaunen.

Die Lackierung hat der Wattenscheider Autolackierbetrieb Grünewald an der Hansastraße beigesteuert, bei dem Experte Frank Kolberg das Zepter schwingt. Er hat mit seinem Team eine ganz besondere Lackierung entwickelt und auf den Rahmen gebracht. Der Kunde kann zwischen Perlmutt-Weiß, -Grau und -Schwarz wählen. Schon der erste Blick auf das Fahrrad zeigt die Handschrift des Lackierexperten, der vom Auto bis zum Tennisschläger schon so gut wie fast alles optisch außergewöhnlich gestaltet hat. Und an all dem hat der Wattenscheider Designexperte Peter Stark kräftig mitgewirkt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und auch aus der Fachwelt gibt’s bereits viel Anerkennung für Design und Ingenieurskunst. „Durch die Farbgebung wird der Rahmen in seine besondere Form gestellt“, erläutern Peter Stark und Frank Kolberg.

Peter Stark hat speziell für TKS die chromblauen Folien entwickelt. „Die sind wirklich einzigartig und unterstützten mit ihrem Farbdesign die Formgebungen des Fahrradrahmens maßgeblich.“

Peter Stark und Frank Kolberg als Lack- und Designexperten

Was letztlich entscheidend ist: Wie sich das Rennrad im Markt behaupten kann, wird sich nun zeigen. Denn billig ist es nicht, sondern im oberen Preissegment angesiedelt. Aus seiner Erfahrung als Designer heraus sagt Peter Stark, der im Autobereich schon für BMW und Mercedes tätig war: „Qualität und Design haben immer ihren Preis, finden aber auch ihre Kundschaft.“

Zwei Kompletträder für 6000 und für 9000 Euro können ab Dezember online bestellt werden. Kein Schnäppchenpreis, aber die Ansiedlung im Premium-Segment war für Thyssenkrupp Steel eine bewusste Entscheidung. Bei Großveranstaltungen wie den Hamburger „Cyclassics“ wurde das Rad schon präsentiert und die Reaktion der potenziellen Kunden notiert. Die sei sehr positiv gewesen und habe Thyssenkrupp Steel darin bestärkt, dass der Preis angemessen ist. Letztlich sind alle Beteiligten gespannt, wie der Markt reagiert.

Stahlrahmen ist Technologie-Träger und erhielt Design-Preis

Das Team liefert vorweg gute Argumente für den Markterfolg: Mit dem Steelworks haben die Ingenieure den Stahlrahmenbau zumindest neu definiert. „Statt der üblichen Rohrsätze, die entweder verschweißt oder mit Muffen verbunden werden, lassen sie aus hochfestem, 0,7 Millimeter dünnem Stahlblech zwei Halbschalen formen, die dann hochpräzise miteinander verschweißt werden“, erklärt Rainer Mölter, bei Thyssenkrupp Steel Leiter Produktentwicklung und Sonderwerkstoffe. „Mit dem Rahmen haben wir den Best of the Best Red Dot Design Award in der Kategorie Material & Surfaces in diesem Jahr gewonnen. Der prämierte Rahmen gehört zu den zehn besten Design-Produkten 2019 weltweit. Einer davon hängt im Museum auf Zeche Zollverein im Red Dot Design Museum“, betont Peter Stark.

Das Blech in so eine komplexe Form zu bringen, sei extrem schwierig. Die Fachleute haben ihr ganzes Können aufbieten müssen. Das Hightech-Rad will technologisch und optisch Akzente setzen – ist Qualitätsarbeit, die ein robustes Produkt liefert, stellt aber auch einen Image-Faktor dar. Auch in der Motorrad- und Autoindustrie stoße die Entwicklung auf großes Interesse, berichten die Entwickler. Durch die Verstärkung von Tretlager- und Lenkergehäuse mit Gussteilen erreiche der Rahmen eine große Verwindungssteifigkeit, der Stahl bleibe aber auch durch das gebogene Sitzrohr und das Design der Sattelstütze flexibel und verleihe dem Rahmen den Komfort, den die Fahrer von Marathon-Distanzen schätzen.

Rennrad ist im oberen Preissegment angesiedelt

Auch die Geometrie des Rahmens, der in zwei Größen (M+L) angeboten wird, ist auf diese Langstrecken-Zielgruppe ausgerichtet. Das Steelworks soll Unebenheiten in der Fahrbahn geschmeidig wegbügeln und das Rad soll das Gefühl großer Stabilität bei einer sportlichen, aber dennoch komfortablen Sitzposition vermitteln. Für den Stahlrahmen mit seinen drei verschiedenen Perlmutt-Lackierungen spreche neben der bestehenden Optik vor allem auch seine Langlebigkeit. Weil das Material nicht altert, sei der Thyssenkrupp-Renner eine Anschaffung fürs Leben - Blessuren durch Sturz oder Crash, die für die Carbon-Konkurrenz schnell auf einen Totalschaden hinaus laufen, lassen sich beim Blech oft leicht reparieren.

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