Kirche

Thema Missbrauch: Gespräche in St. Joseph Wattenscheid

Bischof Franz-Josef Overbeck besuchte am Sonntag die Gemeinde St. Joseph in Wattenscheid.

Bischof Franz-Josef Overbeck besuchte am Sonntag die Gemeinde St. Joseph in Wattenscheid.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Bochum-Wattenscheid.  In der Gemeinde St. Joseph findet nach dem Besuch von Bischof Overbeck ein weiteres Treffen am Mittwochabend statt. Es gibt noch Gesprächsbedarf.

„Es gibt es in der Gemeinde St. Joseph weiteren Gesprächsbedarf. Das wurde in der Fragerunde mit dem Bischof für alle deutlich“, erklärt Propst Werner Plantzen. Bischof Franz-Josef Overbeck hatte die Gemeinde am Sonntag besucht. Es geht um die 13 Jahre lange Tätigkeit eines pensionierten Priesters, der zweimal wegen sexueller Straftaten an Minderjährigen verurteilt worden war.

Und weiter: „Wer erklärt etwa den Messdienern, die jahrelang gemeinsam mit Pastor A. am Altar gestanden haben, warum es nun so viele Diskussionen über den Priester gibt – und wie kann die Kirche den Vertrauensbruch bei den Gläubigen heilen, die in Pastor A. jahrelang einen vertrauensvollen Seelsorger gesehen haben?“

Fragen soll besprochen werden

Diese und weitere Fragen sollen unter anderem bei einem weiterem Treffen am Mittwoch, 27. November, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Joseph, Geitlingstraße 13, besprochen werden. An diesem Abend werden der Personaldezernent des Bistums, ein Supervisor und Psychologe und die Präventionsbeauftragten der Pfarrei zum Gespräch zur Verfügung stehen.

Vor dem Hintergrund der Diskussionen um A. hatte der Bischof die Gemeinde am Sonntag kurzfristig besucht, um mit den Gläubigen Gottesdienst zu feiern und anschließend zu einer Gesprächsrunde in der Kirche zur Verfügung zu stehen. „Ich bitte Sie um Entschuldigung – gewähren können Sie sie“, sagte der Bischof im Gottesdienst. In der anschließenden Fragerunde wurde die große Verunsicherung vieler Gemeindemitglieder deutlich, die erst vor zwei Wochen durch die gemeinsame Veröffentlichung der Bistümer Essen, Münster und Köln, in denen A. tätig war, von der Vergangenheit des bei vielen Gläubigen beliebten Seelsorgers erfahren haben.

Bischof: Bistum hat damals falsche Entscheidung getroffen

„2002 hat das Bistum eine Entscheidung getroffen – und die war falsch“, betonte Overbeck. „Ein mehrfach verurteilter Missbrauchstäter darf nicht mehr in der Seelsorge tätig werden.“ Overbeck schilderte den Gläubigen in St. Joseph, wie A. in den 1970er und 1980er Jahren zweimal wegen sexueller Straftaten an Minderjährigen verurteilt worden war. Zunächst wurde A. mehrfach im Erzbistum Köln, später ins Bistum Münster versetzt und bat als 65-Jähriger darum, den Ruhestand in Bochum-Wattenscheid verbringen zu dürfen. Gemeindemitglieder, denen A. bekannt war und die von den Missbrauchsverurteilungen wussten, hätten damals das Bistum Essen informiert.

Fachärztliche Einschätzung des Geistlichen

Daraufhin hat das Bistum Essen eine fachärztliche Einschätzung des Geistlichen eingeholt, nach der keinerlei Gefahr mehr von ihm ausgehe. Die Personalverantwortlichen hätten damals die Gemeindeleitung in Wattenscheid informiert, eine Beauftragung zur Mithilfe als Ruhestandsgeistlicher in der Seelsorge erhielt A. nicht. Aufgrund des ärztlichen Gutachtens wurde ihm die Ausübung priesterlicher Dienste jedoch auch nicht generell verboten. Bis zu seinem Umzug in ein Seniorenheim im Jahr 2015 hat A. deshalb als Ruhestandsgeistlicher priesterliche Dienste in Wattenscheid übernommen.

Overbeck betonte, dass bislang kein Grund zur Annahme bestehe, dass A. auch in Wattenscheid Missbrauchs-Taten begangen habe. Dennoch gebe es in der Gemeinde auch nach dem Besuch des Bischofs weiteren Gesprächsbedarf, das sei bei der Fragerunde in St. Joseph deutlich geworden, so das Bistum.

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