Premierenvorschau

Theaterspiel zwischen Orient und Abendland

Szenenfoto mit Ensemble.

Szenenfoto mit Ensemble.

Foto: Annette Hauschild

„Malalai – die afghanische Jungfrau von Orléans“ heißt ein transnationales Theaterprojekt in den Kammerspielen: Schiller trifft Mythos.

Orient und Abendland gehen in der nächsten Premiere am Schauspielhaus eine ungewöhnliche Liaison ein. In „Malalai – die afghanische Jungfrau von Orléans“ wagen sich Robert Schuster, Regie, und Julie Paucker, Text und Dramaturgie, an ein transnationales Theaterprojekt frei nach Schiller.

Der Titel bezieht sich auf die historische Person der Malalai von Maiwand, der „afghanischen Jungfrau von Orléans“. Sie wurde im Unabhängigkeitskrieg 1880 zum Inbegriff weiblicher Tatkraft. In ihrer Aneignung des Stoffes verbinden Schuster und Paucker diesen orientalischen Mythos mit der französische Legende der Jeanne d’Arc und mit Schillers Drama um die Jungfrau von Orléans. Spannend: Im Schnittpunkt dieser weiblichen Freiheits-Ikonen begegnen sich auf der Bühne französische, afghanische, deutsche und israelische Schauspielerinnen und Schauspieler.

Afghanen hatten die Hoffnung auf den Sieg verloren

Die Legende der Jeanne d´Arc („Die Heilige Johanna“) ist in Frankreich ein Nationalmythos. Schiller hat der jungen Frau, die in einer von Männern dominierten Welt für ihre Überzeugung, ihren Glauben und ihr Land kämpft, sein bekanntes Drama gewidmet. In Afghanistan erzählt man sich eine ganz ähnliche Geschichte. Als die Afghanen die Hoffnung auf den Sieg im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten verloren hatten und flohen, löste die Krankenschwester Malalai ihren Schleier, machte eine Flagge daraus und rannte auf den Feind zu. Die Soldaten kehrten um, folgten ihr und gewannen die Schlacht.

„Sowohl der afghanische Mythos als auch die französische Legende hatten und haben eine nationenbildende, aber auch eine emanzipatorische Funktion, und beide werden – gerade in jüngerer Zeit – von nationalistischen und religiösfundamentalistischen Kräften instrumentalisiert“, so Schuster. Die mythische und politische Aufladung dieser zwei weiblichen Gotteskriegerinnen bildet somit den Ausgangspunkt der Produktion.

Besetzung ist völkerübergreifendes Statement

Im Ensemble dieses ungewöhnlichen Theaterprojekts kommen Schauspieler/innen mit muslimischem, jüdischem, christlichem oder atheistischem Hintergrund zusammen. Schon durch die Besetzung versteht sich „Malalai“ als grenzen- und völkerübergreifendes Statement in der heutigen zunehmend von national(istischen)en Tendenzen durchwirkten Welt.

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