Junges Schauspielhaus

Theaterreise mit „Peter Pan“ führt in die Welt der Fantasie

Verspielt und exotisch entwickelt sich die Geschichte um den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte. In „Peter Pan“ stehen ausschließlich Schüler/innen auf der Bühne.   

Verspielt und exotisch entwickelt sich die Geschichte um den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte. In „Peter Pan“ stehen ausschließlich Schüler/innen auf der Bühne.  

Foto: Diana Küster

Bochum.  Martina van Boxen verabschiedet sich mit einer starken Inszenierung als Leiterin des Jungen Schauspielhauses. Sie wird mit Sprechchören gefeiert.

Sie wird geherzt, gedrückt und geküsst. Als Martina van Boxen nach 70 Minuten zu „ihren Kindern“ auf die Bühne der ausverkauften Kammerspiele eilt, spendet das Publikum stehende Ovationen. Nicht nur für die gelungene Inszenierung. Dieser Applaus ist auch Ausdruck des Dankes für die langjährige Arbeit der Leiterin des Jungen Schauspielhauses.

Alles ändert sich

Ihre Idee hat sich bewährt. Schüler von sieben Schulen verschiedener Schulformen erproben sechs Monate lang ein Stück. Dabei nimmt jeder die Aufgabe wahr, die ihm lieb ist. Viele agieren als Schauspieler, andere machen die Musik, manche kümmern sich um Bühne und Kostüme. Es sind Schüler mit völlig unterschiedlichen sozialen Hintergründen, die gemeinsam an einer Sache arbeiten.

Dafür eignet sich „Peter Pan“ ausgezeichnet. Denn der steht ziemlich allein da in seiner kleinen armen Welt. Alles ändert sich, als der Träumer von einer Fee auf eine geheimnisvolle Insel mitgenommen wird. Hier trifft er auf freundliche Bewohner, Fabelwesen – und auf Piraten, die die Idylle bedrohen. Schnell finden sie heraus: Nur gemeinsam kann die Insel vor dem Untergang bewahrt werden.

Vertrag wird nicht verlängert

Martina van Boxen (*1960) zeigt einen erfreulich unverkrampften Umgang mit dem sensiblen, 1902 als Buch für Erwachsene veröffentlichten und später dramatisierten Stoff. „Ich habe die Lust aufs Abenteuer vergessen“, sagt Peter zu Beginn. Von Abenteuern soll er bald genug bekommen. Er ist einer der wenigen in Straßenkleidung, die anderen Darsteller tragen bunte Kostüme, Kriegerin, Seeräuber, Fabelwesen.

Die Szenen wechseln schnell, es gibt starke Live-Rhythmen der Musiker hinter einem Gaze-Vorhang, die Kämpfe sind straff choreographiert, die neonkühle, mobile flexible Bühne wird von ein paar Kokospalmen aufgeheitert. Stellenweise fühlt man sich an „Herr der Fliegen“ oder „Der Strand“ erinnert. Und immer schwingen die Themen Rassismus und Ausgrenzung mit. Doch die Oberhand behält stets der Humor – und die Lust am Spiel, die Gier nach Theater.

>>WAZ-Theaterscouts

Nach 70 Minuten gibt es Rufe nach der Regisseurin. „Mar-ti-na! Mar-ti-na!“ Sie kommt, nimmt den Applaus gerührt entgegen. Ihr Vertrag wird nicht verlängert. Die Zukunft des Jungen Schauspielhauses ist ungewiss. Martina van Boxen wird fehlen.

Diese für mich stärkste Inszenierung von Martina van Boxen & Co. kann als ihr Abschiedsgeschenk betrachtet werden. Alles in dieser Inszenierung ist stimmig. Die einzelnen Szenarien werden durch Foto-Projektionen erschaffen. Die beweglichen Bühnenelemente erschaffen immer wieder neue Räume. Das Spiel ist getragen von Musik, Tanz und auch leisere Szenen. Die fantasievollen Kostüme bestechen durch liebevolle Details. Diese Aufführung fesselt, und trotz großem Schüleranteil im Publikum ist es still. Das sagt viel über die Bühnenpräsenz aus. Ich hoffe inständig, dass „Theater in Bewegung“ bestehen bleiben wird, egal in welcher Form und an welchem Ort.“ Nicole Wenk

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik