Performance

Theaterprojekt „Risse“ stellt in Bochum unbequeme Fragen

Theaterpädagoge Danny Friedrich (mi.) ist erfahren in der Arbeit mit jugendlichen Laiendarstellern.

Theaterpädagoge Danny Friedrich (mi.) ist erfahren in der Arbeit mit jugendlichen Laiendarstellern.

Foto: Dominik Göttker / FUNKE Foto Services

Bochum.  Das Bochumer Ensemble Nonegatif lädt zur Premiere ein. In „Risse“ wird der Weg einer jungen Frau verfolgt, die einen Terroranschlag verüben will.

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Die multikulturelle Theatergruppe „Nonegatif“ fiebert der Premiere ihres neuen Stückes „Risse“ entgegen. Am 5. Dezember ist es im Kulturzentrum Bahnhof Langendreer soweit.

Aufführungsort ist das Kulturzentrum Bahnhof Langendreer, wo das freie Ensemble schon länger heimisch ist. Wie in früheren Produktionen, werden Fragen aufgerufen, die scheinbar paradox sind: Wie kann es sein, dass jemand das „Absaufen“ tausender Geflüchteter „feiern“ kann und anschließend nach Hause kommt, um seinen todkranken Vater zu pflegen? Wie kann es sein, dass Juden, Migranten und all jene, die als „Andere“ markiert werden, mitten in Deutschland zur Zielscheibe von Hass und Gewalt werden?

Wenig bewusst

Einen Erklärungsansatz findet die Theatergruppe in der Theorie der Entmenschlichung. Sie beschreibt den Prozess, in dem anderen schrittweise der Status als Mensch abgesprochen wird, etwa indem sie mit Tieren oder Objekten gleichgesetzt werden. Tendenzen von Entmenschlichung sind, so die Annahme, in unser aller Alltag zu finden – oft weniger bewusst, als wir es gern hätten.

Statistische Anmutung

„Wir finden sie auch in der Begegnung zwischen Chirurgin und Patient oder in den statistisch anmutenden Zahlen und Bildern, die uns medial unterbreitet werden: in der Rede von 1000 Toten im Mittelmeer, von Flüchtlingswellen, Sozialschmarotzern usw. Kaum jemand kann sich von solchen Labels freimachen“, so Danny Friedrich.

Politische Bildung ist wichtig

Der Theaterpädagoge arbeitet seit 2013 in dem Projekt „Nonegatif“ gemeinsam mit Davira Donaldson mit jungen Menschen. Mit Mitteln des Theaters, der Theaterpädagogik und der politischen Bildung werden Themen wie Diskriminierung oder Intersektionalität (=Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person) behandelt. Es wird gefragt: Was macht uns als Menschen eigentlich aus? Bisher sind vier Performanceprojekte entstanden.

Keine leichte Sache

In „Risse“ wird der Weg einer jungen Frau verfolgt, die sich entschließt, vor einem Einkaufszentrum einen Terroranschlag zu verüben. Wie kommt es zu dieser Entscheidung? Welche Umstände spielen eine Rolle? Und was muss sie auf dem Weg dahin liegen lassen, um diesen letzten Schritt tun zu können?

Keine leichte Sache, ein munteres Bühnenspiel ist naturgemäß nicht zu erwarten. Aber bei aller Schwere des Themas schimmern durchaus lichte und hoffnungsvolle Momente auf. „Die Hoffnung ist, dass die Zuschauer/innen mit mehr nach Hause gehen als sie gekommen sind“, so Danny Friedrich.

Aufführungstermine:

Aufführungen am Donnerstag (5.12.) und Freitag (6.12.) um 20 Uhr im Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108. Einritt 9/erm. 5 Euro. Altersempfehlung: ab 14 Jahren.

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