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Theaterabend gerät zu einer distanzlosen Zumutung

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Man kann auch auf hohem Niveau total daneben liegen. Mit „Wir & die Laufenten“ zeigt Regisseur Boris Mercelot, wie man trotz toller Schauspielerinnen und clever gewählter Requisiten einen dramaturgisch gelungenen, aber inhaltlich gescheiterten Theaterabend inszenieren kann. Die Premiere in den Kunsthallen der Rottstraße 5 geriet zum irritierenden Abend mit mehr als nur einem Etikettenschwindel.

Anhand der Geschichte von drei Laufenten greift Mercelot neben Tierrechtsdebatten Formen von Gewalt auf, ohne sie zu verhandeln. Er zeigt bedrückende Übergriffe auf Tiere und Menschen, ohne ihnen dabei positive Gefühle zur Seite zu stellen. Er bietet weder Weisen des Umgangs, noch widmet er sich – wie angekündigt – der Frage der „Heilung“. Stattdessen liefert er eine reine Täterperspektive. Das ist weder für Kinder ab neun Jahren – wie angekündigt geeignet, noch eine Auseinandersetzung mit Gewalt oder Täter-Opferbeziehungen.

Der Abend funktioniert dank Sara Hasenbrink, Uli Frank und Emilia Hagelganz. Timing, Tempo und Ausdruck stimmen. Sie bespielen den Raum, bewegen sich mal vor, mal hinter dem Publikum. Die Requisiten und das Bühnenbild sind simpel, aber wirkungsvoll. Zeitungen, Turnmatten, bunte Socken genügen.

Die Inszenierung selbst reproduziert jedoch in erster Linie Gewalt, vor allem sexualisierte Gewalt. Natürlich, Gewalt zu zeigen, ist effektvoll, weil sie sofort Wirkungen bei Zuschauern erzeugt. Das ist für Erwachsene im besten Fall eine distanzlose Zumutung, aber für Kinder eine pädagogische Katastrophe.

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