Radschnellweg Ruhr

Teilstück des RS1 in Bochum muss komplett neu geplant werden

Zwischen Mülheim und Essen ist der Radschnellweg Ruhr bereits ausgebaut. Hier im Bild: die Hardenbergbrücke.

Foto: Oliver Müller

Zwischen Mülheim und Essen ist der Radschnellweg Ruhr bereits ausgebaut. Hier im Bild: die Hardenbergbrücke.

Bochum.   Eigentlich sollte der Radweg zwischen Ehrenfeld und Hauptbahnhof über Flächen der Bahn führen. Die will die Grundstücke aber nicht verkaufen.

Der Radschnellweg Ruhr (RS1) muss auf einem wichtigen Teilstück im Innenstadtbereich vollkommen neu geplant werden. Mehrere Grundstücke, die in der vom RVR in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie eingeplant waren, werden für den Bau nicht zur Verfügung stehen.

Vom S-Bahnhof Ehrenfeld bis zur Herrmannshöhe sollte die Radtrasse über Flächen der Deutschen Bahn verlaufen, auch eine alternative Trassenführung sah eine Querung der Universitätsstraße über Bahngelände vor.

Nun aber ist klar: Die Bahn wird die Grundstücke nicht verkaufen, weil sie „bahnbetrieblich notwendig“ sind, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. So liegen dort beispielsweise Kabelschächte der Bahn, die nicht versetzt werden können. Über einem anderen Teilstück verlaufen Oberleitungen, die aus Sicherheitsgründen nicht unterfahren werden dürfen.

„Nachvollziehbare Gründe“, sagt die Ingenieurin Katja Hüskes, die beim städtischen Tiefbauamt mit der Umsetzung des RS1 betraut ist und die jetzt vor der Herausforderung steht, gemeinsam mit ihrem Team einen komplett neuen Verlauf für den Radweg zu finden.

Verfügbarkeit wurde nicht geprüft

Als die Machbarkeitsstudie 2014 von einem Planungskonsortium für die gesamten 101 Kilometer des RS1 erstellt wurde, war die Bahn-Infrastruktur an dieser Stelle laut Bahnsprecherin bereits vorhanden. „Der Begriff Machbarkeitsstudie impliziert zwar, dass auch die Verfügbarkeit von Flächen geprüft wird“, sagt Katja Hüskes. „Das ist in diesem Bereich offenbar nicht passiert und fällt uns heute auf die Füße.“ Kritik an den Erstellern der Studie äußert die Planungsleiterin indes nicht: Es sei damals vor allem darum gegangen, zu zeigen, dass das Großprojekt RS1 grundsätzlich realisierbar ist. Den Verlauf im Detail zu überprüfen, sei in diesem Rahmen gar nicht zu leisten gewesen.

Katja Hüskes möchte nun ein externes Büro mit der Trassensuche beauftragen. Der entsprechende Förderantrag an die Bezirksregierung Arnsberg ist bereits in Arbeit.

Suche nach Alternativen wird Zeit kosten

Doch die Suche nach einem alternativen Verlauf wird nicht nur Geld, sondern auch Zeit kosten: „Egal, welche Trasse wir wählen, es wird immer Leute geben, die sie gut finden, und andere, die sie nicht gut finden“, so Hüskes.

Bürger und Politik sollen deshalb intensiv eingebunden werden. Welchen zeitlichen Verzug die Neuplanung verursacht, ist derzeit nicht absehbar. Wird der Förderantrag bewilligt, was eventuell bis zum Jahresende geschehen könnte, folgt die Ausschreibung der Trassensuche. Die eigentliche Suche, Planung, Beschlussfassung und Umsetzung werden ebenfalls dauern. „Das ist nicht schön aus unserer Sicht“, sagt Hüskes, „aber wir sehen es als Herausforderung.“ Ob die alternative Trasse am Ende auch noch teurer wird als die geplante, wird sich noch herausstellen.

Weitere Bahngrundstücke eingeplant

Die Flächen zwischen Ehrenfeld und Hauptbahnhof sind nicht die einzigen Grundstücke im vorgesehenen RS1-Verlauf, die der Bahn gehören. Katja Hüskes hat daher eine Prüfung des sogenannten Trassenabschnitts B zwischen der Bochumer Innenstadt und der Stadtgrenze Dortmund veranlasst, um auf weitere etwaige Schwierigkeiten frühzeitig reagieren zu können. Ein Ergebnis liegt bisher nicht vor.

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