Best Ager

Tanzen hält Körper und Geist fit

Heidi Hoffmann (vorne rechts) kam zur „Schnupperstunde“beim Club Agilando vorbei. Noch findet sie es schwierig, sich die Schritte der Choreographie zu merken – doch das wird sich schon bei ihrem nächsten Besuch ändern.

Foto: FUNKE Foto Services

Heidi Hoffmann (vorne rechts) kam zur „Schnupperstunde“beim Club Agilando vorbei. Noch findet sie es schwierig, sich die Schritte der Choreographie zu merken – doch das wird sich schon bei ihrem nächsten Besuch ändern. Foto: FUNKE Foto Services

Bochum.  Der Club Agilando ist ein Tanzkurs für Ü60-Jährige. Bei Gymnastik und Partytänzen stehen Freude an Bewegung und Geselligkeit im Vordergrund.

„So, bleiben wir heute mal ernst?“, fragt Tanzlehrer Patrick Gerber, als er den großen Saal in der Tanzschule Vosshans betritt. Die Tänzerinnen und Tänzer – alle über 60 Jahre alt, fangen prompt an zu lachen. Einmal pro Woche, immer mittwochs, treffen sie sich im Club Agilando und bewegen sich gemeinsam zur Musik.

In der ersten halben Stunde stehen Gymnastikübungen auf dem Programm, in der zweiten lernen alle gemeinsam Tanzschritte für eine Choreographie. Auch wenn nicht immer gleich alle Schritte sitzen: Die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund – jeder macht so viel, wie er kann. „Es soll einfach Spaß machen“, sagt Heiner Anderle, einer von drei Männern im Kurs. Auch Karin Tigges bewegt sich gerne zur Musik: „Tanzen ist ja auch gesund – für Körper und Geist.“

Kein Tanzpartner nötig

Zum Aufwärmen laufen alle erst mal zu einem Jive auf der Stelle. Dann steigert Tanzlehrer Patrick Gerber das Tempo leicht: Kleine Hüpfer, Kniebeugen und das Lockern von Becken und Hüfte sind feste Bestandteile des Programms. Zum Cha-Cha-Cha werden dann die Bauchmuskeln angespannt, der Rücken rund gemacht und anschließend wieder gestreckt.

Entwickelt wurde der Club Agilando von Norbert Kalkbrenner, selbst jenseits der 50 und erfahrener Tanzlehrer und Präsidiumsmitglied des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes. „Bei dem Programm sind die Teilnehmer nicht auf einen Partner angewiesen“, erklärt Patrick Gerber von der Tanzschule Vosshans in einer kurzen Verschnaufpause. Spaß an der Bewegung zur Musik und Geselligkeit auch für Alleinstehende stehen bei diesem Kurs im Vordergrund.

Gute Gemeinschaft

Nach den Gymnastikübungen zum Aufwärmen geht es für die Ü60-Gruppe ans Eingemachte: Seit ein paar Wochen studieren sie eine Jive-Choreographie ein. Patrick Gerber geht einzelne Schrittfolgen mit der Gruppe durch, am Ende der Stunde werden sie zu einem Tanz zusammengefügt. So wird nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch die grauen Zellen werden gefördert.

Das Ehepaar Dreps ist schon von Anfang an mit dabei: Seit vier Jahren kommen sie regelmäßig zum Club Agilando. „Früher haben wir viel zusammen getanzt“, sagt Christa Dreps. In diesem Kurs läuft es anders: „Manchmal ist es eben besser allein“, fügt die 79-Jährige schmunzelnd hinzu. Seit 54 Jahren ist sie mit ihrem Mann Johannes verheiratet – auch er fühlt sich in der Gruppe wohl. „Es läuft alles prima, auch die Gesellschaft ist toll“, sagt der 84-Jährige.

Heidi Hoffmann hingegen tanzt zum ersten Mal mit: „Ich wollte etwas für mich tun.“ Als nach dem Kurs alle im Vorraum der Tanzschule zusammensitzen, ist schon nicht mehr zu erkennen, dass sie „die Neue“ ist. Die Gruppe fordert sie auf, auch noch etwas zu bleiben. Mittlerweile treffen sich die Tänzerinnen und Tänzer auch außerhalb des Kurses. „Alle sind sehr nett“, findet Heidi, „ich komme auf jeden Fall wieder.“

Die jungen Alten gehen am Stock 

Nicht nur gewerbliche Anbieter wie Tanzschulen oder Fitnessstudios haben die neue, agile Zielgruppe für sich entdeckt. Auch die Bochumer Sportvereine stellen sich zunehmend auf die Ü-50-Generation ein, beobachtet Laura Hayen (31), Mitarbeiterin beim Stadtsportbund.

„Immer mehr ältere Menschen haben den Wunsch, sich sportlich zu betätigen – und das nicht nur zuhause auf der Gymnastikmatte, mit Hanteln oder Theraband, sondern möglichst in Gemeinschaft“, sagt Laura Hayen. Die Klubs reagieren. 393 Vereine sind dem Stadtsportbund angeschlossen. Eine Vielzahl hält Angebote speziell für Frauen und Männer jenseits der 50 bereit.

Wassergymnastik, Radfahren. Schwimmen, Nordic Walking, Tauchen, Billard und Boule (erstaunlicherweise bei der Skigilde Bochum), Koronarsport, Tischtennis, Wandern, Klettern und Tauchen bis zur asiatischen Kampfkunst Jiu Jitsu: Wer sich fit halten will, hat je nach Konstitution und Kondition die freie Auswahl. Preiswert ist der Vereinssport obendrein: Die Mitgliedsbeiträge sind auch für schmalere Geldbeutel erschwinglich.

Fitnessbranche erlebt Zulauf

Wo welcher Sport betrieben werden kann, weiß der Stadtsportbund, der in der Geschäftsstelle am Westring 32 eine kostenlose Broschüre bereithält und telefonisch Auskunft gibt (0234/96 13 90). Internet-Nutzer finden auf www.sport-in-bochum.de eine eigens nach Altersklassen sortierte Auflistung – auch für „Best Ager“.

Die nehmen die Angebote rege wahr. Die Vereine im Stadtsportbund haben 80 000 Mitglieder. Davon sind 20 000 zwischen 46 und 65 Jahre jung; 10.000 sind über 66. Tendenz: steigend. Naheliegend, dass Bochum seit drei Jahren Partner des Landesprogramms „Bewegt älter werden in NRW“ ist.

Derweil erlebt auch die Fitnessbranche einen Zulauf der „Alten“. Einer Studie zufolge ist fast jeder Dritte der acht Millionen Mitglieder in Deutschland über 50 Jahre alt.13 Prozent sind älter als 60.

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