Schauspieler-Ehrung

Tana Schanzara-Denkmal findet in Bochum seinen festen Platz

WAZ-Leserin Heidi Bösel und ihre Tochter Meline (li.) hatten damals die Idee zur Denkmalgestaltung „Tana auf ihrem Bänksken“.

WAZ-Leserin Heidi Bösel und ihre Tochter Meline (li.) hatten damals die Idee zur Denkmalgestaltung „Tana auf ihrem Bänksken“.

Foto: JBS

Bochum.  Der Umbau des Tana-Schanzara-Platzes ist beendet, nun wurde die Anlage eingeweiht. Die Bronze-Tana blickt auf ihre geliebtes Schauspielhaus.

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Oberbürgermeister Thomas Eiskirch weihte mit Gästen aus Politik, Kultur und Verwaltung am 2. Dezember den fertiggestellten Tana-Schanzara-Platz ein. Viele Schaulustige erinnerten sich dabei an die unvergessene „Ruhrgebietsduse“ Tana Schanzara (1925-2008).

Vom ihr gewidmeten Platz blickt die in Bronze gegossene Tana Schanzara auf ihr geliebtes Schauspielhaus. Unter dem Kirschbaum sitzt die Statue, gestaltet vom Bildhauer Karl-Ulrich Nuss, die an die beliebte Aktrice (1925-2008) erinnert, auf einer Bank. Sie hat nun ihre „alte“ Revierbühne fest und für immer im Blick. Wer mag, kann sich neben sie setzen und von großen Bühnenzeiten träumen.

Treppe mit Sitzstufen lädt zum Verweilen ein

Entstanden ist auf der ehemaligen Freifläche gegenüber vom Schauspielhaus ein offener Platz, der zum Verweilen einlädt. Dafür sorgen Präriestauden und von März bis Oktober blühende Blumen; fünf Zierkirschen grenzen den Aufenthaltsort zur Königsallee ab. Eine Treppe mit Sitzstufen und Blickrichtung zum Schauspielhaus bildet den Abschluss. Bodenstrahler rücken die Tana-Skulptur ins rechte Licht, wenn’s dunkel wird.

Geschichte des Platzumbaus reicht fünf Jahre zurück

Die Geschichte des Platzumbaus und die der Bronze-Skulptur reicht über fünf Jahre zurück. Alles begann, als nach langem Hin und Her 2010 der kleine Platz an der Schauspielhaus-Kreuzung nach der Volksschauspielerin benannt wurde. Problem: die Fläche war weder augenfällig noch ansehnlich. Mehrfach musste sich gar die Politik dafür stark machen, dass der Platz überhaupt gereinigt und gepflegt wird, denn er war nicht in der Straßenwidmung erfasst. Der Ehrenplatz der Revier-Schauspielerin verkam zur miefigen Hundewiese. Versuche, den Platz aufzuwerten, scheitern an der desolaten Haushaltslage der Stadt.

Umbau der Oskar-Hoffmann-Straße sorgte für Verzögerung

Und doch wurde nicht nur alles gut, sondern sogar noch besser. Wenn auch nur Schritt für Schritt. Denn am 3. Juli 2012 hieß es: Bochum hat „Tana“ wieder! Mit der Aufstellung wurde die Bronzeplastik auf dem Hans-Schalla-Platz geparkt, weil der Umbau der Oskar-Hoffmann-Straße drohte und der Tana-Platz zum Bauplatz wurde.

Viele Vorschläge der Bürger kamen zusammen

Auf jeden Fall war/ist die Installierung des Denkmals ein Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Ins Rollen kam alles, nachdem die WAZ über den schmuddeligen Platz berichtet hatte. Im März 2011 waren Vertreter des Theaters, der Politik, der Verwaltung, Anwohner aus dem Ehrenfeld und Tana-Weggefährten am WAZ-Mobil vorm Schauspielhaus dabei. Danach war klar: Es musste’ was geschehen!

Was folgte, war ein gemeinsam mit dem Schauspielhaus lancierter Aufruf in der WAZ „Kreative Ideen für Tana gefragt“; bald trudelten Zuschriften und Vorschlägen für die Platz- und Denkmalgestaltung ein. Am Ende entschied sich die Jury für den Vorschlag von WAZ-Leserin Heidi Bösel: Sie wünschte sich eine Tana, die auf einem Bänksken unter dem Kirschbaum auf „ihrem“ Platz sitzt, und der man sich zugesellen kann.

Bronze-Denkmal kostete 45.000 Euro

Der Bildhauer Nuss wurde beauftragt, die Figur anzufertigen. Kostenpunkt: 45000 Euro. Sie wurden nach und nach eingesammelt: Die WAZ-Gesellschafter unterstützten das Projekt mit 20 000 Euro, das Schauspielhaus sammelte beim Spielzeiteröffnungszeit, namhafte Beträge steuerten u.a. Gerd-Uwe Drobig (Seco Kältetechnik, 5000 Euro) und Christian Koch (Finkenholl Stahl, die Sparkasse (5000 Euro) und das Modehaus Baltz (3000 Euro) bei.

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Einsfünfzig groß, mit einem Buch neben sich, Baskenmütze auf dem Haupt und einer einladenden Geste: Das also ist die Bronze-Tana Schanzara, die endlich den angemessenen Platz auf „ihrem“ Platz eingenommen hat. Das ist eine gute Sache, und Bochum kann stolz darauf sein!

Bürger-Engagement hat, wie schon beim Musikforum, auch hier etwas möglich gemacht, was die Stadt allein nicht leisten konnte/wollte. Die Idee des Denkmals, seine Finanzierung und Ausführung: die Bürger/innen haben es gewollt und gestemmt. Die Stadt tat das Ihre mit der Platzgestaltung.

Die Ehre für Tana Schanzara ist überaus angemessen, auch wenn es längst Jüngere gibt, die sie gar nicht mehr kannten. Auch ihnen sagt das Denkmal nun: Tana war „alles“ in Bochum: führende Revier-Type, Publikumsliebling, Schauspielerin eines halben Jahrhunderts. Der Platz, schön begrünt, was im Frühjahr zu sehen sein wird, hält ihr Andenken aufrecht. Und – jede Wette! – sie wäre damit zufrieden: „Datt habt Ihr gut hingekricht!“ (JBS)

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