Tiere

Kemnader See: Aggressive Sumpfkrebse gelten als Delikatesse

Dieses ca. 15 Zentimeter lange Exemplar eines Roten Amerikanischen Sumpfkrebses hat Sebastian Hartmann am vergangenen Sonntag am Kemnader See in Bochum fotografiert.

Dieses ca. 15 Zentimeter lange Exemplar eines Roten Amerikanischen Sumpfkrebses hat Sebastian Hartmann am vergangenen Sonntag am Kemnader See in Bochum fotografiert.

Foto: Sebastian Hartmann

Bochum/Witten/Hattingen.  Am Kemnader See hat sich eine Krebsart massenhaft verbreitet. Sie bedroht die Fisch- und Insektenwelt, gilt aber auch als Delikatesse.

Als Sebastian Hartmann um den Kemnader See in Bochum joggte, stoppte er plötzlich: Zwischen Seeterrassen und der Strandbar krabbelte im Gras ein etwa 15 Zentimeter langer Krebs. Es handelte sich um den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs. Ein Einwanderer, der sich immer mehr in Bochum ausbreitet. Mittlerweile millionenfach, wie der Naturführer Martin Maschka aus Hattingen am Dienstag auf WAZ-Anfrage erklärte.

„Mehrere Menschen - erwachsene wie Kinder - standen um das Tier“, sagt Hartmann „Neugierig, am Fotografieren. Der Flusskrebs zeigte sich kampfeslustig, je näher man ihm kam.“

In Bochum wurden die Krebse erstmals in den Harpener Teichen nachgewiesen

Der Sumpfkrebs gewinnt in Bochumer Gewässern immer mehr Raum. Vor allem im Stausee, aber auch in Bächen, Wassergewinnungsanlagen und stehenden Gewässern. Er könne aber auch tagelang über Land laufen, sagt Naturführer Maschka, der die „Wildnisschule Ruhr“ in Hattingen betreibt und sich auch in der Bochumer Tierwelt auskennt wie nur wenige.

Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs stammt aus den Everglades in Florida und wurde in den 70er- oder 80er Jahren, so vermutet Maschka, wahrscheinlich von einer damaligen Zoohandlung in den Harpener Teichen ausgesetzt. Von dort sollen sich die Krabbeltiere auf den Weg in den Ümminger See und den Ölbach und ab etwa dem Jahr 2000 auch in den Kemnader See aufgemacht haben. Maschka spricht von einem „Massenaufkommen“.

Krebse sind aggressiv: „Ich habe fast Angst bekommen“

„Aggressiv“ seien die Tiere, sagt Maschka. Das kann ein Augenzeuge bestätigen: ein radfahrender Apotheker (67), der so ein Exemplar auf dem Gehweg an den Ölbächen entdeckte und es mit einem Ast wieder sicher ins Wasser bewegen wollte. Der Krebs bewegte sich wie wild und streckte seine Zangen aus. Immer wieder schnappte das Tier nach dem Ast und versuchte reinzubeißen. Der Mann hatte regelrecht mit dem Tier zu kämpfen. „Ich habe fast Angst bekommen.“

Auch innerhalb der Tierwelt ist der US-Sumpfkrebs ein Problem. Als Einwanderer, ein so genannter Neozoon, verdrängt er die einheimischen Tierwelt. Wie Maschka erklärt, trägt er aus Amerika die Krebspest in sich, ist selbst aber dagegen immun - anders als der einheimische Edelkrebs. Dieser sei dem Erreger bereits zum Opfer gefallen und aus Bochum verschwunden. Auch der ebenfalls aus Amerika, vom Mississippi, über die interkontinentale Fischzucht eingeschleppte Kamberkrebs habe die Krebspest nach Europa und Bochum gebracht.

Bedrohung für Fische und Insekten in Bochum

Maschka zufolge bedrohen die Neozoen-Krebse auch die heimische Fisch- und Insektenwelt, indem sie die Laich und Larven fressen. Die Krebse selbst hätten hingegen keine Fressfeinde.

Einfach einsammeln darf man die Krebse nicht. Nur qualifizierten Anglern ist das erlaubt. Dabei seien die Tiere „eine Delikatesse“, wie Maschka sagt. In einer deutschen Discounter-Kette würde das Fleisch als „Flusskrebs-Schwänze“ angeboten.

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