Lutherkirche

Textile Kunst verändert den Kirchenraum

Die Austellung „Raum für Stille“ von Anne Ulrich in der Lutherkirche lädt ein, den Kirchenraum neu zu entdecken und zur Ruhe zu kommen.

Foto: Socrates Tassos

Die Austellung „Raum für Stille“ von Anne Ulrich in der Lutherkirche lädt ein, den Kirchenraum neu zu entdecken und zur Ruhe zu kommen. Foto: Socrates Tassos

Dahlhausen.   Anne Ulrich stellt bis Ende Juni in der Lutherkirche aus. Zu sehen sind Installationen mit verschiedenen Formen, Farben und Arbeitstechniken.

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Den Kirchenraum neu und anders entdecken. Das gelingt der aktuellen Ausstellung von Textilkünstlerin Anne Ulrich in der neugotischen Lutherkirche der Ev. Ortsgemeinde. Unter dem Motto „Raum für Stille“ stellt die freischaffende Malerin, Zeichnerin und Textilkünstlerin aus Weitmar derzeit textile Objekte aus.

Manche wollen dabei im gesamten Kirchenraum gesucht und gefunden werden. Im Gegensatz zur Ausstellung von Marianne Pitzen, die im Lutherjahr 2017 orangefarbene Matronen aus Pappmaché präsentierte, sind nicht alle Installationen auf den ersten Blick sichtbar oder im Zentralraum präsent.

Speziell für die Lutherkirche angefertigt

„Ich möchte auf Strukturen und bauliche Gegebenheiten aufmerksam machen“, sagt die 65-Jährige über ihre Arbeiten: „Einige davon habe ich speziell für den Kirchenraum angefertigt.“ Zum Beispiel das Objekt „Die zehn Gebote“ im Altarraum. Mit etwa 1,20 x 2,30 Meter Fläche ist die Installation zwar eine der größten. Durch ihre sandbraune Farbe passt sie sich jedoch sehr gut der Umgebung aus hellem Sandstein an. Und fällt zunächst kaum auf.

Beziehungen werden hergestellt

Das Objekt baut zugleich Brücken zwischen den dortigen sakralen Handlungsorten. Ingo Menzler, Pfarrer im Ruhestand und zugleich Kurator der Ausstellung, bringt das in seinen einführenden Worten auf den Punkt: „Durch die Wahl der Orte für die Installationen stellt Anne Ulrich eine Beziehung zu dem her, was zum Beispiel am Altar und am Taufbecken geschieht.“

Ob Predigt oder Taufe: Beide haben die „Heilige Schrift“ mit ihren 26 Büchern zur Grundlage. Weitere Einordnungen durch den Betrachter sind möglich, wenn sie/er sich auch auf die Materialität und die handwerkliche Verarbeitung der Installation einlässt. Das sind unter anderem verschiedene Stoffe sowie Faltenwürfe durch das Vernähen.

Struktur der Bögen

Andere Installationen schaffen neue Raumeindrücke. Mal nehmen sie die Farben des Lichts auf, das durch die Fenster bricht. Dann wieder ist es die formale Struktur der Bögen, die das Gewölbe halten, oder auch der Fenster, die sich in den Objekten widerspiegeln. Die textile Struktur und deren Verarbeitung ändert sich immer wieder mit. Zum Zuge kommen unter anderem Filztechnik sowie gefüllte und abgesteppte Textilstücke.

Warum die Künstlerin textile Objekte wählte, erklärt Menzler auch. „Ihr war bewusst, dass es in der über 105 Jahre alten, bis ins Detail gestalteten neugotischen Lutherkirche nicht möglich ist, grafische Arbeiten und Bilder aufzuhängen.“

Kunstwerke bauen Brücken

Das Team „offene Lutherkirche“ hatte die Idee zur Kunstausstellung „Raum für Stille“, und sprach Anne Ulrich an. Das im Frühjahr 2017 eröffnete Angebot lädt ein, in der Kirche einen Ort der Besinnung und Begegnung zu finden. Der Alltagslärm bleibt vor den Mauern. Die Kunstwerke bauen Brücken. Auch, um zur Ruhe zu kommen.

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