Vortrag

Pfarrer macht sich für blinde Kinder in Jordanien stark

Pfarrer Samir Esaid baute 2003 die Blindenschule in der nordjordanischen Stadt Irbid auf. Heute werden dort 270 Schüler unterrichtet.

Pfarrer Samir Esaid baute 2003 die Blindenschule in der nordjordanischen Stadt Irbid auf. Heute werden dort 270 Schüler unterrichtet.

Foto: Wicho Herrmann

Bochum-Weitmar.  Samir Esaid baut eine Blindenschule in Jordanien auf. In der evangelischen Gemeinde in Bochum-Weitmar hat er von seinen Erfolgen berichtet.

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Über Besuch aus dem fernen Jordanien freute sich die evangelische Gemeinde Weitmar: Pfarrer Samir Esaid war gekommen, um über die Arbeit in seiner arabisch-anglikanischen Blindenschule zu berichten, die in der nordjordanischen Stadt Irbid im Grenzgebiet zu Syrien und Israel liegt.

„Wir wollen an unserer Schule Inklusion, nicht Isolation der Kinder“, sagte er. „Wir wollen ein friedliches Miteinander der Menschen und Religionen anstatt Extremismus.“ Seit dem Jahr 2003 baut der Gemeindepfarrer diese Schule gemeinsam mit der Leiterin Sabah Zurikat auf.

Schule für 270 Kinder und Jugendliche

Und dies mit Erfolg. Aus einem Vorschulkindergarten für sechs blinde und sehbehinderte Kinder, deren Familien der heute 50-jährige Seelsorger damals betreute, entstand bis heute eine Schule für 270 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren. Davon sind 40 Kinder blind oder stark sehbehinderte. Die Trägerschaft für die Blindenschule übernimmt die anglikanische Kirche der zuständigen Diözese Jerusalem.

„Ich wollte, dass die Familien ihre blinden Kinder nicht mehr zu Hause aus Scham verstecken oder zur staatlichen Blindenschule in die 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Amman weggeben“, schilderte der Pfarrer seine Motivation.

Erste gemischte Schulklasse Jordaniens

Die Ergebnisse konnten sich bereits nach kurzer Zeit sehen lassen: Die sehbehinderten Kinder blühten förmlich auf. Sie spielten und sangen mit den anderen. In der Blindenschule lernten sie zudem die Blindenschrift „Braille“, um lesen und schreiben zu können.

Und die Schule wuchs mit jedem Jahr. 2005 eröffnete die erste Schulklasse. 2011 folgte dank deutscher Förderung die weiterführende Schule bis zur 10. Klasse. Pfarrer Samir Esaid: „Da wir Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichten, entstand bei uns die erste gemischte Schulklasse in ganz Jordanien.“

Tolerantes Miteinander wie vor 1400 Jahren

Doch dabei blieb es nicht. Die Schule verschrieb sich dem Zusammenleben der Religionen. „Ein Drittel unserer Schüler sind Christen, zwei Drittel Muslime“, erzählt der Pfarrer. „Wir leben damit das tolerante Miteinander der Religionen wie vor 1400 Jahren vor, als sich die ersten christlichen Gemeinden gründeten.“

Nun stehen der Aufbau einer Werkstatt für handwerklich orientierte Schulabgänger sowie eine zweijährigen Fachschule mit Ausbildungsangeboten zum Berufseinstieg an.

„Erst dann haben unsere blinden und sehbehinderten Schüler Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, so der Seelsorger.

>>> INFOS:

Weiterer Informationen zur Blindenschule gibt es unter www.aeschool.org sowie bei Diakon Gunter Hell unter 039997/ 88 97 99 oder per Mail: GunterHell@t-online.de.

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