Etikette

Knigge-Trainerin lehrt Mädchen das richtige Benehmen

Knigge-Trainerin Sabine Napiralla erklärt den Jugendlichen, wie man einen Tisch für ein Vier-Gänge-Menü eindeckt und mit welchem Besteck man welches Gericht verzehrt.

Knigge-Trainerin Sabine Napiralla erklärt den Jugendlichen, wie man einen Tisch für ein Vier-Gänge-Menü eindeckt und mit welchem Besteck man welches Gericht verzehrt.

Foto: Svenja Hanusch

Steinkuhl.   Im Freizeithaus „JuMa“ an der Markstraße übt Sabine Napieralla mit den Kindern Umgangsformen ein. Zur Belohnung gibt es ein Überraschungs-Menü.

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Dass es in einem schicken Restaurant für das Brot einen speziellen Brotteller gibt, hätten die Mädchen, die im JuMa, dem Kinder- und Jugendfreizeithaus an der Markstraße in Steinkuhl, an einem „Benimm-Kurs“ teilnehmen, nicht gedacht. Der heutige Kurs ist nicht der erste für die Mädchen zwischen 11 und 13 Jahren. Bereits in vergangenen Kursen lernten sie Begrüßungs- und Verhaltensregeln – wann und wofür beispielsweise ein „Danke“ und wann ein „Bitte“ angebracht ist.

Das klingt vielleicht etwas banal – doch selbst die einfachste Höflichkeit ließe heute auf sich warten, so Sabine Napieralla (57), Leiterin des Kurses. Als Knigge-Trainerin arbeitete sie früher hauptsächlich karitativ – zum Beispiel mit Kindern aus Hilfeeinrichtungen. Heute gibt sie auch Studenten und Erwachsenen Sicherheit im gesellschaftlichen Auftreten.

Das richtige Verhalten im Restaurant

Bei dem heutigen Kurs sollen die Mädchen lernen, wie man einen Tisch ordentlich für ein Vier-Gänge-Menü eindeckt und wie man sich verhält, wenn man in einem schicken Restaurant Essen serviert bekommt.

Zur Belohnung besuchen sie, gemeinsam mit Napieralla, beim nächsten Treffen das Restaurant Gut Mausbeck in Gerthe – dort bekommen sie ein Überraschungs-Menü serviert und können ihre beim Kurs gewonnenen Kenntnisse in die Praxis umsetzen. Die Aufregung ist bereits groß. Mia (11) möchte für den Anlass ein Kleid anziehen, Vanessa (13) ihre teuerste Bluse. Auch heute gibt es ein Probeessen, um schon mal für den Besuch im Restaurant zu üben.

Zunächst erklärt Napieralla ihren Teilnehmerinnen, welche verschiedene Sorten von Besteck und Tellern es gibt, wofür man sie verwendet und wie sie eingedeckt werden. Das ist gar nicht so einfach.

Das „Kuchenmesser“ entpuppt sich als Fischmesser

Fischgabel und Fischmesser stoßen zunächst auf Fragezeichen in den Gesichtern der Mädchen: „Benutzt man das, um Kuchen zu servieren?“, fragt Mia (11) mit Blick auf das Messer, das durch sein besonderes Aussehen – es ist etwas kürzer als ein normales Messer und hat eine breitere „Schneidefläche“ – für Verwirrung sorgt. Napieralla erklärt: „Das Fischmesser ist nicht zum Schneiden, sondern zum Abtrennen des Filets.“

Kuchen ist bei den Mädchen offenbar sehr angesagt. Denn auch das Buttermesser möchten sie lieber als Kuchenheber verwenden, bevor die Kurs-Leiterin ihnen dessen wahre Bestimmung offenbart: „Ihr schmiert damit Butter auf das Brot, das noch vor der Vorspeise serviert wird“. Allerdings verteile man die Butter nicht auf eine ganze Scheibe Brot, führt sie weiter aus, sondern bräche dafür mundegerechte Stücke ab – das sei vornehmer.

Die Serviette kommt auf den Schoß

Für die Mädchen ist das eine völlig neue Welt: „Bei uns zuhause haben wir einfach nur eine Sorte Messer, Gabeln und Löffel“, wundert sich Devan (11). Auch wenn die Teilnehmerinnen selbstverständlich noch keinen Wein trinken, lernen sie, wozu es unterschiedliche Weingläser gibt und wie sie einzudecken sind. Die Mädchen sind sich einig, dass sie zu ihrem Menü am liebsten Apfelsaft trinken möchten. „Oder weißen und roten Traubensaft“, schlägt Napieralla vor. Mia (11) freut sich: „Dafür können wir die Weingläser benutzen“.

Sobald alles eingedeckt ist, kommt noch eine Serviette auf den Teller. Napieralla zeigt den Mädchen auch gleich, wie sie diese verwenden. „Einmal längs falten und mit der offenen Seite zu euch auf den Schoß legen – so könnt ihr euch den Mund mit der Innenseite der Serviette säubern und von außen sieht sie sauber aus“.

Zum Schluss, bevor Mitarbeiter des JuMa den Mädchen ihr wohlverdientes Essen servieren, lernen sie, dass es nicht reicht, einfach gerade zu sitzen. „Ich muss auf dem Schoß noch Platz für eine Katze haben, zwischen Rücken und Stuhllehne sollte Platz für eine Maus sein“, erklärt Napieralla. Nach diesem Kurs kann bei dem bevorstehenden Essen im Gut Mausbeck wohl nichts mehr schiefgehen.

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