Lesung

Jugendamtsleiter gibt Einblicke in sein Leben

Dolf Mehring liest aus seinem Buch im Pfarrheim St. Franziskus in Bochum. Mehring ist hauptberuflich Leiter des Bochumer Jugendamtes.

Dolf Mehring liest aus seinem Buch im Pfarrheim St. Franziskus in Bochum. Mehring ist hauptberuflich Leiter des Bochumer Jugendamtes.

Foto: Dietmar Wäsche

Weitmar.  Dolf Mehring schreibt über seine Jugend in Weitmar. Seine mal humorvollen, mal sentimentalen Anekdoten kommen beim Publikum gut an.

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Eine Fangemeinde scheint Dolf Mehring nicht nur mit der Band „Baked Potatoes“ um sich zu versammeln. Nach seiner Lesung im Café Bärendorf mussten auch am Eröffnungsabend der Reihe „Kultur in St. Franziskus: Käse, Wein und ...“ mehrfach weitere Sitzplätze für die ungeahnt zahlreichen Gäste geschaffen werden.

Schlaglichter aus seiner Sammlung „Abseits der Gemengelage“ setzte er trocken, mal humorig, mal sentimental-schwermütig mit Episoden aus seiner Familiengeschichte. Während es vor 25 Jahren noch 14 Tage für die Beantwortung von Anfragen brauchte, per analoger Post, findet er heute 22 E-Mails auf dem Smartphone vor. Im Heute lässt er in Erinnerung das Bild aus Chaplins Schwarz-Weiß-Film „Modern Times“ aufblitzen, nachdenklich im Räderwerk der digitalen Schnelligkeit und Anonymität gefangen.

Im Kramladen von Opa Krimskrams

Die Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg im Haus der Familie im Bochumer Gleisdreieck fügen sich in die nüchterne Aufzählung von Peter Kraft, mit Eddy Gondecki Mitstreiter Mehrings an diesem Abend: 147 Bombenangriffe auf Bochum, 521 000 Brandbomben, sechs Millionen Kubikmeter Schutt, 161 590 Einwohner am Ende des Krieges, dazu der Verweis auf die syrische Stadt Aleppo, zwischen 2012 und 2016 zerstört.

Mehring streut unterhaltsame Anekdoten ein: Opa Krimskrams Kramladen, der auf dem Weg zum Schwimmkurs lag, die „Abflüge“ beim Drachenbasteln, das Ungeschick des pummeligen Jungen im Turnunterricht, ob am Seil oder beim Bocksprung. Auch seine ersten Schritte in der Welt der Musik von der Blockflöte über die Geige bis („in Ermangelung weiterer Talente“) ins Orchester des neuen Weitmarer Organisten Hans Keller garniert er trocken. Vor dem „musikalischen Nirwana“ fand die Seele des „Teufelsgeigers“ ohne Hang zu Noten Rettung durch die Gitarre.

Altbekanntes aus dem Viertel

Gemeinsamkeiten mit der Zuhörerschaft verriet das häufige Kichern im Saal, als Mehring die Aufbruchszeit des elfjährigen Jungen aufblätterte. Der „Star Club“ im ehemaligen Weitmarer Kino, die „Nietenhosen“ im damaligen „U.S. Verkauf“ in Bochum mit der netten unbekannten Verkäuferin, das traf auf „ach, ja...“. Vielen nicht unbekannt schien auch die Auseinandersetzung mit Mutter Marianne, ob nun Cordhose oder doch Levi’s erstanden werden dürften.

Einen Nerv traf Mehring mit der Schilderung seiner Erfahrungen mit und durch Kaplan „Cäsar“, der die Gemeinde im Dorf um die Pfarrkirche mit Elan und Witz umkrempelte, für den damaligen Messdiener und miserablen TKS-Schüler einen regelrechten revolutionären Hauch von Pulverdampf mitbrachte. Herzlicher, lang anhaltender Applaus setzte den Schlusspunkt eines gelungenen Abends.

>>> INFO: Mehrings politische und berufliche Laufbahn


Als „Weitmarer Junge“ versteht sich Dolf Mehring, auch wenn die Wurzeln der Familie im heutigen Marsberg im Sauerland liegen.

Von 1989 bis 1994 saß er für die Grünen in der Bezirksvertretung Südwest, war anschließend zwei Jahre Ratsmitglied und zog dann nach Dortmund.

Später wurde er Leiter des Jugendamtes Bochum. Mit seiner Band „Baked Potatoes“ ist er von Benefizkonzerten im Rahmen von Gemeindefesten bekannt.

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