Stadtgeschichte

Bochum: Kirche hält die Erinnerung an Heimkehrer lebendig

Die Grundsteinlegung für die Heimkehrer-Dankeskirche 1958 mit Pfarrer August Halbe (M.) nahmen ehemalige Kriegsgefangene in ihrer Lagerkleidung vor.

Die Grundsteinlegung für die Heimkehrer-Dankeskirche 1958 mit Pfarrer August Halbe (M.) nahmen ehemalige Kriegsgefangene in ihrer Lagerkleidung vor.

Foto: Archiv / WAZ

Bochum-Weitmar/Mark.  Zum 60. Weihetag besucht Erzbischof Jean-Claude Périsset Weitmar-Mark. Ruhrbischof Franz Hengsbach hatte die Dankeskirche 1958 geweiht.

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Einen besonderen Gast erwartet die Großpfarrei St. Franziskus am dritten Adventssonntag, 15. Dezember, zum 60. Weihetags der Filialkirche Heilige Familie, der Heimkehrer-Dankes-Kirche: Den ehemaligen Apostolischen Nuntius in Deutschland und Vertreter des Papstes, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset.

Als Pensionär lebt der Erzbischof heute wieder in seiner Geburtstagsstadt Estavayer-le-Lac in der Schweiz. Während seiner Amtszeit als Nuntius hat Erzbischof Périsset die deutschlandweit einzigartige Heimkehrer-Dankes-Kirche bereits im Juni 2012 besucht. Der Kontakt ist nicht abgerissen. Zum 60. Weihejubiläum hatte der Erzbischof im vergangenen Jahr sofort sein Kommen in Aussicht gestellt, als die Gemeinde ihn eingeladen hatte.

Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset wird nun also am Sonntag Gaudete („Freut Euch!“) einem Pontifikalamt in der Kirche Heilige Familie vorstehen. Den Gottesdienst wird er gemeinsam mit weiteren Priestern feiern.

Impuls von Pfarrer August Halbe

„Zwölf Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten waren in Kriegsgefangenschaft“, erinnert Christian Herker, Mitglied des Gemeinderates in St. Franziskus. „Sie haben über die ganze Welt verstreut in über 9000 Lagern gelebt, manche von ihnen länger als zehn Jahre. Viele von ihnen arbeiteten unter den härtesten Bedingungen. Diejenigen, die das überlebt haben und zurückkehren konnten, haben davon sehr ergreifend erzählt.“ Diese persönlichen Erinnerungen führten unter anderem später zum Bau des besonderen Gotteshauses.

Mit der Heimkehrer-Dankeskirche ist auch der Name des Priesters August Halbe eng verbunden, der von August 1944 bis Dezember 1949 in russischer Kriegsgefangenschaft war. Er gab den Impuls für den Bau und trieb ihn ab dem Herbst 1955 auch voran.

Bittbriefe, Bausteine und Bücherverkauf

Im Dezember 1955 wurde der Plan der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Bittbriefen, dem Verkauf von Bausteinen, Vorsprache bei Firmen und Hausbesuche wurde versucht, die Mittel aufzubringen. Dazu kamen die Spenden der Heimkehrer und der Erlös aus der Broschüre „Fünf Jahre kriegsgefangener Priester im Ural“ von Pfarrer August Halbe.

Spatenstich machten Heimkehrer in Lagerkleidung

„Wir können heute sagen: Dieses steinerne Dankgebet der Heimkehrer wurde aus vielen unterschiedlichen Steinen gebaut. Es waren katholische und evangelische Steine und Steine von Menschen, die sich keiner Konfession zugehörig fühlten. Sie waren sich aber darin einig, eine Kirche zu bauen als Zeichen des Dankes für Rettung aus Not und Gefahr, als Mahnmal für Frieden und Versöhnung der Völkern und zum Gedenken an die Menschen, die nicht heimkehren konnten“, schließt Herker.

Den ersten Spatenstich zum Bau der Kirche vollzogen im März 1958 nach einem Bittgottesdienst am nahe gelegenen Marienwallfahrtsort in Stiepel ehemalige russische Kriegsgefangene in ihrer Lagerkleidung. Die Grundsteinlegung übernahm am Christkönigsfest 1958 der Dechant des Dekanates Bochum-Süd, Ludwig Kräling. Geweiht wurde die Kirche am 12. Dezember 1959 vom ersten Bischof von Essen, Franz Hengsbach.

Radio Vatikan berichtete in zwölf Sprachen über die Weihe. Mit der Heimkehrer-Dankeskirche sollte eine Stätte geschaffen werden, die Ausdruck der Dankbarkeit über die glückliche Heimkehr ist.

Darüber hinaus sollten nachfolgende Generationen erinnert werden: Freiheit und Menschenwürde sind nicht selbstverständlich, sie müssen stets neu erworben und behütet werden, war der Tenor der Berichte, die heute die Archive füllen.

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