Kirche

Beim Bau einer Kirchenorgel sind echte Tüftler gefragt

Antreten zum Orgelbau: KirchenmusikerinUte Wiegard steckt mit den Schülern die Holzpfeifen ein.

Antreten zum Orgelbau: KirchenmusikerinUte Wiegard steckt mit den Schülern die Holzpfeifen ein.

Foto: Wicho Herrmann

Weitmar.  Evangelische Gemeinde Weitmar bietet „Orgelkiste“ zum Selberbauen an. Kinder stecken das Instrument mit Kirchenmusikerin Ute Wiegard ineinander.

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Wie funktioniert eigentlich eine Orgel? „Am leichtesten lernt man das, wenn man eine zusammenbaut“, erklärt Kirchenmusikerin Ute Wiegard von der evangelischen Gemeinde Weitmar. Gemeinsam mit Pfarrerin Ursula Borchert organisierte sie eine „Orgelkiste“.

Zwei Klassen der Matthias-Claudius-Grundschule bauen sie in der Matthäuskirche zusammen – unterstützt werden sie dabei von der Organistin. Und sie bringen diese mit ihren gerade mal 47 Pfeifen richtig schön zum Klingen.

Wer von den Kindern Lust hat, kann zeitgleich die Raupach-Orgel auf der Empore entdecken. Mit 20 Registern und über 1500 Pfeifen präsentiert diese „Königin der Instrumente“ aus dem Jahr 1956 ihre ganze bautechnische Vielfalt.

Angebot der Gemeinde kommt gut an

Die Schüler und ihre Lehrer sind begeistert vom Angebot der Gemeinde, das sich damit nicht mehr nur auf das Besuchen traditioneller Schulgottesdienste beschränkt. „Im Unterricht behandeln wir öfter das Thema Orgel“, erklärt Musiklehrerin Karen Hesse. Doch das sei naturgemäß öfter ein wenig ernüchternd: „Aufgrund der Größe des Instruments blieb es in der Vergangenheit immer nur beim Anschauen von außen und beim Bearbeiten von Arbeitsblättern“, so die gelernte C-Musikerin weiter.

Ihre Arbeitsblätter füllten die Schüler auch diesmal sorgsam aus, allerdings erst, nachdem sie einzelne der Elemente selbst zusammengesteckt hatten.

Für die 19 Schüler der Klasse ist das Bauprojekt ebenfalls eine tolle Sache. „Das machte viel Spaß, vor allem, als die kleine Orgel dann tatsächlich spielte“, sagen Johannes, Kathie und Ronja (9 Jahre) und strahlen. „Ich fand es am besten, wie wir die Mini-Orgel aufgebaut haben“, betont Johannes. „Ich habe zuerst die Tasten sortiert und später dabei geholfen, die Pfeifen einzubauen“, erzählt er.

Ein ganz besonderes Erlebnis

Für Ronja und Kathie ist es zudem ein ganz besonderes Erlebnis, gemeinsam mit Ute Wiegard die große Raupach-Orgel aus der Nähe zu erkunden. „Die Orgel ist richtig groß, und ich habe dort nochmals gesehen, wie das Spiel funktioniert“, erklärt Ronja. Kathie sagt staunend: „In der Orgel sind richtig viele kleine und große Pfeifen aus Holz und Metall. Das habe ich nicht erwartet.“

Alle Kinder bauen zuvor mit Borchert und Wiegard Stück für Stück ihre Orgelkiste auf. Zuerst kommt der Orgelrahmen an die Reihe. Die beiden Blasebalge und die Windlade nebst Anschluss mit einem Rohr folgen. Den Pfeifenstockeinbau und die Holzelemente der Tastatur (genannt: Manuale) einhängen, die 47 Pfeifen einstecken: Das sind die nächsten Arbeitsschritte für die fleißigen Schüler. Und fertig ist das schöne Instrument.

Natürlich muss es nach dem Zusammenbau auch direkt ausprobiert werden. Wiegard eröffnet die Instrumentenprobe mit dem Stück „Bruder Jakob“. Es folgen einzelne Töne bis hin zum bekannten „Flohwalzer“.

Kinder sorgen für den „Wind“

Da zeigt sich, dass einige Schüler im Umgang mit Tasteninstrumenten schon gut vertraut sind. „Wir haben zu Hause ein Klavier. Da spiele ich schon mal drauf“, erklärt der achtjährige Junge, der den Flohwalzer spielt. Leider fehlen ihm ein paar weitere Tasten, um das Stück vollständig vorzutragen.

Damit die Kinder überhaupt spielen können, sorgt eine zweite Gruppe von Schülern für den notwendigen „Wind“ – mit Hilfe der Blasebalge.

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