Flächenbebauung

Studie zeigt: 37,9 Prozent der Bochumer Fläche versiegelt

Anwohner Karl-Heinz Kerger auf der Brachfläche zwischen der neuen Vonovia-Zentrale (Hintergrund) und der alten. Foto:Stephan Lucka

Anwohner Karl-Heinz Kerger auf der Brachfläche zwischen der neuen Vonovia-Zentrale (Hintergrund) und der alten. Foto:Stephan Lucka

Bochum.   37,9 Prozent der Flächen von Bochum sind versiegelt. Das ergab eine Studie. Bochum steht im Städtevergleich schlecht da.

Platz neun von insgesamt 50: Das klingt dem Anschein nach gar nicht so schlecht, ist es aber. Auf diesem Platz steht Bochum, was den Grad der Flächenversiegelung betrifft. 37,9 Prozent des Stadtgebietes sind bebaut, betoniert oder asphaltiert.

Das ergab eine Untersuchung der VdS Schadenverhütung GmbH unter den 50 einwohnerstärksten Kommunen in Deutschland. Beauftragt hatte die Studie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Im Ruhrgebiet sind nur Gelsenkirchen (39,4 Prozent) und Oberhausen (44,2) noch mehr versiegelt. Am meisten zubetoniert ist München (46,6), am wenigsten Potsdam (12,7).

Weil in Folge des Klimawandels immer öfter Starkregen drohen, spielt die Dichte der Bebauung eine immer wichtigere Rolle. „Je mehr Flächen bebaut sind, desto weniger Wasser kann im Boden versickern und desto mehr fließt oberflächlich ab“, sagt VdS-Studienleiter Artur Kubik. Die Kanalnetze werden mitunter völlig überfordert, wenn es so richtig schüttet. Zuletzt war dies am 7. Juni in Hiltrop zu erleben, als sich die Kreuzung Frauenlobstraße/Dietrich-Benking-Straße in einen rund halben Meter tiefen See verwandelt hatte. Überflutungen, etwa in Kellern, sind meist mit hohen Schäden verbunden. „Dieses Risiko besteht in allen dicht bebauten Gebieten“, betont Kubik.

Klimawandel und Versiegelung ein Problem

Beim Tiefbauamt ist Marko Siekmann für Entwässerung zuständig. Dem Versiegelungsproblem ist er sich voll bewusst: „Die zunehmende Befestigung ist genauso wie der Klimawandel verantwortlich für eine mögliche Zunahme von Überflutungsereignissen. Um diesen Megatrends zu begegnen, initiiert die Stadt verschiedenste Maßnahmen zum Überflutungsmanagement“, sagt er der WAZ. Als Beispiele nennt er die Alte Werner Straße, wo eine tiefe Kastenrinne Regenmassen in den Kirchharpener Bach ableitet.

Zurzeit kämpfen viele Bürger in Initiativen für den Erhalt von Freiflächen. Einer ist der Ex-Opelaner Karl-Heinz Kerger. Er wünscht sich, dass die etwa einen Hektar Brachfläche zwischen der neuen Vonovia-Zentrale und der alten unbebaut bleibt; sie könnte als Erholungsfläche für die Mitarbeiter gestaltet werden. Das hat er auch bereits an Umweltbehörden geschrieben. „Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, dass gebaut wird“, sagt er „Aber man sollte die Notwendigkeit gut abwägen, gerade zwischen diesen Zentralen, und den Naturschutz nicht außer Acht lassen. Das braucht Fingerspitzengefühl.“ Noch ist unbekannt, was mit dem Areal passiert.

>>>Bürger haben sich zusammengeschlossen

Zu den Freiflächen, auf denen künftig Wohngebäude errichtet werden könnten, gehört zum Beispiel das Feld zwischen Schulte-Hiltrop-Straße und der Straße An der Hiltroper Kirche. Dagegen protestieren Anwohner, die „IG Schulte-Hiltrop-Straße“.

Im September hatte der Rat beschlossen, dass auch diese Freifläche zum „Wohnbauflächenprogramm“ gehören wird. Jedes Jahr sollen 800 Wohneinheiten errichtet werden.

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