Urbanatix

Straßenkunst in der Jahrhunderthalle

Foto: Eggert

Zu Pfingsten steigen sechs Shows mit internationalen Artisten in der eindrucksvollen Stahlarchitektur-Konstruktion.

Von der Straße in den Zirkus. Das ist, grob gesagt, der Weg, den 45 junge Männer gegangen sein werden, wenn vom 21. bis 23. Mai, die Urbanatix-Show in der Jahrhunderthalle steigt.

Sie sind bei einem Casting auserwählt worden, die große Show zusammen mit zehn Weltklasseartisten zu bestreiten. Zuvor trainieren sie ab sofort allabendlich in der profanierten Marienkirche neben dem Bermudadreieck.

Das Konzept habe alle Kriterien der Kulturhauptstadt erfüllt, die Show sei eines der zentralen Projekte für Bochum, erklärte Kulturdezernent Michael Townsend. Deshalb habe die Stadt Urbanatix, das von Christian Eggert von der Agentur Dacapo initiert wurde, mit 70000 Euro unterstützt. Die Gesamtkosten bezifferte Eggert auf „irgendwo zwischen 300000 und 400000 Euro”. Künstlerisch sieht Townsend das Projekt auf hohem Niveau und hofft, dass zusätzlich „Erlebnisqualität der Jahrhunderthalle zum Mittel der Inszinierung” werde. Er nennt vorsichtig den berühmten Cirque de Soleil als Vergleich.

Tatsächlich sind unter den geladenen Künstlern mit der Kanadierin Vale´rie Inertie und der deutschen Ausnahme-Luftakrobatin Anke van Engelshoven Artisten, die beim Cirque de Soleil aktiv waren und sind. Derartige Hochkaräter treffen im Mai auf hiesige „Streetartisten”. Deren Bewegungskunst entstammt aus (Jugend)Szenen des urbanen Raums. Ob mit Skateboard, BMX-Rad oder zu Fuß haben sich die jungen, ausnahmslos Männer Skills angeeignet, die durchaus geeignet sind, auf der Bühne vorgeführt zu werden. Bei „zweien oder dreien” von ihnen sieht Eggert die Chance, dass sich damit ein Lebensunterhalt verdienen ließe.

Sie führen Street Art vor, die noch vor wenigen Jahren nur in den jeweiligen Szenen bekannt war. Darunter ist etwa „Breakdance” ein vergleichsweise alter Hut, inzwischen differenzieren sich Stile wie „Parkour” oder „Freerunning” aus. Deren Akteure nutzen die Strukturen und Gegebenheiten des öffentlichen Raumes wie Podeste und Mauervorsprünge, um rund um diese waghalsigen Bewegungen und Kunststückchen zu vollziehen.

Vielleicht findet sich unter diesen jungen Wilden von der Straße ja auch jemand wie der eingeladene Eike von Stuckenbrok, der als Popstar der jungen modernen Artistenszene gilt. Er verbindet waghalsige Sprünge und ungeheure Körperbeherschung mit anmutigen Posen. Oder auch Originale wie jenes japanische Tanzduo, das sich nach Bohrmaschinen im Proberaum „Hilty & Bosch” nennt und deren rasanter Tanzstil „Locking” im Netz millionenfach aufgerufen wird. Bald live in Bochum.

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