Landschaft

Straßen-NRW kompensiert Straßenbau mit neuen Naturflächen

Idyllisch: Die Ausgleichsfläche in Bochum-Laer an dem Weg „Am Palmberg“ mit dem Offenstall. Schwarzkopfschafe grasen dort.

Idyllisch: Die Ausgleichsfläche in Bochum-Laer an dem Weg „Am Palmberg“ mit dem Offenstall. Schwarzkopfschafe grasen dort.

Foto: Bernd Kiesewetter

Bochum.  „Straßenbau ist ohne einen Eingriff in die Natur kaum möglich“, sagt Straßen-NRW. Dafür werden aber „Ausgleichsflächen“ angelegt. Auch in Bochum.

Dieses Fleckchen Erde ist ein Stück Idylle, besonders wenn der Morgenhimmel so schöne Farben hergibt wie vor ein paar Tagen. Auf einer Wiese mit neu angelegten Obstbäumen in Bochum-Laer weiden Schwarzkopfschafe. Wenn es regnet, finden sie Unterschlupf ist einem neuen sieben Meter hohen Offenstall, an dem vielen Nistkästen hängen. Auch eine Eule soll dort schon gesehen worden sein.

Das kleine Idyll ist eine von mehreren „Ausgleichsflächen“ von Straßen-NRW. Der Landesbetrieb hat im vorigen Jahr 1,5 Millionen Euro in die Pflege und Unterhaltung solcher Flächen investiert. Sie sollen den Naturraum, der durch den Bau von Straßen und Brücken versiegelt worden ist, einigermaßen kompensieren.

Bochum hat eine starke Versiegelung

„Straßenbau ist ohne einen Eingriff in die Natur kaum möglich“, sagt eine Sprecherin von Straßen-NRW. Bochum ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark ein Stadtgebiet versiegelt werden kann. Nur wenige Städte sind so vollgebaut. Einen Teil der natürlichen Fläche, die der gnadenlose Straßenbau verschluckt, wird den Bürgern aber wieder zurückgegeben; so schreibt es das Gesetz vor. So geschah es vor wenigen Jahren mit jener Wiese in Laer, die im Besitz der öffentlichen Hand ist.

Die Wiese befindet sich zwischen dem asphaltierten Weg „Am Palmberg“, unmittelbar am südlichen Rand der neuen A 448 und nur rund 500 Meter von der A 43 entfernt, und dem kleinen, aber sehr beliebten Naherholungsgebiet zwischen Schattbach und Ölbach. Ursprünglich lag die Fläche brach, doch weil der Bau der A 448, auch „Querspange“ genannt, reichlich Naturfläche vernichtet hat, wird sie jetzt „extensiv“ genutzt, heißt: Sie ist in ein artenreiches Grünland verwandelt worden. Täglich viele hundert Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, die dort entlang kommen, können sich daran erfreuen.

Fläche von 8000 Fußballfeldern wurde naturnah gestaltet

Straßen-NRW hat in der Vergangenheit landesweit in 6927 Einzelmaßnahmen eine Fläche von mehr als 8000 Fußballfelder als Ausgleichsflächen hergerichtet – 6048 Hektar. Unter Umständen könnten sie zwei bis drei Mal so groß sein, wie die durch den Straßenbau versiegelte Fläche selbst, heißt es. Auf diese Weise entstanden neue Waldflächen, Streuobstwiesen, Hecken, Feldgehölze und immer mehr auch so genanntes Extensivgrünland wie Am Palmberg in Bochum.

Klaus Altmiks vom Bereich Landschaftsbau bei Straßen-NRW: „Das Extensivgrünland wurde dabei in den vergangenen Jahren bewusst angeschoben, weil es eine Win-Win-Situation für viele Beteiligte bietet – für schützenswerte Pflanzen und Tiere ebenso wie für Landwirte, die die Flächen nachhaltig mit geringem Viehbesatz und ohne Düngung nutzen können.“

Außer der Wiese „Am Palmberg“ gibt es weitere Ausgleichsflächen in Bochum. Zum Beispiel am Kabeisemannsweg in Hamme. Um den sechsspurigen Ausbau der A 40 zu kompensieren, wurde eine städtische Fläche von fünf Hektar mit mehreren Baumsorten bepflanzt: Eichen, Buchen, Linden, Ulmen, Esskastanien. „Das hat sich sehr schön entwickelt“, sagt Bernd Rehfäuter von Straßen-NRW in Bochum. Es sei eine wertvolle Fläche für den Naturhaushalt.

Auch für den A 43-Ausbau wird es Kompensationsflächen geben

Ein weiteres Beispiel in Bochum ist eine vier Hektar große Fläche am Leither Bach in Wattenscheid, unweit der Steeler Straße. Auch diese Fläche wurde von Straßen-NRW aus Ausgleich für den sechsspurigen Ausbau der A 40 vor einigen Jahren aufgeforstet.

Auch wegen des künftigen Ausbaus der A 43 in Bochum werden Kompensationsflächen angelegt werden, sagt Straßen-NRW. Welche, ist aber noch nicht klar.

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