Stadtteil-Check

Stiepel: Tief im Süden scheint die Welt noch in Ordnung

Karl-Heinz Witthüser (links) und Klaus Thormählen kennen sich im Stiepeler Leben bestens aus.

Karl-Heinz Witthüser (links) und Klaus Thormählen kennen sich im Stiepeler Leben bestens aus.

Foto: Dietmar Wäsche

Stiepel.   Im Stadtteil-Check liegt Stiepel weit vorn. Dreimal gibt es Top-Noten. Nur bei einem Thema schneidet das Viertel nicht gut ab: beim Nahverkehr.

Tief im Süden scheint die Welt noch in Ordnung: Im Stadtteil-Check unserer Zeitung nimmt Stiepel eine Spitzenposition ein. Die Stiepeler selber verleihen ihrem Viertel die Note 1,71: Verglichen mit den anderen 29 Stadtteilen thront Stiepel damit auf Platz eins. Nimmt man die Bewertungen aller 13 Kategorien, nach denen wir unsere Leser gefragt haben, zusammen, liegt Stiepel mit der Note 2,50 ebenfalls weit im vorderen Drittel.

Gleich dreimal bekommt Stiepel die Bestnote: beim Freizeitangebot, bei der Sauberkeit und im Gesamturteil. Für alteingesessene Stiepeler ist dies zwar schmeichelhaft, aber letztlich wenig überraschend: „Wir wohnen hier schon in exponierter Lage“, weiß Karl-Heinz Witthüser, erster Vorsitzender des BSV 1854 und im ganzen Stadtteil bestens bekannt. „Man muss nur ein paar Meter laufen und steht sofort mitten im Grünen. Ob an der Ruhr, am See oder im Mailand: Die Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten sind in Stiepel riesengroß.“

Viele Vereine arbeiten in Stiepel zusammen

Das sehen auch unsere Leser so und geben dem Stadtteil beim Thema „Freizeit“ die Note 1,97: Auch hier stellt Stiepel den Bochumer Spitzenreiter. Dies liege aber nicht unbedingt nur an der traumschönen Lage, sondern auch am regen Vereinsleben, betont Witthüser. „Wir haben drei Reitervereine, es gibt Tennis, Fußball, Golf und die DLRG, dazu den Heimat- und den Schützenverein. Und alle Vereine arbeiten richtig gut zusammen.“ Dies zeige sich etwa beim jährlichen Maibaumporten (wieder am 3. und 4. Mai) und beim Weihnachtsmarkt an der Stiepeler Dorfkirche.

Passable Einkaufsmöglichkeiten

Auf der Kemnader Straße hat sich ein wohlgewachsenes kleines Zentrum entwickelt, das die Stiepeler zu schätzen wissen. „Hier bekommt man fast alles“, sagt Klaus Thormählen, der einst Bezirksvorsteher war und die Entwicklung im Stadtteil schon lange begleitet. „Das ist umso erstaunlicher, weil: Vor 50 Jahren war hier nix.“ Besonders lobt er das Gesundheitszentrum, das hier in den letzten Jahren entstanden ist und dem Stadtteil auch in puncto „Medizinische Versorgung“ eine gute Note beschert.

Die Einkaufsmöglichkeiten seien in Stiepel passabel, meint Thormählen. „Seit es nur noch einen Supermarkt gibt, ist dieser nahezu konkurrenzlos.“ Dass es hier weder Metzger noch Drogerie gibt, sieht Thormählen als Problem. „Für manche Dinge fahre ich dann schon nach Weitmar oder nach Herbede.“

Dörflicher Charme geht langsam verloren

Drei Bäcker gibt es vor Ort. von denen keiner mehr ein originär einheimischer Bäcker sei. „In Stiepel wird kein Brot mehr gebacken und kein Schwein mehr geschlachtet“, sagt Witthüser. „Das wäre in früheren Zeiten unvorstellbar gewesen.“

Überhaupt habe Stiepel in den letzten Jahren eine Menge seines dörflichen Charmes verloren. Dies macht Witthüser nicht nur an den vielen „Lego-Häusern“ fest, die jetzt an gefühlt jeder dritten Straßenecke aus dem Boden sprießen, sondern auch am Kneipensterben: „In den 50er Jahren gab es hier über 40 Kneipen“, erzählt er. „Man hätte es nicht geschafft, in jeder Kneipe ein Glas Bier zu trinken, ohne am Ende völlig hinüber zu sein.“

Einen Parkplatz zu finden, ist in Stiepel eher selten ein Problem. Das sehen auch unsere Leser so (Note: 2,85). Der große Vorteil: Anders als in vielen Stadtteilen ist das Parken hier kostenlos. „Und der Kundenparkplatz bei ,Rewe’ wird viel genutzt. Ohne den wäre es hier ganz bitter“, so Thormählen.

Kritik am Nahverkehr

Apropos bitter. Wenn es um den Nahverkehr geht, bekommt Stiepel von den Lesern überhaupt keine gute Note und landet stadtweit auf dem vorletzten Platz. Ist Stiepel also tatsächlich so schlecht an Bus und Bahn angebunden? „Das sehe ich anders“, meint Witthüser. „Mit dem CE 31 sowie 356 und 370 sind wir an drei Linien angebunden.“ Der SB 37 hält die Verbindung Richtung Ennepetal – dies aus Stiepeler Sicht allerdings etwas ungünstig, weil er nur die Kosterstraße hinunter fährt. „Wenn der Bus auch am Kreisverkehr an der Haarstraße halten würden, dann wäre das perfekt.“

„Alte Stiepeler halten zusammen“

Als weiterer Pluspunkt im Stiepeler Leben werten die Ur-Stiepeler das Gemeinschaftsgefühl (Note 2,70): „Alte Stiepeler halten zusammen“, steht für Volker Füßgen fest, der seit Jahrzehnten im Stadtteil lebt. Hier werde allerdings relativ genau unterschieden: zwischen denen, die in Stiepel geboren wurden und denen, die erst später hinzu zogen. Auch Volker Füßgen gibt seinem Sprengel nur die Bestnoten: „Der Stadtteil hat sich im Laufe der letzten Jahre gut gemacht“, sagt er. „Ich leben sehr gerne und möchte gar nicht woanders wohnen.“

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An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Zu allen Analysen.

Stiepel wurde von 190 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten von Stiepel.


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