Stadtteil-Check

Günnigfeld: Lob für Einzelhandel, aber auch schlechte Noten

Stephan Grzesiak schätzt die gute Verkehrsanbindung Günnigfelds, sei es als über die Erzbahntrasse (Foto), die beiden Buslinien 390 und 383 oder auch die Umgehungsstraße Richtung Bochum und Gelsenkirchen.

Stephan Grzesiak schätzt die gute Verkehrsanbindung Günnigfelds, sei es als über die Erzbahntrasse (Foto), die beiden Buslinien 390 und 383 oder auch die Umgehungsstraße Richtung Bochum und Gelsenkirchen.

Foto: Gero Helm

Günnigfeld.  Beim Stadtteil-Check erhielt Günnigfeld unterdurchschnittliche Noten. Wie ein Einwohner, ein Pfarrer und ein Polizist ihr „Dorf“ bewerten.

Günnigfeld ist ein Dorf. „Und zwar ein lebens- und liebenswertes“, sagt Christian Meier (50), seit zehn Jahren Pfarrer der ev. Kirchengemeinde. „Günnigfeld verfügt über gute Verkehrsanbindungen, sowohl per Buslinie, als auch durch die Umgehungsstraße. Und die Erzbahntrasse sorgt zudem für einen hohen Freizeitwert für Radfahrer und Fußgänger“, meint der Günnigfelder Stephan Grzesiak (50).

„Die Sicherheit in Günnigfeld ist gut. Die Zahl der Einbrüche ist deutlich zurückgegangen“, sieht Frank Langkau (61) die Situation. Er war 19 Jahre lang Bezirkspolizist in Günnigfeld, ist am 1. März in den Ruhestand gegangen. „Hier passen die Nachbarn gut auf und sprechen miteinander. Das trägt enorm zur Sicherheit bei.“ Günnigfeld zählt rund 5700 Einwohner.

Bewohner betont hohen Freizeitwert

Stephan Grzesiak lebt seit 30 Jahren im Dorf, hat in eine Ur-Günnigfelder Familie eingeheiratet und wohnt im Drei-Generationen-Haus. Er leitet die Sparkassen-Geschäftsstelle im Ortsteil. Er schätzt den Freizeitwert. „Der VfB bietet nicht nur Fußball, sondern auch Breitensport. Es gibt Kleingartenanlagen, einen Park, den Krupp-Wald und das Biotop Blumenkamp.“

Die Einkaufsmöglichkeiten seien gut. Drei Supermärkte, Friseure, Zeitungs- und Tabakladen mit Postannahmestelle, „alles ist da, und samstags sogar ein kleiner Wochenmarkt auf dem Marktplatz vor der Kirche“, so Grzesiak.

Schlecht allerdings sei das gastronomische Angebot. „Hier gab es früher viele Kneipen und auch ein paar Restaurants, sogar ein Kino. Heute haben wir eine Eisdiele, zwei Pommesbuden, einen italienischen Imbiss, zwei gute Cafés und die Vereins-Gastronomien.“ Dem gastronomischen Angebot gibt Grzesiak die Note ausreichend minus.

„Viel Luft nach oben“ bei der Grünpflege

Gut sei indes die ärztliche Versorgung: Drei Haus- und zwei Zahnärzte sind vor Ort. „Viel Luft nach oben“ gebe es in Sachen Stadtverwaltung, speziell der Grünpflege. Grzesiak: „Viele Straßen und Bürgersteige sind marode und die Grünpflege, gerade an den Baumstümpfen auf den Gehwegen, lässt sehr zu wünschen übrig.“ Hier gibt er als Note höchstens ein ausreichend. Die Sicherheit im Dorf bewertet er mit einem befriedigend. „Die Polizei-Präsenz ist gefühlt höher geworden.“ Wünschenswert sei, wenn abends noch mehr Streifen unterwegs wären.

Pfarrer schätzt das Gemeinschaftsgefühl

In Sachen Sicherheit hat Pfarrer Christian Meier ein „gutes Gefühl“. „In diesem Dorf achtet man aufeinander. Das macht den Charakter von Günnigfeld aus.“ Er lobt vor allem das Gemeinschaftsgefühl. Etwa beim regelmäßigen Familientisch im Wichernhaus, den die ev. und kath. Gemeinde gemeinsam stemmen. „Viele Menschen nutzen den Mittagstisch und viele Helfer machen mit.“ Gerade auch die Senioren kämen gerne, schon weil sie sich im Wichernhaus treffen können.

Überhaupt entwickele sich das Gemeindehaus zunehmend zum Treffpunkt. Ob Rock-Konzerte, Kinder-Musical-Aufführungen, Public Viewing bei den Fußball-Welt- und Europameisterschaften oder Mittelalterfest. Meier: „Wenn Veranstaltungen anstehen, sind die Vereine oder auch die Günnigfelder Feuerwehr sofort mit dabei. Es ist ein guter Zusammenhalt.“ Und: „Wir verstehen uns schon als Stadtteilzentrum.“ Er bewertet das Gemeinschaftsgefühl mit einem „gut“.

Parkplatzsituation im Dorf ist unterschiedlich

In Sachen Stadt und Verwaltung bedauert Meier, „dass Günnigfeld nicht in das Projektgebiet ,Soziale Stadt’ gehört. Hier wären Gelder gut angelegt, etwa bei der Fassadenrenovierung.“ Die Sauberkeit im Dorf „ist genau so gut oder schlecht wie woanders. Auch hier gibt es gelegentlich wilde Müllkippen.“

Meier ist mit dem Nahverkehr zufrieden, aber „eine direkte Buslinie zum Bahnhof wäre gut“. Die Parkplatzsituation sei in Günnigfeld unterschiedlich. „Auf dem Markt gibt es immer Plätze. Aber in manchen Wohnstraßen kann es auch schon mal eng sein.“ Das gastronomische Angebote ringt ihm höchstens ein „ausreichend“ ab.

Der Polizist lobt die Nachbarschaft

Frank Langkau, Bezirkspolizist im Ruhestand, kennt Günnigfeld wie seine Westentasche. Unterwegs auf den Straßen, gibt es kaum einen Bürger, den er nicht begrüßt. Der Karnevalsverein K.G. Blau-Weiss hat ihn zum Vorsitzenden gekürt. Sein Thema: die Sicherheit. „Der Dorfcharakter ist stark ausgeprägt. Die Leute reden miteinander, sprechen darüber, wenn ihnen eine Person nicht ganz geheuer ist.“

Natürlich hätten viele Bürger ihre Wohnungen und Häuser abgesichert, doch „geht nichts über eine aufmerksame Nachbarschaft.“ Seines Wissens nach sei lange kein Einbruch mehr passiert. Langkau lobt die Einkaufsmöglichkeiten mit der Note „gut“. „Hier gibt es den letzten richtigen Schuster in ganz Wattenscheid.“ Dem Nahverkehr gibt er die Note „befriedigend plus“. „Alle 20 Minuten fahren die Busse, auf zwei Linien von vier oder fünf Haltestellen aus.“

Wenig Angebote für ältere Jugendliche

Die Kinderfreundlichkeit und die Angebote, sei es durch die Kitas, die Vereine, den Kinder- und Jugendclub Wichernhaus und VfB, bewertet er mit der Note „gut“. „Für die ältere Jugend, die abends etwas unternehmen will, gibt es so gut wie keine Angebote, bis auf den Sportverein.“ Die Sauberkeit in Günnigfeld sei mit einem „befriedigend“ zu bewerten. Entlang der Günnigfelder Straße sind Edelstahl-Mülleimer angebracht. Langkau: „Die Wattenscheider Bezirksverwaltungsstelle hatte die Mülleimer übrig und hat sehr unbürokratisch gehandelt.“

>> WIR VERTIEFEN DIE AUSWERTUNG DER LESERBEFRAGUNG

  • Die Bochumer Stadtteil-Redaktion vertieft fortan die Einzel-Ergebnisse unseres Stadtteil-Checks.
  • An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Zu allen Analysen.
  • Günnigfeld wurde von 104 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten für Günnigfeld.
  • Wir greifen Aspekte aus der Beurteilung auf und fragen Sie: Wie liebenswert ist Ihr Stadtteil? Warum leben Sie gerne hier? Wo gibt es Defizite?
  • Zeigen Sie uns Ihre Lieblingsorte, geben Sie eigene Noten für Ihre Nachbarschaft: Das ist möglich per E-Mail unter stadtteile.bochum@waz.de
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