Stadtteilcheck

Müll und Wand-Sprühereien ärgern alteingesessene Gertherin

Hildegard Grygierek vor der vollgesprühten Gittermauer am Castroper Hellweg. „Ungeheuerlich.“

Hildegard Grygierek vor der vollgesprühten Gittermauer am Castroper Hellweg. „Ungeheuerlich.“

Foto: Sabine Hahnefeld

Bochum.   Für Hildegard Grygierek ist Sauberkeit auf den Straßen wichtig. Sie wohnt seit ihrer Kindheit in Gerthe. Noch nie war es dort dreckig, sagt sie.

„Müll, das geht uns alle an“, sagt Hildegard Grygierek und hat so auch eine Facebook-Seite benannt, die sie betreibt und dort Fotos und Kommentare veröffentlicht. Müll im öffentlichen Raum kann sie richtig aufregen. „Keine Ecke bleibt verschont“, sagt sie.

Sie dokumentiert den Dreck in den Straßen mit der Kamera, vor allem in Gerthe. Heute sagt sie mit einer Mischung aus Empörung und Traurigkeit: „Ich bin eine alteingesessene Gertherin. Zu keiner Zeit, nicht einmal zur Zechenzeit, sah es so dreckig aus wie heute.“

Gerthe liegt beim WAZ-Stadtteilcheck, der die Leser auch nach dem Grad der Sauberkeit in ihrem Umfeld befragt hatte, im unteren Mittelfeld. Note 3,47. Es gibt viel schlechtere Bewertungen. Trotzdem ist Hildegard Grygierek sehr unzufrieden mit der Sauberkeit in ihrem Stadtteil. „Ich fühle mich echt belästigt.“

Sprayer kümmern sich nicht um Eigentum

Sie meint damit nicht nur den Wohlstandsmüll wie Taschentücher, Pappbecher, Zigarettenschachteln, Schnapsfläschen, Pommesschalen (dies nur wenige Beispiele aus dem Müllsortiment), sondern auch kunstlose Sprühereien an Wänden und Mauern. „Eine optische Verunreinigung“ sei dies, sagt Hildegard Grygierek. Als eines von vielen Beispielen nennt sie die vergitterte Mauer am Castroper Hellweg/Ecke Am Hellweg. „Ich finde das ungeheuerlich. Eine bodenlose Unverschämtheit. Die schöne Mauer.“ Den Sprayern (rein rechtlich ist das eine Sachbeschädigung) gehöre die Mauer doch nicht. „Da habe ich meine Finger wegzulassen!“

„Ich finde das katastrophal“

Regelmäßig entdeckt sie auch wilde Müllkippen in Gerthe. Zum Beispiel an der Straße „An der Halde“, die aus dem Stadtteil nach Osten herausführt und kaum bebaut ist. „Hier liegen Koffer, Gummireifen, Bürostühle, Farbteste, Eimer, Tapeten – alles von renovierungsarbeiten. Ich finde das katastrophal, ich ärgere mich schwarz.“

Ungern laufe sie auch durch Ger-
the-Mitte. An so vielen Hauswänden und Geschäftsfronten nur Sprühereien, gegen die sich die Eigentümer und Mieter nicht wehren können. Eine besonders verdreckte Stelle liegt mitten an der Hiltroper Landwehr, Höhe Am Hillerberg. Dort, direkt neben dem Bürgersteig und an einem Parkplatz, haben Unbekannte zwischen Abfallcontainern massenhaft und fast schon flächendeckend Kleinmüll hingepfeffert. „Ekelig“, sagt die Gertherin.

„Es gibt keine Wertevermittlung mehr“

„Es gibt keine Wertevermittlung mehr. Die Menschen laufen wie ferngesteuert mit Handy herum und interessieren sich nicht für ihr Umfeld.“ Früher seien „Straßenfeger“ jeden Tag mit dem Besen durch Gerthe gelaufen, heute hingegen nicht mehr. Die WAZ hat den USB dazu befragt. Als Antwort nennt die Müllabfuhr ein paar Beispiele:

– Castroper Hellweg in Gerthe dreimal wöchentlich

– Hiltroper Landwehr zweimal wöchentlich

– Heinrichstraße zweimal wöchentlich

– Kirchharpener Straße einmal wöchentlich (jeweils Fahrbahn und Gehweg)

– Die Straßenbereiche, die zur Fußgängerzone gehören, werden dreimal wöchentlich gereinigt.

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